"Masters of the Universe" bei Prime Video: Ist der neue He-Man wirklich so schlecht?

Masters of the Universe Still
© 2026 Amazon MGM Studios Content Services LLC

„Masters of the Universe“ überzeugte an den Kinokassen kaum. Jetzt läuft die He-Man-Neuauflage im Streaming. Sollte man sich das antun?

Zum Glück sind heute nicht alle Filme so! Es gibt Werke wie Christopher Nolans „Odyssee“, die mit einer gewissen Skepsis auf die Gegenwart schauen. Die sich inmitten globaler Kriege und Krisen gegen den grassierenden Militarismus stellen und sich keine Illusionen machen, welche verheerenden Auswirkungen vermeintliche Helden- und Krieger-Ideale auf die Menschheit haben. Nämlich Verrohung, Gewalt, Zerstörung. Ein Kreislauf an Verheerung und Aufrüstung.

Es gibt dann aber auch Filme wie „Masters of the Universe“, die sich in ihrem ideologischen Kern genau jenem Militarismus anbiedern, um ein möglichst großes Publikum abzugreifen und seichtes Popcorn-Entertainment zu liefern. Und das ist umso perfider, weil dieser Fantasy-Trash noch gewisse Brüche und kritische Untertöne vor sich herträgt, die aber letztendlich nur das verquere Welt- und Menschenbild bestätigen, das ab der ersten Minuten über das Publikum herfällt. Aber immer der Reihe nach!

Amazon hat mit „Masters of the Universe“ einen Flop gelandet

Amazon hat sich vor einigen Jahren die Rechte an den „Masters of the Universe“ gesichert. Mit den Spielfiguren aus dem Hause Mattel wurde in den 1980ern der Ursprung für ein riesiges Franchise an Produkten und Inhalten geschaffen. Neben mehreren TV-Serien erschien unter anderem 1987 schon einmal eine Live-Action-Verfilmung mit Dolph Lundgren als He-Man.

Nun hat sich Amazon an einem Reboot versucht und scheiterte an dem Kult-Phänomen. Das Multimillionen-Projekt ging an den Kinokassen unter. Die Einspielergebnisse lagen weit unter den Produktionskosten. Ein Flop mit Ansage! Jetzt kann man gespannt sein, ob er sich wenigstens zum Streaming-Erfolg mausert. Einen reichlichen Monat nach Kinostart kann man „Masters of the Universe“ ab sofort bei Prime Video streamen.

Darum geht es im Film

Der Film erzählt die Ursprünge des Helden He-Man. Der kleine Prinz Adam wächst in der Fabelwelt Eternia auf und soll mit anderen Altersgenossen zum Kämpfer ausgebildet werden. Sehr zu seinem Leidwesen! Der Waffenmeister schwört die Menge ein: „Es gibt keine Statuen für Versager“. Alles soll aus dem Kampf hervorgegangen sein. Er hat laut eigenen Berichten für ihre Vorfahren gekämpft, jetzt sollen die Kinder für ihn kämpfen.

Eines Tages erlebt Adam, wie der böse Skeletor (gut getarnt: Jared Leto) im Königreich einfällt. Adam wird also zu seiner eigenen Sicherheit auf die Erde verbannt, doch der Kampf wird ihn früher oder später einholen.

„Masters of the Universe“ besitzt dabei durchaus Stärken! Visuell ist er zum Teil beeindruckend in seiner titanisch aufgeplusterten Spielzeug-Ästhetik geglückt. Da gibt es charmante Maskeneffekte zu erleben. Die Animation sind detailliert und vor allem farbenfroh, strahlend, kontrastreich. Das sind Actionbilder, die in der heutigen, düsteren und entsättigten Blockbuster-Landschaft selten zu finden sind. Und Ja, in einigen Momenten zollt man dem trashigen Charakter des Franchises gekonnt Respekt und dreht das Level an Irrwitz in der Action konsequent auf Anschlag.

Jared Leto als Skeletor in Masters of the Universe
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Eine Parodie auf He-Man?

Interessant ist auch der Ausflug in unsere irdische Sphäre, wenn He-Man als ganz gewöhnlicher Mensch und noch weit entfernt von seinen Muskelbergen im Alltag bestehen muss. Im Job, im Dating. Er hat Heimweh. Er will endlich sein magisches Schwert. Ist dieser Adam also wirklich ein Mann mit Superkräften oder einfach ein Nerd, der der Realität entfliehen will?

Das besitzt kurz das Zeug, ebenso mit dem nostalgischen Kitsch und den lächerlichen Kindheitshelden zu spielen oder sie zu parodieren, nach denen sich gerade erwachsene Männer allzu gern zurücksehnen. Das heißt: Der aktuelle Blick und Standpunkt auf die Popkultur der letzten Jahrzehnte wird hier durchaus mitreflektiert.

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Öde und aufgeblasene Fantasy

Wenn es dann zurück nach Eternia geht, fällt der Film aber schnell auseinander. Geschlagene 140 Minuten dauert dieses Reboot und es ist erschreckend, wie wenig in der langen Laufzeit geschieht. Echtes Abenteuer-Flair kommt dabei selten auf, denn dafür sind die erzählerischen Stationen und Action-Nummern viel zu gleichförmig inszeniert und rar über den Film verteilt.

Da gibt es gar keine herausstechenden Szenen oder größere Überraschungen. Überraschend sind vielleicht höchstens die ein oder anderen ironischen Brüche, gerade wenn die fantastische und die irdische Welt noch einmal kurzzeitig ineinander übergehen. Vor allem aber ist der Film wahnsinnig schleppend erzählt. Und der pubertäre Humor zwischendurch macht das nicht besser.

He-Man mit seinem Schwert in Masters of the Universe
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Eine Parodie von He-Man?

Daneben aber stößt dieses unerbittliche Gewaltdenken im Film sauer auf. Hier gibt es im Grunde keine Option, nicht zu den Waffen zu greifen. Die natürliche Bestimmung aller ist, gemeinsam gegen das Böse zu Felde zu ziehen, sich in seiner Kriegerrolle einzufinden.

Da wird zwar immer wieder mit der harten Schale gespielt. Hier und da werden auch die inneren Werte betont. Man witzelt etwas über den Macho-Charakter der He-Man-Figur. Und natürlich dürfen die Männer auch weinen. Man verzeiht vielleicht sogar dem Drill und der Demütigung des früheren Ausbilders. Schließlich ist man gemeinsam auf der Seite der „Guten“. An der grundlegenden Aufgabe, die ein jeder vermeintlich zu erfüllen hat, ändert all das aber nichts.

„Masters of the Universe“ ist ein militaristischer Film

Schlussendlich lautet Kämpfen die Devise. Es geht um das Annehmen der „wahren Bestimmung“, das Erwachen des Kampfgeistes, der erst negiert, aber dann in seiner Dringlichkeit erkannt werden soll. Das Böse will schließlich ohnehin nicht verhandeln, also muss es vernichtet werden. Diplomatischem Streben streckt man lachend den Mittelfinger entgegen. So, als sei der Fortschritt da, wenn man nur etwas kritische Männlichkeit in das System tröpfelt oder wenn es vielleicht sogar ein wenig queerer unter den Kämpfern wird. Zumindest streut man etwas biedere Pop-Queerness in die Bilder ein.

Als seien nicht die gezeigte Abrichtung von Menschen für ein Reich und das angeblich alternativlose Rauben der Selbstbestimmung unter dem Deckmantel des Heldentums das, was es eigentlich kritisch zu befragen gilt.

Das ist letztlich albern verkleidetes Durchhaltekino der übelsten Sorte und umso schlimmer, da es sich offensichtlich an eine kindliche Zielgruppe richtet. Man könnte über das Freund/Feind- und das militaristische Kampfesdenken dieser quietschbunten Filmwelt lachen, wäre sie nicht so zynisch nah an unserer.

„Masters of the Universe“ ist seit dem 22. Juli 2026 bei Prime Video verfügbar.