Am Personal soll das Projekt nicht scheitern. Mehrere Stellen hat die im Frühjahr gegründete Frankfurter Bühnenbaugesellschaft in den vergangenen Tagen ausgeschrieben. Über ein Beratungsunternehmen werden Stadtplaner, Architekten und Bauingenieure gesucht, die das Milliardenprojekt des Neubaus der Städtischen Bühnen zusammen mit Geschäftsführer Mathias Hölzinger steuern.
Frühestens zum 15. August sollen die ersten Mitarbeiter ihre Stelle antreten, anderen könnten im Oktober folgen. Sie sollen unter anderem Architektenwettbewerbe für die geplanten Neubauten von Oper und Schauspiel vorbereiten, die im Grundsatz 2020 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden sind. Insgesamt soll die Bühnenbaugesellschaft im nächsten Jahr bis zu 23 Mitarbeiter haben.
Wann die Wettbewerbe kommen, ist offen. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) stellte kürzlich eine Ausschreibung für 2027 in Aussicht. „Die Planungen werden in allen Teilprojekten planmäßig, strukturiert und in geordneten Verfahrensschritten vorangetrieben“, teilte das Kulturdezernat jetzt auf Anfrage der F.A.Z. mit, ohne einen konkreten Zeitplan zu nennen. Eine Sprecherin verwies darauf, dass bereits Grundstücke für eine Übergangsspielstätte an der Gutleutstraße sowie ein Lager- und Logistikzentrum in Sossenheim gesichert werden konnten.
Brüssel prüft das Grundstücksgeschäft
Allerdings sind noch viele Fragen offen. So hat die Stadt bisher keinen Zugriff auf das Sparkassen-Grundstück an der Neuen Mainzer Straße, auf dem das neue Schauspielhaus gebaut werden soll. Der Erbbaurechtsvertrag ist noch nicht unterschrieben, obwohl sich die Stadt, die Frankfurter Sparkasse und deren Muttergesellschaft, die Landesbank Helaba, schon vor mehr als zwei Jahren auf eine Rahmenvereinbarung dazu verständigt haben.
„Der Abschluss des Erbbaurechtsvertrages befindet sich in der finalen Abstimmungsphase“, teilte das Kulturdezernat jetzt mit. Parallel dazu werde das beihilferechtliche Konformitätsverfahren, das wegen Vorgaben der EU nötig ist, „in enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen“ kontinuierlich weitergeführt. Dabei ist zu klären, ob es sich bei den 210 Millionen Euro, die die Stadt einmalig für das über 199 Jahre laufende Erbbaurecht bezahlen soll, nicht um eine wettbewerbswidrige Subventionierung der Sparkasse oder der Helaba handelt.
Dass die Zustimmung aus Brüssel nötig ist, war bereits klar, als die Stadtverordneten Ende 2024 dem Grundstücksgeschäft im Grundsatz zustimmten. Damals hieß es, das Verfahren werde „deutlich mehr als zwölf Monate in Anspruch nehmen“. Im Februar 2026 teilte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) dem Stadtparlament mit, sie sei zuversichtlich, dass die EU-Kommission „schneller als in der vorgesehenen 18-Monats-Frist“ bestätigen werde, dass keine unzulässige Beihilfe vorliegt. Wann das der Fall sein könnte, ist nicht absehbar.
Bisher keine neue Kostenschätzung
Das gilt auch für die Gesamtkosten des Projekts. Bisher war von 1,3 Milliarden Euro die Rede. Diese Summe wird aber nicht nur wegen der allgemeinen Kostensteigerung kaum reichen. Die 210 Millionen Euro für das Sparkassen-Grundstück sind zum Beispiel in der Kalkulation noch gar nicht enthalten, eine neue Schätzung gibt es nicht. „Die Fortschreibung der Kostenprognose erfolgt nach Abschluss der theaterfachlichen Vorplanung“, heißt es jetzt aus dem Kulturdezernat. „Erst auf Grundlage der finalen planerischen Ergebnisse können die Kosten belastbarer ermittelt und fortgeschrieben werden.“ Das Dezernat verweist auf das Anfang des Jahres ausgewählte Team aus externen Planern. Dazu zählen unter anderem das Hamburger Architekturbüro gmp und die Frankfurter Statikexperten Bollinger + Grohmann.
Eine neue Kostenschätzung, die Hartwig bereits Ende 2024 angekündigt hat, ist Voraussetzung dafür, dass der Magistrat einen Auftrag des Stadtparlaments erfüllen kann: Es soll eine Kostenobergrenze ermittelt und festgelegt werden. Diese soll in der gesamten Projektphase verbindlich sein. Eine der in der Bühnenbaugesellschaft zu besetzenden Stellen ist ausschließlich der Finanzkontrolle gewidmet.
Unabhängig von den Gesamtkosten ist bisher nicht geklärt, wie das Riesenprojekt finanziert werden soll. Im Koalitionsvertrag, den das neue Bündnis aus CDU, Grünen, SPD und Volt ausgehandelt hat, findet sich lediglich die Absichtserklärung, dafür ein Konzept zu erstellen – und das Land Hessen an den Projektkosten zu beteiligen. Schon 2020 hatte das Stadtparlament den Magistrat aufgefordert, mit Bund und Land zu verhandeln. Ein Ergebnis gibt es bisher nicht.
Einig sind sich die vier Parteien, dass die gefassten Beschlüsse zum Neubau nicht infrage gestellt werden. Das heißt, es bleibt bei der Absicht, die bestehende Bühnenanlage abzureißen und das Schauspiel an der Neuen Mainzer Straße sowie die Oper am Willy-Brandt-Platz neu zu bauen. Damit unterscheidet sich die Kommunalpolitik in Frankfurt von der in Düsseldorf. Dort wurde wegen einer zu erwartenden Kostenexplosion die Notbremse gezogen und der Neubau der Deutschen Oper gestoppt, für den es schon einen Architektenwettbewerb gab.
Wer sich auf eine der jetzt ausgeschriebenen Stellen bei der Bühnenbaugesellschaft bewirbt, kann sich darauf einstellen, für mindestens eineinhalb Jahrzehnte Arbeit zu haben. Denn vor 2040 wird das Gesamtprojekt voraussichtlich nicht abgeschlossen sein.