Afghanistan: 52 Prozent der Frauen verlassen ihr Zuhause kaum noch

Publiziert15. August 2026, 17:14

Taliban-RegimeMehr als die Hälfte der Frauen verlassen ihr Zuhause kaum noch

Vor knapp fünf Jahren übernahmen die Taliban Afghanistan, seither haben die Frauen wieder kaum mehr Rechte. Die Frauenorganisation der Vereinten Nationen berichtet jetzt über die Folgen.

Jasmin Steiger

Deutsche Presse-Agentur

Darum gehts

  • 52 Prozent der Frauen in Afghanistan verlassen ihr Zuhause nur zweimal oder weniger im Monat, wie eine aktuelle Untersuchung der Vereinten Nationen zeigt.
  • Knapp fünf Jahre nach der Taliban-Machtübernahme sind Frauen wieder weitestgehend vom öffentlichen Leben ausgeschlossen.
  • Sieben von zehn befragten Frauen geben an, dass sich ihre psychische Gesundheit im vergangenen Jahr verschlechtert hat.

Knapp fünf Jahre nach der Übernahme Afghanistans durch die islamistischen Taliban hat sich die Situation für die schätzungsweise etwa 22 Millionen Frauen und Mädchen im Land wieder drastisch verschlechtert. Sie verlassen demnach kaum noch ihr Zuhause: 52 Prozent der befragten Frauen hätten ihr Haus nur zweimal oder weniger oft im Monat verlassen, berichtet die Frauenorganisation der Vereinten Nationen, UN Women.

Demgegenüber stünden 96 Prozent der befragten Männer, die ihr Haus jeden Tag verliessen, schreibt die Organisation in einer aktuellen Publikation. Dafür wurden nach Angaben von UN Women in zwei Runden landesweit über 2000 Personen als repräsentative Gruppe befragt. Die Ergebnisse unterscheiden sich zwischen ländlichen und urbanen Regionen.

Verschlechterung psychischer Gesundheit

Am 15. August 2021 hatten die Taliban nach einer Blitzoffensive die afghanische Hauptstadt Kabul eingenommen. In den folgenden Jahren schränkten sie die Rechte von Mädchen und Frauen im Land drastisch ein. Weiterführende Schulen und Universitäten dürfen sie etwa nicht besuchen. Auch aus Teilen des Arbeitslebens werden sie herausgedrängt.

65 Prozent der für UN Women befragten Frauen gaben an, dass sich ihr Leben nach der Übernahme der Taliban schlechter entwickelt habe, als sie das vorher erwartet hatten. Besonders die massiven Einschnitte beim Zugang zu Bildung für sich und ihre Kinder geben sie in der Befragung als Gründe für die verschlechterte Perspektive an.

Sieben von zehn Frauen gaben an, dass sich ihre psychische Gesundheit im vergangenen Jahr verschlechtert habe. In von UN Women zusätzlich durchgeführten Interviews führten Frauen psychische Probleme auch auf die Restriktionen zurück.

Humanitäre Krise in Afghanistan

Afghanistan durchläuft derzeit neben den Einschränkungen für Frauen eine massive humanitäre Krise. 47 Prozent der Minderjährigen seien nach Angaben des Welternährungsprogramms im ersten Quartal dieses Jahres unterernährt gewesen. Unterfinanzierte internationale Hilfsprogramme, schlechte Ernten infolge von Dürren sowie fast 5,9 Millionen Rückkehrer seit September 2023 erschweren die Lage.

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Jasmin Steiger

Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.

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