Stand: 05.10.2026, 13:33 Uhr
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Nach dem Berliner Wahldebakel rechnet CDU-Landeschef Stefan Evers mit Friedrich Merz ab: Er kritisiert mangelnde Empathie und Vertrauensverlust beim Kanzler.
Berlin – Die CDU hat die Berlin-Wahl mit einem historisch schlechten Ergebnis abgeschlossen – fast zehn Prozentpunkte weniger als noch 2023. Nun rechnet Berlins CDU-Chef Stefan Evers öffentlich ab. Und er macht dabei keinen Hehl daraus, wo er eine entscheidende Mitschuld sieht: in der Bundespolitik – und beim Kanzler persönlich.
Im Interview mit dem Tagesspiegel schildert Evers, was man in den Wochen vor der Wahl an den Berliner Haustüren erlebt habe: In Gesprächen hätten sich viele Menschen extrem frustriert über die Performance der schwarz-roten Bundesregierung geäußert – und dabei sei „ständig“ der Name Friedrich Merz gefallen. Eine vernichtende Bilanz für den Kanzler. Evers fasst das Kernproblem knapp zusammen: „Enttäuschte Hoffnungen und Erwartungen kosten politische Glaubwürdigkeit und damit auch Vertrauen.“
Mangelndes Vertrauen und Nahbarkeit bei der CDU
Hintergrund ist unter anderem Merz’ Kurswechsel bei der Schuldenbremse: Als Kanzlerkandidat hatte er eine Lockerung bis zum Wahltag kategorisch ausgeschlossen – um sie danach mit den Stimmen von SPD und Grünen dennoch durchzusetzen. Für viele Wählerinnen und Wähler ein Vertrauensbruch, der auch im Berliner Wahlkampf spürbar nachwirkte.
Neben dem inhaltlichen Glaubwürdigkeitsproblem benennt Evers noch einen weiteren wunden Punkt beim Kanzler: „fehlende Empathie und Nahbarkeit“. Gerade in schwierigen Zeiten müsse die politische Führung ein positives Zukunftsversprechen vermitteln – daran habe es gemangelt. Ähnliche Kritik hatte Evers bereits kurz nach der Berlin-Wahl geäußert, als er ein gemeinsames Statement mit Merz gab. Merz‘ eckt mit seinem kühlen Politikstil – auch parteiintern – zunehmend an.
Nach Wahl-Debakeln: Ist Merz noch der Richtige?
Auf die direkte Frage, ob Merz noch der Richtige als Kanzler sei, antwortete er: „Jeder Spitzenpolitiker muss im Sinne der Sache immer wieder bewerten, ob irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man den eigenen Überzeugungen womöglich mehr im Wege steht, als dass man ihnen nutzt.“ Ob dieser Punkt bereits erreicht sei? „Ich glaube, der Bundeskanzler braucht in dieser Frage keine Ratschläge von mir.“
Der Kanzler war nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor vier Wochen bereits massiv unter Druck geraten. Laut ZDF‑Politbarometer schneiden der Kanzler und sein Reformkurs in der Bevölkerung schlecht ab – parteiintern wächst der Frust, auch wenn die CDU offiziell keine Personaldebatten führen will. (Quellen: Tagesspiegel, ZDF Politbarometer, dpa) (ial)