Menschenfänger und Malocher: Wie Muslic auf Schalke Kult wurde

Als Miron Muslic vor einem Jahr als neuer Trainer von Schalke 04 präsentiert wurde, mussten die meisten Fans nach ihm googeln. 

Niemand konnte etwas mit diesem Namen anfangen, kaum jemand traute ihm zu, den Traditionsverein in den Griff zu kriegen. 

Muslicwer? Muslicwas? Muslicwie?

Miron Muslic auf dem Trainingsplatz in Neustift im Stubaital

Miron Muslic auf dem Trainingsplatz in Neustift im Stubaital

Aus Skepsis wurde Überzeugung

„Ich sag’s ganz offen: Ich habe mich damals wirklich gewundert, dass Schalke ihn geholt hat“, erzählt Michael Riedmüller. Ein Jahr später sitzt Riedmüller am Fußballplatz in Neustift im Stubaital und verkauft Fanartikel und Tickets für die Testspiele von Schalke im Trainingslager in Tirol. 

Aus dem Krisenklub, der 2025 fast in die dritte Liga abgestiegen wäre, ist ein Bundesligist geworden, aus Skepsis pure Überzeugung – und aus Miron Muslic, dem absoluten No-Name, ein Chefcoach, der auf Schalke Kultstatus genießt wie selten ein Trainer zuvor in Gelsenkirchen.

Energiegeber

Man wird unter den 1.000 Fans, die jedes Training der Schalker am Fußballplatz in Neustift verfolgen, niemanden finden, der auch nur ein schlechtes Wort über Miron Muslic verliert. 

Wie denn auch? Der Österreicher hat den Traditionsverein zurück in die Bundesliga geführt und mit seiner Art Schalke 04 Leben und Zuversicht eingehaucht.

Die Fans lagen ihm schon nach zwei Wochen zu Füßen“, erinnert sich Dirk große Schlarmann. Der Sky-Reporter begleitet Schalke 04 schon seit Jahrzehnten, eine Trainerpersönlichkeit wie Muslic ist ihm aber nur selten untergekommen.

Massenandrang beim Trainingslager des FC Schalke in Neustift im Stubaital

Massenandrang beim Trainingslager des FC Schalke in Neustift im Stubaital

Glaubwürdig

„Er ist so klar und macht was her. Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Trainer beim ersten Training schon jeden Journalisten beim Namen kannte. Er hat sich mit Haut und Haaren auf Schalke eingelassen.“

Genau darauf kommt es an beim FC Schalke 04. Kaum eine Stadt ist so mit seinem Fußballklub verschmolzen wie Gelsenkirchen inmitten des Ruhrpotts. 266.000 Einwohner, wenig Sehenswürdigkeiten, hohe Arbeitslosigkeit, seit die Zechen geschlossen haben.

Lebensinhalt

Schalke 04 ist für viele Menschen in Gelsenkirchen der Anker und Lebensinhalt. Oder wie es ein Fan im Stubaital sagt: „Da kannst du für einige Stunden die Probleme vergessen und aus dem Alltag flüchten.“

Bodenständig

Für die Anhänger ist Miron Muslic ein Gelsenkirchener wie du und ich. Als Flüchtlingskind war der gebürtige Bosnier nach Tirol gekommen und musste sich hochdienen und alles erarbeiten. „Schalke braucht jemand, der malocht. Ein abgehobener Trainer hat hier keinen Platz“, erklärt Michael Riedmüller. „Muslic ist ein echter Menschenfänger.“

Einer, der für die Mission Klassenerhalt auch Landsleute um sich schart. Mit Maximilian Wöber kommt ein weiterer Österreicher zum FC Schalke. Für Sky-Reporter Schlarmann ist aber vor allem der Trainer der Erfolgsfaktor. „Muslic kann die Kabine und die Fans anstecken. Für Schalke ist das Argument für den Klassenerhalt der Trainer.“

kurier.at, cg  |  22.07.2026, 18:08