Merz kündigt Entlastungen bei Spritpreisen an – doch konkrete Pläne fehlen
Stand: 15.09.2026, 22:03 Uhr
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Sprit ist in Deutschland so teuer wie nie – und ein Ende ist nicht in Sicht. Kanzler Merz verspricht Entlastung. Konkrete Maßnahmen fehlen jedoch.
Berlin – Die hohen Spritpreise in Deutschland lassen nicht nach, nun will der Bundeskanzler dagegen vorgehen. „Für viele Menschen, die täglich das Auto brauchen, ist eine Belastungsgrenze erreicht“, sagte Friedrich Merz (CDU) am Dienstag bei einer Veranstaltung des Außenhandelsverbands BGA in Berlin. „Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen.“

Was genau geplant ist, ließ Merz jedoch offen – das „genaue Instrumentarium“ stehe noch nicht fest. Auch einen konkreten Zeitplan nannte er nicht; es werde lediglich „sehr bald“ einen Vorschlag geben. Bis dahin könnte sich die deutsche Bevölkerung laut einem Tagesschau-Bericht auf bis zu drei Euro pro Liter Benzin gefasst machen.
Situation im Iran und Ukraine-Krieg befeuern hohe Spritpreise
Dabei haben die Spritpreise in Deutschland zuletzt schon ein Allzeithoch nach dem anderen erreicht. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 am Montag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,286 Euro – ein neuer Höchststand. Diesel lag bei 2,412 Euro pro Liter und war damit nur noch 3,4 Cent von seinem bisherigen Rekord entfernt. Bereits Anfang September hatte Super E10 mit 2,215 Euro den vorherigen Höchststand aus dem März 2022 übertroffen.
Hauptursache für die Entwicklung ist der seit Februar 2026 andauernde Krieg der USA und Israels gegen den Iran, der die globalen Öl- und Gasmärkte erheblich unter Druck gesetzt hat. Die für den Öltransport entscheidende Straße von Hormus am Persischen Golf ist faktisch blockiert; zudem meldeten die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen, die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer übernommen zu haben.
Auch der Ukraine-Krieg wirkt sich auf die Energiemärkte aus: Als Reaktion auf russische Angriffe greift Kiew gezielt Raffinerien und Öldepots in Russland an. US-Präsident Donald Trump vermeldete noch am Montag vorschnell eine Einigung über einen Angriffsstopp auf Energieinfrastruktur – die Ukraine dementierte wenig später. In Russland nahm man das Ganze nur als „sehr gute Idee“ auf.
Am Weltmarkt stieg der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent derweil auf über 107 Dollar, die US-Sorte WTI lag bei fast 103 Dollar. „Die geopolitische Risikoprämie ist mit voller Wucht an den Rohölmarkt zurückgekehrt“, sagte DZ-Bank-Analystin Linda Yu der Nachrichtenagentur AFP. „Solange die Angriffe anhalten und die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, dürfte der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharren.“
Regierung will hohe Spritpreise angehen: Reiche schlägt Zahlungen an Geringverdienende vor
Merz stellte nun in Aussicht, dass die Regierung „verschiedene Steuern und Abgaben in den Blick nehmen“ werde, um Verbraucher zu entlasten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich zuvor für Direktzahlungen an Geringverdiener ausgesprochen. Der Kanzler bestätigte, dass ein solcher „Auszahlungsmechanismus“ in der Koalition schon „vor langer Zeit besprochen“ worden sei und das Finanzministerium daran arbeite. Wann damit zu rechnen ist, blieb aber auch hier unklar. Am Dienstagabend vermeldete die dpa, dass Merz kommende Woche nicht wie geplant zur UN-Generaldebatte nach New York reisen werde. Die Präsenz des Kanzlers sei stattdessen „in Berlin erforderlich“.
Einer Übergewinnsteuer, wie sie die SPD vorschlägt, erteilte Merz erneut eine Absage. Er sehe „im Augenblick keine ausreichende faktische Grundlage und auch keine rechtliche Grundlage“ dafür, sagte er. Zudem stünden die Raffinerien in Deutschland „unter erheblichem wirtschaftlichen Druck“. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warb dagegen erneut für eine EU-weite Lösung: Die EU-Kommission müsse „jetzt hier endlich konkrete Modelle und Instrumente“ vorschlagen. Das Thema werde beim Treffen der EU-Finanzminister in Dublin am Freitag auf der Agenda stehen.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) drängte den Kanzler zu raschem Handeln: „Der Kanzler darf dieses Thema nicht länger aussitzen. Es muss jetzt eine Lösung geben.“ Sie sprach sich für einen Spritpreisdeckel nach luxemburgischem Vorbild aus. Das Bundeswirtschaftsministerium zeigte sich skeptisch: Einen Preisdeckel zu beschließen sei „nicht sehr leicht“ und „muss nicht unbedingt positiv sein“.
Rekordpreise an der Zapfsäule: Sprit-Normalisierung erst 2027 erwartet
Eine schnelle Entspannung ist nach Einschätzung der Branche nicht in Sicht. Alexander von Gersdorff, Sprecher des Verbands Fuels und Energie, sagte der Rheinischen Post: „Käme es zu einem Friedensschluss, würden sich auch die Kraftstoffpreise allmählich beruhigen.“ Selbst dann dauere es bis zu einer völligen Marktnormalisierung aber „weit bis ins Jahr 2027“ – weil „viel Raffineriekapazität verloren gegangen“ sei.
Bei der Kabinettssitzung am Mittwoch werden noch keine konkreten Beratungen zu dem Thema erwartet; Gespräche am Rande des Kabinetts sind laut der AFP aber möglich. Wann die Bundesregierung einen konkreten Vorschlag vorlegen wird, bleibt bis dahin weiter offen. (Quellen: AFP, Tagesschau, ADAC, Rheinische Post) (nak)