Die EU-Kommission möchte chinesische Technologie aus den europäischen Telekommunikationsnetzen verbannen – einer Industriestudie zufolge würde das teuer.
- GSMA: Ausschluss von Huawei und ZTE könnte Europa bis 40 Milliarden Euro kosten
- Investitionsrückstände und Netzqualität
Die Europäische Union plant im Rahmen eines überarbeiteten Cybersecurity Act (CSA2) Technologie aus bestimmten Ländern, allen voran voraussichtlich China, innerhalb von drei Jahren aus der europäischen Telekommunikationsinfrastruktur zu entfernen. Eine neue Studie des Branchenverbandes der Mobilfunkbetreiber GSMA, die im Juli 2026 veröffentlicht wurde und Golem vorliegt, quantifiziert nun die wirtschaftlichen Folgen dieses möglichen Schritts und kommt zu deutlich höheren Kostenschätzungen als die Offiziellen der EU-Kommission.
Während die EU-Kommission von Gesamtkosten in Höhe von etwa 10 bis 13 Milliarden Euro ausgeht (3,4 bis 4,3 Milliarden Euro pro Jahr über drei Jahre), beziffert GSMA Intelligence die direkten Kosten für den vollständigen Austausch bestehender Infrastruktur auf 30 bis 40 Milliarden Euro, mit einem zentralen Schätzwert von 35 Milliarden Euro. Den größten Posten stellen dabei die Mobilfunknetze mit geschätzten 16 bis 22 Milliarden Euro dar. Festnetze werden mit rund 5 Milliarden Euro, Transportnetze mit 9 bis 12 Milliarden Euro veranschlagt.
Weniger Wettbewerb, höhere Preise
Ein zentraler Aspekt der Studie ist die Analyse der langfristigen Marktstruktur. Der Ausschluss der betroffenen Anbieter – darunter Huawei, das laut GSMA einen Marktanteil von 25 Prozent im europäischen Mobilfunk, 27,5 Prozent im Festnetz und 20 Prozent im Transportbereich hält – würde die Konzentration auf wenige verbleibende Lieferanten verstärken. Die Studie prognostiziert dadurch Preissteigerungen von 24 Prozent im Mobilfunk, 19 Prozent im Festnetz und 10 Prozent im Transportbereich. Für den Zeitraum 2027 bis 2030 ergeben sich daraus geschätzte zusätzliche Kosten von 8,5 Milliarden Euro, die sich bis 2035 auf etwa 24 Milliarden Euro summieren könnten.
Die Studie warnt zudem vor der Entstehung lokaler Monopole. Im globalen Markt für passive optische Netze (PON) etwa würde das Ausscheiden eines großen Anbieters wie Huawei Nokia als einzigen verbleibenden Großlieferanten zurücklassen – unter Resilienzgesichtspunkten eine denkbar schlechte Situation.
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