Publiziert22. Juli 2026, 18:08
ZürichPolizist missbrauchte Datenbank, um Affäre zu überprüfen
Ein weiterer Fall von Datenmissbrauch zu privaten Zwecken erschüttert die Stadtpolizei Zürich. Ein Stadtpolizist soll seine Affäre und Freunde missbräuchlich in Polis überprüft haben.

Darum gehts
- Ein dritter Stadtpolizist der Stadtpolizei Zürich steht im Verdacht, das Polizeisystem «Polis» für private Abfragen missbraucht zu haben.
- Der Beamte soll seine Freunde aus seinem privaten Umfeld systematisch ausgespäht sowie interne Fotos in privaten Runden herumgezeigt haben.
- Die Stadtpolizei weiss seit rund einem Jahr vom Fall, ergriff bisher aber keine personalrechtlichen Sofortmassnahmen.
Schon wieder ein Fall von mutmasslicher Amtsgeheimnisverletzung bei der Stadtpolizei Zürich, berichtet der «Tages-Anzeiger». Es ist der dritte ähnlich gelagerte Fall innert kurzer Frist, der medial bekannt wird. Wieder geht es um privat getätigte Abfragen im Polizeisystem «Polis».
Zuerst sind zwei Stadtpolizistinnen auf einen Kriminellen aus dem Zürcher Milieu hereingefallen. Der «Polizistinnen-Verführer» hat die erste Frau gebeten, Abfragen im Polis auf ihrem Diensthandy zu tätigen, was die Beamtin für ihren Crush tat. Sie wurde kürzlich wegen Amtsgeheimnisverletzung rechtskräftig per Strafbefehl verurteilt. Heute arbeitet sie im Sicherheitsbereich, aber nicht mehr bei der Polizei.

Eine zweite Stadtpolizistin ging mit dem «Polizistinnen-Verführer» und verurteilten Vergewaltiger gar eine feste Beziehung ein. Sie arbeitet seit 2025 nicht mehr bei der Stadtpolizei. Bei der Staatsanwaltschaft läuft ein Verfahren wegen mutmasslicher Amtsgeheimnisverletzung.
«Er wusste, dass mir mal ein Velo geklaut wurde»
Nun liegt ein dritter Fall von mutmasslichem Datenmissbrauch vor – und erneut geht es um ungerechtfertigte Abfragen im internen Polizeisystem. Der Mann, gegen den zurzeit eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft läuft, soll seine privaten Freunde und seine Dates missbräuchlich in Polis überprüft haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Ein ehemaliger Freund des Stadtpolizisten, der den Fall der Staatsanwaltschaft meldete, erzählt im Videointerview mit dem «Tages-Anzeiger»: «Er wusste, wo ich wohne, wie meine Eltern aussehen und dass mir vor Jahren einmal ein Velo geklaut wurde.» Gegenüber 20 Minuten präzisiert er: «Er sagte mir sogar, dass mein Vater ‹hot› ist.»
Der beschuldigte Polizist habe das Diensthandy zu Unterhaltungszwecken unter Freunden immer wieder gezückt. So zeigte er ihm etwa eine verstorbene Frau unter einem Tram oder interne Fotos nach der Verhaftung des Zürcher Influencers «Skorp».
«Er machte sich oft lustig über die Leute», erzählt der ehemalige Freund. «Oder er war schockiert nach seinem Einsatz beim Tramunfall und wollte das einfach mit uns teilen.» Oft habe der Stadtpolizist in der Freizeit einfach so das Diensthandy gezückt, um im Polizeisystem zu schauen, was so laufe und ob er interessante Fotos sehe. Dies habe er zu Hause oder in den Ferien getan.
Polizist wollte sicher sein, dass er nicht mit Kriminellen abhängt
Auch habe der Polizist das Umfeld seiner Freunde abgefragt und Infos über sie zusammengesucht. «Er wusste zum Beispiel Sachen über meinen Bruder – das war manchmal richtig creepy», sagt der junge Mann zu 20 Minuten. Als die Affäre in die Brüche ging, der Polizist aber weiterhin Kontakt zu ihm suchte, habe ihn das zunehmend belastet. «Irgendwann sagte ich, ich wolle ihn nicht mehr sehen und würde jetzt gegen ihn aussagen.» Im Rahmen der Strafuntersuchung wurde er zweimal als Zeuge von der Staatsanwaltschaft befragt. «Ich hoffe einfach, dass er verurteilt wird, mir ging das lange sehr nahe. Und ich hoffe, dass er mich nicht mehr im System abrufen kann.»
Der Stadtpolizist habe ihm gesagt, er überprüfe auch andere Freunde – quasi aus Eigenschutz, um sicherzustellen, dass er sich in der Freizeit nicht mit Männern umgebe, die kriminell sind. Zudem habe der Stadtpolizist erzählt, dass er es einfach interessant finde, Leute auszuspähen. «Ich fand das unheimlich und fühlte mich verfolgt.»
Stadtpolizist wurde nicht entlassen
Die Stadtpolizei hat vor rund einem Jahr vom Fall erfahren. Doch trotz der geäusserten Vorwürfe hätten sich «keine personalrechtlichen Sofortmassnahmen» aufgedrängt, wie die Medienstelle sagt. Man habe zudem die Untersuchung der Staatsanwaltschaft nicht gefährden wollen, so eine Sprecherin.
«Jemand, der unrechtmässig auf sensible Daten zugreift, hat bei der Polizei nichts verloren», sagt hingegen der ehemalige Freund des Stadtpolizisten im «Tages-Anzeiger». Dass Polizisten jederzeit und auch willkürlich auf geheime Informationen zugreifen können, zeige, dass «sie Stadtpolizei hat ein strukturelles Problem mit dem Datenschutz» habe.
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Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.
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