„Wir finanzieren das Wachstum ausländischer E-Auto-Marken“: CSU will Prämie der Merz-Regierung umbauen

Milliarden an Steuergeldern kommen ausländischen Herstellern zugute: CSU will E-Auto-Prämie umbauen

Stand: 05.08.2026, 07:32 Uhr

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Der E-Auto-Markt boomt. Doch während ausländische Marken ihren Absatz kräftig steigern, profitieren heimische Autobauer nicht im selben Maß. Die CSU schlägt Alarm.

München – Der Absatz von Elektroautos boomt. Im Juni stellten elektrisch oder hybrid betriebene Neuzulassungen laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) alle anderen Antriebsarten in den Schatten. Allein bei reinen Elektrofahrzeugen (BEV) verzeichnete das KBA im Berichtsmonat einen Anstieg von mehr als 78 Prozent im Vergleich zu Juni 2025. Grund dafür ist in erster Linie die milliardenschwere E-Auto-Prämie der Merz-Regierung. Allein wenige Tage nach dem Start im Mai waren mehr als 20.000 Anträge eingegangen. Förderungen können rückwirkend für alle ab 1. Januar 2026 neu zugelassenen Fahrzeuge beantragt werden.

CSU-Landesgruppe Bundestag

Ausländische Autobauer profitieren: Alexander Hoffmann und Markus Söder wollen die E-Auto-Förderung des Umweltministeriums umbauen. (Collage) © Daniel Vogl/Hauke-Christian Dittrich/dpa

Doch neue Daten zeigen, dass deutsche Hersteller bisher kaum von den deutschen Steuergeldern profitieren, oder zumindest nicht im selben Umfang, wie ausländische Hersteller. Laut einer Anfragebeantwortung des Umweltministeriums kommt die Prämie bisher vorwiegend Marken wie Tesla, Škoda und Renault zugute, die die Liste der bewilligten Förderanträge anführen. Kräfte in der CSU wollen das jetzt ändern.

E-Auto-Förderung unter Beschuss: CSU fordert neue Spielregeln

Unter anderem machte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann Druck auf die Bundesregierung. Im Politico-Newsletter Industrie & Handel forderte er, die Prämie an neue Bedingungen zu knüpfen: „Von der aktuellen E-Auto-Prämie profitieren vor allem außereuropäische Hersteller“, sagte er. Sein Fazit: „Wenn wir E-Autos mit Steuermitteln fördern, muss das Geld auch der heimischen Industrie zugutekommen.“ Geht es nach ihm, sollen Fördergelder an die lokale Produktion gekoppelt werden. Andere Länder machten das bereits vor.

Schon zuvor hatte CSU-Chef Markus Söder eine Ausweitung der Kaufprämie auf gebrauchte Elektroautos gefordert, was, Söder zufolge, deutschen Herstellern stärker in die Hände spielen würde. China habe seinen Anteil an E-Autos verdoppelt, auch französische und italienische Fahrzeuge profitierten. „Es zeigt sich, dass es im Wesentlichen ausländische Hersteller sind, was befürchtet war, die von der E-Prämie profitieren“, so der CSU-Vorsitzende.

Rückendeckung bekommen Hoffmann und Söder vom Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer. Laut dem Leiter des Center Automotive Research (CAR) müsse die Prämie verändert werden. „In der aktuellen Form ist sie wie Weihnachten und Ostern zugleich für ausländische Hersteller“, sagt er Politico. Er schlägt vor, die Einkommensobergrenzen zu streichen und stattdessen Preisobergrenzen einzuführen: E-Autos bis 70.000 Euro könnten mit 6000 Euro, Fahrzeuge bis 100.000 Euro mit 4000 Euro gefördert werden. Für Plug-in-Hybride würde jeweils die Hälfte gelten.

E-Auto-Förderung des Bundesumweltministeriums

Die Fördergrenze liegt derzeit bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro bzw. 90.000 Euro, bei Familien mit zwei Kindern. Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4000 Euro, für jene mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1000 Euro. Wer Geld bekommen will, muss sein Fahrzeug ab Kauf mindestens drei Jahre behalten. Förderfähig ist laut Umweltministerium jedoch auch das Leasing eines Fahrzeugs.

Dass die Sorgen der CSU nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt auch eine EY-Analyse vom Juli 2026: Die staatliche Prämie hat den E-Auto-Markt im zweiten Quartal auf einen Rekordwert von knapp 208.400 Neuzulassungen getrieben – ein Plus von 54 Prozent. Doch während deutsche Hersteller nur 31 Prozent zulegen konnten und ihren Marktanteil auf 53,9 Prozent sinken sahen, verdoppelten ausländische Marken wie Tesla ihren Absatz nahezu und steigerten ihren Marktanteil von 27,6 auf 36,2 Prozent.

„Wir finanzieren gerade mit Steuergeldern das Wachstum ausländischer E-Auto-Marken auf dem deutschen Absatzmarkt“, sagt Constantin M. Gall, Managing Partner bei EY. Der Grund für die gesteigerte Nachfrage nach ausländischen Marken, unter anderem aus China, sei vor allem auch „auf die aggressive Preissetzung und das deutlich größere Angebot günstigerer Elektroautos“ zurückzuführen, unter anderem im Bereich unterhalb von 25.00 Euro. Dort seien deutsche Hersteller nicht vertreten. Und gerade bei Interessenten mit niedrigerem Einkommen, sei die Prämie der Bundesregierung dann „häufig kaufentscheidend“

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Ob sich an der staatlichen Förderung etwas ändert, bleibt aber fraglich. Zuständig für die Prämie ist Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Sein Haus gibt sich gegenüber Politico zurückhaltend: „Eine Vorfestlegung auf eine Überarbeitung der Förderrichtlinie besteht derzeit nicht“. Ob Anpassungsbedarf bestehe, solle erst eine laufende Erfolgskontrolle zeigen. (Quellen: Kraftfahrt-Bundesamte, Politico, EY, Bundesumweltministerium, dpa) (jm)