Stand: 04.10.2026, 10:09 Uhr
Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist heute Morgen zu einem Besuch in Kiew eingetroffen. Kurz darauf wird die Hauptstadt erneut zum Ziel von Drohnenangriffen.
Kiew – Update vom 4. Oktober, 10:08 Uhr: Russland hat Kiew während des Besuchs von Merz mit Drohnen angegriffen und dabei laut dem Bürgermeister Vitali Klitschko eine Brücke in der ukrainischen Hauptstadt getroffen. Das berichtet die Bild. Kurz vor der Ankunft des Kanzlers hatte das russische Außenministerium Diplomaten und ausländische Besucher gewarnt, Kiew zu verlassen und militärische Einrichtungen sowie Regierungsgebäude zu meiden.
Merz ließ sich davon nicht beirren: Er sei nach Kiew gekommen, „weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht“, hatte er der Bild zufolge zuvor bei einer Rede gesagt.
Kanzler Merz besucht Ukraine in prekärer Sicherheitslage – Putin-Ministerium warnt
Erstmeldung: Mit einem Sonderzug ist Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntag in Kiew eingetroffen – und hat der Ukraine unmittelbar nach seiner Ankunft konkrete Zusagen gemacht: Tausende Abfangdrohnen sollen baldmöglichst geliefert werden, dazu weitreichende Waffen, mit denen russische Nachschublinien hinter der Front angegriffen werden können.

„Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns“, sagte der CDU-Chef auf dem Bahnhof der ukrainischen Hauptstadt. Insgesamt soll eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden – plus weitere 350 Millionen Euro für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke. Begleitet wird Merz von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie.
Es ist der vierte Besuch eines Bundeskanzlers in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 – und wohl der gefährlichste. Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert: Drohnenangriffe treffen zunehmend auch Kiew und Personenzüge.
Nur wenige Stunden vor Merz‘ Ankunft warnte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten, die Stadt zu verlassen und sich nicht in der Nähe militärischer Objekte oder Regierungsgebäude aufzuhalten. Begründet wurde die Warnung damit, dass die russischen Streitkräfte „als Reaktion auf die terroristischen Aktionen der ukrainischen Streitkräfte gegen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur unseres Landes (Russlands) weiterhin systematisch gezielte Schläge gegen militärische Ziele in Kiew und anderen ukrainischen Städten führen“.
Merz sagte Ukraine Waffen zu: „Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke“
Merz ließ sich davon nicht beirren. „Bald beginnt für die Menschen der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke“, sagte er bei seiner Ankunft. Die Ukrainer ließen sich durch den russischen Terror nicht unterkriegen. Und er kündigte an, was er Präsident Wolodymyr Selenskyj beim geplanten Treffen sagen werde: „Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.“
Die Abfangdrohnen, deren baldige Lieferung Merz nach Angaben aus Regierungskreisen zusichern will, sollen gezielt die besonders schnellen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpfen. Parallel dazu soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden.
Merz kritisiert vor Kiew-Besuch „Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“
Deutschland gilt als finanziell und militärisch wichtigster Unterstützer der Ukraine – doch der innenpolitische Rückhalt bröckelt. AfD, Linke und BSW machen mit dem Thema Milliardenhilfen Wahlkampf. Merz hatte das bereits am Donnerstag bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO in Münster direkt angesprochen. Er sprach von „Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“ und warnte: „Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine.“
Der Kiewer Besuch soll dieses Versprechen nun mit Substanz füllen. Merz setzt dabei auf eine klare Logik: Nur anhaltender militärischer Druck bringe Russland an den Verhandlungstisch. Erste Signale aus Moskau sind wenig ermutigend. Außenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen in New York erstmals seit Jahren wieder Kontakt mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow aufgenommen. Lawrow äußerte sich anschließend abschätzig über das Gespräch und sagte, es habe nichts Neues gebracht. Merz wertet das als Bestätigung seiner Linie: „Eintracht und Stärke sind auch heute Erfolgsbedingungen für Verhandlungen mit Moskau.“
Merz’ letzter Besuch in der Ukraine war vor einem Jahr
Merz‘ erster Besuch in Kiew liegt erst gut ein Jahr zurück. Im Mai 2025, vier Tage nach seiner Vereidigung als Bundeskanzler, war er gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem damaligen britischen Premier Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk in die ukrainische Hauptstadt gereist. Die vier Staats- und Regierungschefs forderten Russland damals ultimativ zu einem bedingungslosen Waffenstillstand auf. Daraus wurde nichts. Auch spätere diplomatische Initiativen verliefen im Sande. (Quelle: dpa)