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Der Preis ist zu hoch
6. Oktober: Der Preis des Aufbruchs an der Staatsoper
Können wir uns wirklich über den „mehrschichtigen publikumspolitischen Teilerfolg“ der neuen Staatsopernleitung freuen? Was bedeutet es, wenn die heutigen Inszenierungen nur noch entfernt mit dem eigentlichen Inhalt der Opern zu tun haben, stattdessen mit absurden Effekten im Sekundentakt eine völlig fehlgeleitete Spannung erzeugen? Vor 20 Jahren „genügte“ es noch, ein blutiges Wild über die Bühne zu schleifen (München), in den Bayreuther „Meistersingern“ ließ Katharina Wagner noch rechtzeitig den obligatorischen Nackten auf die Bühne schleppen. Am schönsten der Moment im Hamburger Konwitschny-„Lohengrin“, wo Ortrud steht, Friedrich liegt und singt: „Erhebe dich, Genossin meiner Schmach.“ Es ist ein zweifelhafter Erfolg, wenn manchen jungen Leuten mit Effekten und Verdrehungen über die Schwelle zum „verstaubten“ Opernhaus hinweg geholfen wird. Doch wie soll ein zukünftiges Opernpublikum heranwachsen, wenn niemand mehr weiß, was in Wagners „Rheingold“ wirklich passiert, wenn große Teile der Oper (Bayreuth um 2010) im Puff spielen? Durch derartigen Unsinn wird die Musik zur akustischen Begleitkulisse, zur Filmmusik (im schlechten Sinn) herabgestuft und findet gar nicht mehr statt. Wer etwa heute in eine aktuelle Wagner-Inszenierung geht, um ein Werk kennenzulernen, kehrt nach Hause zurück mit dem Eindruck, so „geht“ das Stück, so „geht Wagner“. Aber er „geht“ nicht so! Der „Preis des Aufbruchs“, wie ihn Joachim Mischke warnend formuliert, ist zu hoch! Oder spricht man nicht doch besser vom „Preis des Abbruchs“?
Cord Garben
Drei Verbesserungsvorschläge
Um der Staatsoper eine bessere Auslastung der Vollzahler zu bescheren, braucht es drei Dinge: 1. Erstklassige Dirigenten und Solisten. 2. Regisseur/innen, die den Komponisten respektieren und damit den Zuschauern ein tief empfindendes Mitgehen des Opernabends gestatten und sie nicht mit Wut im Bauch über eine enttäuschende Inszenierung zu hohem Eintrittspreis nach Hause entlassen. 3. Eine Bindung der Zuschauer an die Oper durch z. B. kurze Interviews der Sängerinnen und Sänger nach der Vorstellung im Foyer oder schon im Newsletter und den Flyern, gezielt eine Besonderheit der jeweils angekündigten Stücke herauszuheben. Aus der Elphi gehe ich in der Regel beglückt nach Hause. Schön wäre es, wenn es auch nach einem Opernbesuch wieder öfter vorkommen würde.
Gudrun Kolberg
Ein richtiger Schritt
30. September: Wie Tschentscher und Günther den Strom billiger machen wollen
5. Oktober: Leserbrief „Absurde Energiepolitik im Norden“
Die Regierungschefs Hamburgs und Schleswig-Holsteins machen einen richtigen Schritt, um die anormal hohen Strompreise bei uns im Norden zu senken. Es kann nicht sein, dass der Norden, der die Areale für die Erzeuger von Sonnen- und Windstrom bereitstellt, höhere Preise bezahlt als der Süden. Es kann auch nicht sein, dass die Bundeswirtschaftsministerin Reiche die fast CO₂‑freie, billige erneuerbare Energie ausbremst und CO₂‑trächtige fossile Energie befördert. Frau Reiche muss auch korrigiert werden, wenn sie meint, den Windstrom drosseln zu müssen, um die Netze zu entlasten. Bei Transportengpässen muss nicht das Angebot verringert, sondern der Transport optimiert werden. Tschentscher und Günther ergreifen die Initiative hoffentlich noch rechtzeitig. Der Bau von Speichern – „schon drei neue Trafos könnten die Lage entspannen“ – und der Ausbau der Stromnetze führen zu mehr Wertschöpfung und zu günstigeren Strompreisen in der Region. Warum wird die Windenergie trotz ihrer Vorteile immer wieder auch in Leserbriefen abgelehnt? Windräder seien hässlich. Wie steht es mit den Schornsteinen, Kühltürmen und Betonbauten der Fossilen? Schlecht gebaute Anlagen können der Natur schaden, so der Nabu. Volle Zustimmung, aber hat Bürgermeister Tschentscher vor, in der Rissen-Sülldorfer Feldmark schlecht gebaute Anlagen erstellen zu lassen? Leidet der Erholungswert im 513 ha großen Klövensteen, wenn sich ein paar Windräder in 75 ha der Feldmark drehen? Wenn ich an den Mühlen vorbeikomme, freue ich mich, dass sie so umweltfreundlich wie kein herkömmlicher Energieproduzent arbeiten, und das zu einem Sonderpreis. Das hat Erholungswert.
Volker Knuth
Natur schützen statt zerstören
26. September: Wo in Bergedorf neue Windkraftanlagen gebaut werden könnten
1. Oktober: Leserbrief „Windkraft um jeden Preis?“
Seitdem die Planung des Hamburger Senats, 0,5 Prozent der Hamburger Stadtfläche für den Bau von Windenergieanlagen (WEA) auszuweisen, öffentlich geworden ist, geht die Angst bei Hamburgs Tierschützern und Naturfreunden um. Sollen etwa die fast letzten natürlichen Rückzugsgebiete für Biodiversität und Naherholung der Hansestadt, die Landschaftsschutzgebiete, im Kampf gegen den Klimawandel geopfert werden? Es scheint so, als soll paradoxerweise die Zerstörung der Natur, insbesondere das Landschaftsschutzgebiet Rissen-Sülldorfer Feldmark, zum Natur- und Klimaschutz beitragen. 20 Bürgervereine und Initiativen des Hamburger Westens weigern sich jedoch, dieser (Un-)Logik zu folgen, und haben dagegen eine Petition auf den Weg gebracht. Es werden konstruktive Vorschläge gemacht, um das Schlimmste, „die Zerstörung der Landschaftsschutzgebiete durch WEAs“, zu verhindern. Die Initiativen plädieren unter anderem dafür, bereits versiegelte Flächen des Hamburger Hafens für den Bau neuer Windkraftanlagen zu nutzen. Der Schutz sollte aber generell und nicht nur für die Rissen-Sülldorfer Feldmark, sondern für alle Landschaftsschutzgebiete gelten und die dafür kürzlich gesetzlich geöffnete Tür schnellstmöglich wieder geschlossen werden. Die Natur ist mit intakten Mooren, Wäldern, Tieren und Gewässern unser bester Freund im Kampf gegen den Klimawandel und gehört geschützt, statt zerstört.
Cornelia Oelkers
Schlafwandelnd in einen Krieg?
6. Oktober: BND-Chef warnt vor Eskalation: Putin steht „unter Zugzwang“
Der BND-Chef Martin Jäger warnte ausdrücklich vor einer Eskalation auch gegenüber Deutschland. Die „Konfrontation, in der wir mit Russland stehen, hat eine neue, gefährlichere Qualität“, sagte Jäger bei der Bundestagsanhörung. Zudem sei Deutschland in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten. Russland sehe Deutschland wegen seiner Unterstützung für die Ukraine als „Hauptgegner“. Bei diesen Worten kann einem Angst und Bange werden. Doch hat man den Eindruck, dass trotz der Gefahr einer Eskalation so weitergemacht wird wie bisher. Schlafwandelnd in einen großen Krieg? Das darf nicht sein! Abgesehen davon, dass es der geschundenen Ukraine auch nicht helfen würde, muss die Unterstützung wohlüberlegt sein. Bei aller berechtigten Anteilnahme an der Situation der Ukraine: Sie ist kein Bündnisgebiet der Nato. Und schließlich: Unsere Politiker sind gemäß ihrem Amtseid verpflichtet, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden. Doch genau daran habe ich angesichts der gegenwärtigen Politik zunehmend Zweifel. Die entscheidende Frage lautet: Wo endet die Solidarität mit der Ukraine, und wo beginnt die Verantwortung für die Sicherheit unseres eigenen Landes? Eine Ausweitung des Krieges auf deutschen Boden darf nicht zum Preis unserer Unterstützung werden. Deutschland darf nicht schlafwandelnd in einen Krieg geraten.
Reiner Gorning
Bürokratie-Posse
5. Oktober: Kein Schlüssel, kein Erbschein: Neffe darf nicht in Wohnung der toten Tante
Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man angesichts dieses Beispiels deutscher Bürokratie lauthals lachen. Weil der Berechtigungsschein (in diesem Fall eine Nachlass-Vollmacht) zum Zutritt der Wohnung in selbiger liegt, wird dem Neffen der Verstorbenen dieser Zutritt verweigert! Und weder Polizei noch Behörde sehen sich in der Lage, zu helfen. Meine Empfehlung: Herr Mackenrodt sollte sich mithilfe eines Schlüsseldienstes Zutritt zur Wohnung verschaffen. Anschließend kann er dem Mitarbeiter seine Zutrittsberechtigung vorlegen. Und er sollte diese Posse der Redaktion von extra 3 für die Rubrik „Der reale Irrsinn“ zur Verfügung stellen.
Martin Wucherpfennig
Tragfähige Risikoverteilung finden
5. Oktober: Finanzsenator zum Elbtower: „595 Millionen Euro, das ist die Obergrenze“
Die klare Haltung des Finanzsenators, den Kaufpreis von 595 Millionen Euro nicht weiter zu erhöhen und keine unkalkulierbaren Risiken für Hamburg zu übernehmen, ist nachvollziehbar. Doch bei einem Projekt dieser Größenordnung ist Zeit nicht kostenlos. Seit Hamburg sein Angebot im Oktober 2025 vorgelegt hat, ist ein weiteres Jahr vergangen. Die Finanzierung großer Immobilienprojekte ist schwieriger und teurer geworden. Gleichzeitig steigen die Baukosten weiter. Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für den Neubau von Bürogebäuden 5,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei einem Bauvolumen von mehreren Hundert Millionen Euro können allein dadurch zusätzliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe entstehen. Diese höheren Baukosten müssen wiederum finanziert werden. Natürlich muss Hamburg seine Interessen wahren und darf private Projektrisiken nicht einfach auf den Steuerzahler übertragen. Aber auch eine harte Verhandlungsposition ändert nichts daran, dass eine Lösung für beide Seiten wirtschaftlich tragfähig sein muss. Steigende Bau- und Finanzierungskosten können den verbleibenden Spielraum mit jedem weiteren Monat verkleinern. Besonders unbefriedigend wäre es, wenn Hamburg am Ende zwar hervorragend verhandelt hätte, aber keinen Vertrag mehr zustande bringt. Denn nach Darstellung des Senats würde ein Neubau des Naturkundemuseums an anderer Stelle mindestens 230 Millionen Euro mehr kosten und fünf Jahre länger dauern. Und die Elbtower-Ruine stünde dann immer noch an den Elbbrücken. Niemand verlangt einen Blankoscheck für private Investoren. Aber Stadt und Konsortium sollten jetzt eine tragfähige Risikoverteilung finden. Hamburg braucht am Ende nicht den härtesten Verhandlungserfolg, sondern eine wirtschaftlich vernünftige Lösung, mit der der Elbtower endlich fertiggestellt werden kann.
Jonathan Segnitz
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