Meteorit, der die Dinosaurier auslöschte, war eine kosmische Rarität

Katastrophe mit Seltenheitswert

Meteorit, der die Dinosaurier auslöschte, war eine kosmische Rarität

Der Chicxulub-Meteorit stammte aus der Frühzeit des Sonnensystems und enthielt wenig Schwefel. Das ändert auch unser Bild des Artensterbens

Ein Gesteinsbrocken über der Erde.
Ein außergewöhnlich seltener Meteorit aus der Frühzeit des Sonnensystems löste das Artensterben vor 66 Millionen Jahren aus.

Vor 66 Millionen Jahren änderte sich das Leben auf unserem Planeten von einem Moment auf den anderen radikal. 75 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten starben aus, darunter die Dinosaurier. Der Grund für die Katastrophe war lange Zeit ein Rätsel. 1980 stellten ein Team um den Geologen Walter Alvarez und seinem Vater, dem US-Physiknobelpreisträger Luis Alvarez, die Theorie auf, dass die Folgen eines gewaltigen Asteroideneinschlags zu dem Massensterben vor 66 Mio. Jahren geführt haben: Der beim Einschlag aufgewirbelte Staub in der Atmosphäre führte zu einem weltweiten "Impakt-Winter", dazu kam die Freisetzung flüchtiger Stoffe wie Schwefel und Kohlendioxid, die das Klima und die Ozeanchemie drastisch veränderten.

Alvarez belegte seine These mit dem weltweit hohen Iridium-Anteil in Gesteinen der Kreide-Paläogen-Grenzschicht (früher als Kreide-Tertiär-Schicht bezeichnet), der nur durch den Impakt eines großen Meteoriten zu erklären ist. Rund ein Jahrzehnt später fand man dann den passenden Einschlagskrater mit 180 Kilometern Durchmesser im Norden der Halbinsel Yucatán im Golf von Mexiko.

Auswurfschichten untersucht

Seit dieser Erkenntnis versucht man, mehr über den Himmelskörper herauszufinden. Ein internationales Team, dem der Impakt-Forscher Christian Köberl angehört, konnte nun klären, welche Art von Meteorit es war, und dass er aus dem äußersten Teil des Asteroidengürtels stammte.

Neben der Analyse von Bohrkernen aus diesem "Chicxulub-Krater" werden seither Schichten mit dem Auswurfmaterial untersucht, "weil in diesen Auswurflagen höhere Konzentrationen an extraterrestrischem Material zu finden sind als im Krater selbst", erklärte Christian Köberl von der Universität Wien. Neben der Verteilung der Elemente interessieren die Wissenschafter dabei zunehmend auch deren Varianten (Isotope), um die Frage nach Art und Herkunft des Einschlagkörpers einzugrenzen.

Heller Fels, durchzogen von einer dunklen Schicht. Davor ein spitzer Geologenhammer.
Die Spuren des Meteroriteneinschlags zeichnen sich in geologischen Schichten deutlich ab, wie hier in Dänemark. Dort wurden Proben für die aktuelle Studie genommen.

Seltenheitswert

So konnte ein Team, dem auch Köberl angehörte, vor zwei Jahren anhand von Ruthenium-Isotopen nachweisen, dass es sich bei dem Asteroiden um einen "kohligen Chondriten" gehandelt hat. Die meisten Meteoriten (rund 86 Prozent) sind Chondrite. "Kohlige Chondrite", also solche, die einen hohen Anteil an Kohlenstoff enthalten, sind allerdings deutlich seltener (nur zwei bis drei Prozent aller Meteoriten). Anhand ihrer chemischen Zusammensetzung werden sie in unterschiedliche Gruppen eingeteilt.

Köberl hat nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Belgien und Kanada Nickel-Isotope in verschiedenen Auswurflagen rund um die Welt sowie die Zusammensetzung unterschiedlicher kohliger Chondrite gemessen. Wie sie im Fachjournal Science Advances berichten, hatte der "Dino-Killer"-Asteroid eine Zusammensetzung wie ein sogenannter "CO-Chondrit".

"Das ist eine anspruchsvolle Arbeit", sagt Köberls Kollege Philippe Claeys von der Vrije Universiteit in Brussel. "In der KT-Tonschicht des Planeten ist nur ein winziger Bruchteil des Projektils erhalten geblieben, da der gesamte Meteorit beim Aufprall verdampft ist."

Außenbereich des Asteroidengürtels

"CO-Chondrite sind relativ trocken und haben wenige flüchtige Elemente und Wasser verglichen mit anderen kohligen Chondriten", erklärt Köberl. Diese Chondriten-Art kommt im äußersten Teil des Asteroidengürtels vor, findet sich also in Jupiternähe. "Wenn die Bahn solcher Körper gestört wird, können sie ins innere Sonnensystem abgelenkt werden und auch die Erde treffen", so der Experte.

Auch der Anteil an Schwefel ist gering. Schwefelhaltiges Auswurfmaterial galt einst als wesentlicher Faktor für die tödlichen Auswirkungen des Einschlags. Diese Geschichte muss wohl geringfügig umgeschrieben werden. "Das ändert zwar nichts an unserer Theorie darüber, was das Massensterben ausgelöst hat – aber es macht es weniger wahrscheinlich, dass der im Einschlagkörper enthaltene Schwefel entscheidend war. Die in die Atmosphäre geschleuderten feinen Trümmerpartikel dürften die Hauptursache gewesen sein."

Der Asteroid, der die Dinosaurier und viele andere Arten auslöschte, stammt Köberl zufolge aus dem frühen Sonnensystem und "gehört zu den ältesten Objekten, die seit ihrer Entstehung unverändert übergeblieben sind, also nicht aufgeschmolzen oder thermisch umgewandelt wurden". Darum werden sie auch als "primitive Meteoriten" bezeichnet.

Nur wenige Prozent aller auf der Erde untersuchten Meteoriten gehören zu dieser Gruppe. Das Ereignis, das die Dinosaurier auslöschte, war also in vieler Hinsicht ein außerordentlicher Zufall. "Dass sie von einem so seltenen, aus solcher Entfernung stammenden Projektil getroffen wurden, macht wirklich deutlich, wie viel Pech die Dinosaurier hatten", sagt Claeys. (rkl, APA, 17.7.2026)

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