Merz bremst bei Rentenreform: Beschluss verzögert sich bis ins Frühjahr – Streit um Rente mit 63
Stand: 10.10.2026, 12:36 Uhr
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Die geplante Rentenreform von Friedrich Merz verzögert sich offenbar um Monate. Grund ist der heftige Streit über das Aus für die Rente mit 63.
Berlin – Der ambitionierte Zeitplan der Bundesregierung für das größte sozialpolitische Vorhaben der Legislaturperiode gerät ins Wanken: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) rechnet einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge nicht mehr damit, dass die geplante Rentenreform wie vorgesehen noch vor dem Jahreswechsel durch den Bundestag verabschiedet wird. Damit droht auch der angestrebte Starttermin zum 1. Januar 2027 zu kippen.

Wie das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, peilt das Kanzleramt bis Ende des Jahres lediglich noch einen Beschluss im Bundeskabinett an. Die parlamentarische Verabschiedung im Bundestag wird sich demnach um mehrere Monate verzögern und soll nun im Frühjahr erfolgen.
Streit um „Rente mit 63“: Ökonomen fordern Abschaffung – Gewerkschaften warnen
Als besonders umstritten gilt das geplante Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, der sogenannten „Rente mit 63“. Eine Gruppe von 46 führenden Ökonomen drängt auf eine rasche Abschaffung und verweist dabei unter anderem auf den Fachkräftemangel. Von Gewerkschaftsseite kommt deutliche Kritik.
Verdi-Chef Frank Werneke bezeichnete die Pläne als „völlige Missachtung der Lebensleistung“ von Millionen Beschäftigten. Auch SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sowie mehrere ostdeutsche CDU-Landeschefs fordern Übergangsregelungen und Vertrauensschutz für Arbeitnehmer, die früh ins Berufsleben eingestiegen sind.
Arbeitgeber warnen vor steigenden Kosten der Rentenreform
Kritik gibt es zudem an den finanziellen Folgen der Reform. Das gesetzliche Rentenniveau soll bis 2031 bei 48 Prozent stabilisiert werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, den Beitragssatz ab 2027 von derzeit 18,6 auf 18,8 Prozent anzuheben. Ab 2028 soll zusätzlich eine verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild eingeführt werden. Dafür ist ein Zusatzbeitrag von insgesamt 2,0 Prozent vorgesehen, der jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen werden soll.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnt vor deutlich höheren Belastungen. Er beziffert die mögliche Mehrbelastung der Wirtschaft auf rund 40 Milliarden Euro pro Jahr. Nach seiner Berechnung könnte der Gesamtbeitragssatz bis 2031 auf mehr als 22 Prozent steigen.
Rentenalter soll steigen: Reform sieht weitere tiefgreifende Änderungen vor
Das Reformpaket sieht darüber hinaus weitere Änderungen vor. Ab 2032 soll das Renteneintrittsalter nach einer 2:1-Formel an die Lebenserwartung gekoppelt und schrittweise angehoben werden. Bis 2041 könnte es auf 67,5 Jahre und langfristig auf bis zu 68 Jahre steigen. Bas und die Gewerkschaften fordern zudem, künftig auch Selbstständige, Abgeordnete und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.
Versicherungsfreie Minijobs sollen nach ihren Vorstellungen ebenfalls abgeschafft werden. Durch die Kombination aus umlagefinanzierter und kapitalgedeckter Rente soll langfristig ein Gesamtversorgungsniveau von bis zu 70 Prozent des letzten Nettolohns erreicht werden. (Quellen: Bild, dpa, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Verdi)