Mehr als ein kurzfristiges Problem: Ort in Oberbayern geht das Wasser aus

Stand: 02.08.2026, 08:00 Uhr

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Infoveranstaltung Bad Bayersoien 24. Juli Hansjörg Wiesböck (l.), Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen, und Andreas Schechinger, Wasserwirtschaftsamt Weilheim.

„Die Situation ist prekär“: Die Fachleute Hansjörg Wiesböck vom Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen (l.) und Andreas Schechinger vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim rufen zum Wassersparen auf. © Dominik Bartl

Die aktuelle Wasserknappheit ist für Bad Bayersoien mehr als ein kurzfristiges Problem. Bürgermeister Eberhard Steiner sucht nach Wegen, die Versorgung zu sichern.

Bad Bayersoien – „Wie ein Tornado“ hat das Thema Trinkwasserversorgung Eberhard Steiner getroffen. Bad Bayersoiens Bürgermeister steht vor einem Spagat. Denn durch die lange Trockenperiode und die Hitze ist das Wasser im Ort knapp geworden. Weshalb die Gemeinde ihre Bürger seit knapp vier Wochen zum sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut aufruft. Der Rathauschef ist derweil in zweifacher Hinsicht gefragt: Einerseits muss er das Problem kurzfristig lösen. Und auf der anderen Seite dafür Sorge tragen, dass das Dorf für die Zukunft gewappnet ist.

Wasserknappheit in Bad Bayersoien: 200 Besucher kommen zu Infoveranstaltung

Es dürfte der Hauptgrund sein, weshalb Steiner in die Kommunikationsoffensive ging und eine Informationsveranstaltung für die Bürger einberief. Knapp 200 Interessierte folgten dieser Einladung und sorgten dafür, dass im Dorfstadl kaum ein Platz mehr frei blieb. Der 73-Jährige adressierte dabei auch die Sorgen so mancher Bayersoier. „Es muss keiner Angst haben, dass kein Wasser mehr aus dem Hahn kommt“, betonte er.

Infoveranstaltung Bad Bayersoien 24. Juli: Voller Dorfstadl

Voll bis unters Dach: Zahlreiche Bürger zieht es zur Infoveranstaltung in den Dorfstadl. © Dominik Bartl

Die Kommune bezieht ihr Trinkwasser aus einer Quelle oberhalb des Soier Sees und aus einem Tiefbrunnen im Ortsteil Gschwendt. Und da sieht es nicht gut aus, wie die beiden geladenen Fachleute Hansjörg Wiesböck (Gesundheitsamt Garmisch-Partenkirchen) und Andreas Schechinger (Wasserwirtschaftsamt Weilheim) verdeutlichten. „Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass die Situation prekär ist“, sagte Wiesböck.

Teure Sofort-Maßnahme: Lieferung kostet bis zu 1000 Euro pro Tag

Um den Engpass zu überbrücken, bezieht die Gemeinde Trinkwasser aus den Nachbargemeinden per Lkw (wir berichteten). „Die Lieferungen kosten bis zu 1000 Euro pro Tag“, fügte Steiner an. Rund 130 Fahrten an 16 Tagen kamen bereits bis vergangenen Mittwoch zusammen. Hohe Kosten also in Zeiten, in denen die Kommune finanziell ohnehin zu kämpfen hat.

Gänzlich unvorbereitet ist die Gemeinde auf die aktuelle Situation nicht. „Wir haben schon befürchtet, dass es ein Problem bei der Versorgung geben könnte“, stellte Wiesböck klar. Entsprechende Maßnahmen wurden getroffen, und die Vorahnung ist heuer tatsächlich eingetreten. Viel passieren darf bei der Wasserversorgung derzeit nicht. „Wenn aktuell ein Rohrbruch passiert, wird‘s eng“, erläuterte Wiesböck. Eines ist für ihn sicher: Situationen wie diese werden öfter kommen. „Wir erwarten eine stagnierende oder noch schlechtere Lage.“

Brunnen nähert sich bedeutender Schwelle

Die Wasserquellen hat auch Schechinger besonders im Blick. Beim Brunnen nähert sich die Pumpe der 15-Meter-Schwelle. Schon vor 13 Jahren wurde aus einer solchen Tiefe Wasser gefördert. Damals seien „Sand und Dreck gekommen“, erinnerte Maximilian Drexler im Gemeinderat. Das führte zu Trübungen im Wasser, also zu optischen Veränderungen durch Sediment, sodass dieses gechlort werden musste. Wie auch seit vergangenen Freitag. Eine prophylaktische Maßnahme auf Empfehlung der zuständigen Behörden.

Der Brunnen geht bis 33 Meter in die Tiefe. „Also wäre schon noch Platz vorhanden, weiterzugehen“, meinte Drexler. Aber die Verantwortlichen sind da sehr behutsam. „Wenn der Brunnen ausfällt, wäre das fatal“, bekräftigte Schechinger im Dorfstadl. „Wir müssen extrem vorsichtig sein, weil wir das nicht kompensieren können.“ Momentan wird mit einer Pumpentiefe von knapp 14 Metern und einer Leistung von eineinhalb Litern pro Sekunde gefördert. Für eine stabile Wasserversorgung, die keine Fahrten eines Tankfahrzeuges erforderlich macht, müsste die Leistung bei zwei Litern pro Sekunde liegen. Denn rund 380 Kubikmeter verbrauchen die Bayersoier pro Tag. An heißen Wochenenden sind es auch mal über 400.

Temporäre Leitung nach Saulgrub soll‘s richten

Beim Brunnen vermuten die Fachleute darüber hinaus eine Verstopfung. Das ließe sich mit Druckstößen beheben, sagte Drexler. Über das Angebot einer Fachfirma für die Brunnenregeneration wird der Gemeinderat in seiner Sitzung am heutigen Dienstag (19.30 Uhr, Rathaus) beraten. Die Kosten belaufen sich auf 20.000 bis 25.000 Euro. Der Brunnen wäre dann knapp eineinhalb Wochen nicht nutzbar. Im Winter könnte die Gemeinde diese Maßnahme angehen.

Perspektivisch benötigt Bayersoien aber ein weiteres Standbein. Auch, um die hohen Kosten für die Wasserlieferungen zu umgehen. Hier brachten die Fachleute und Bürgermeister Steiner einen Verbund mit den umliegenden Gemeinden ins Spiel. Eine temporäre Leitung nach Saulgrub, unter der Erde versteckt, soll Wasser aus dem benachbarten Bad Kohlgrub in den Ort bringen. Der Haken: „Die Erschließung braucht Zeit.“ Und beide Gemeinderäte müssen erst zustimmen. Bis dahin bleibt nur eines: weiter sorgsam mit dem Wasser umgehen. Und da hat Steiner ein Lob für die Bürger übrig: Bisher hätten die Aufrufe der Gemeinde gefruchtet.