Stand: 13.08.2026, 19:00 Uhr
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Landshuts Alt-OB Josef Deimer war einer der prägendsten Kommunalpolitiker Bayerns seit 1945. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben. Ein Nachruf aus eigenem Erleben.
Landshut – Zu Lebzeiten gesellte sich Josef „Dick“ Deimer gerne zu den Altstadt-Strategen. So hieß in Landshut eine Gruppe älterer Bürger, die am Stammtisch die Geschicke der Stadt lenkten – oder halt dachten, dass sie diese lenken würden. Altstadt-Stratege – kein Begriff könnte wohl besser zu dem langjährigen Landshuter Oberbürgermeister Josef Deimer passen, der am Mittwoch im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Deimer war natürlich vieles: 35 Jahre OB, 29 Jahre Chef des mächtigen bayerischen Städtetags, ein Urgestein der Kommunalpolitik, einer, der sich auch von Franz Josef Strauß, den er nicht sonderlich mochte, den Schneid nicht abkaufen ließ.
Strauß, bekannte Deimer einmal im Gespräch mit unserer Zeitung, war zwar einer, der die Leute „auf der Schleimspur“ nicht sonderlich schätzte. Aber er verübelte Deimer wohl seinen hartnäckigen Anti-Atomkurs. Als Landshuter OB sah es Deimer geradezu als seine Pflicht an, gegen das Atomkraftwerk Isar 1 und 2 nördlich der Stadt zu opponieren. Und immerhin: Dass der ihm unheimliche Atommeiler abgeschaltet wurde, hat er noch miterlebt.

Geboren wurde Deimer als fünftes Kind einer Familie, die im Landshuter Arbeiterviertel Achdorf groß wurde. Der Vater, ein Bauarbeiter, starb früh, Ludwig Deimer war da erst zwei Jahre alt. Diese Sozialisation führte wohl dazu, dass Deimer das S, das Soziale, im Parteinamen CSU besonders schätzte. Der Fußballfan Deimer (sinnigerweise Linksaußen bei der heimischen Spielvereinigung) war gläubiger Katholik, aber das Frömmelnde des CSU-Ministers Alois Hundhammer, der seine frühe Karriere in den 1960er-Jahren ernsthaft behindern wollte, war ihm fremd. Auf Empfehlung des Pfarrers ging er aufs Freisinger Domgymnasium (er war Klassenkamerad von Hans Zehetmair) und beschäftigte sich später intensiv mit der christlichen Soziallehre des Jesuiten Nell-Breuning. Aus dieser Motivation heraus engagierte er sich für die Volksbildung – den wenig in der Öffentlichkeit stehenden Bayerischen Volkshochschulverband führte er im Ehrenamt und quasi nebenbei von 1979 bis 2014, also ebenfalls 35 Jahre lang. Seine eigentliche Erfüllung aber war sein Oberbürgermeisteramt. Für Landshut hat er dabei Bleibendes geleistet: Der Bau des lange umstrittenen Hofbergtunnels (heute offiziell Josef-Deimer-Tunnel) ist sein Werk. Dadurch wurde es möglich, in der Altstadt mit seiner markanten St. Martin-Kirche und dem höchsten Kirchturm Bayerns eine Fußgängerzone einzurichten. Landshut hat das geschafft, was vielen Orten heute abgeht: sich eine quicklebendige Innenstadt zu erhalten.
„Mut vor dem Parteifreund“

In die Landespolitik zog es Deimer nicht. Von Strauß sei nie ein seriöses Angebot gekommen, sagte Deimer einmal. Als ihn später der damalige Ministerpräsident Max Streibl ernsthaft fragte, wollte Deimer nicht mehr. Über Deimer gäbe es noch viel zu erzählen, etwa seine Leidenschaft für japanische Haiku-Verse. Und es wäre spannend zu erfahren, was Deimer alles in sein Tagebuch geschrieben hat, das er nach eigenem Bekunden wirklich täglich geführt hat. Gestern gab es viele verdiente, würdigende Nachrufe von SPD bis CSU – der jetzige Städtetagschef Markus Pannermayr pries seinen „Mut vor dem Parteifreund“ und seinen Einsatz für die kommunale Daseinsvorsorge von Sparkasse bis Krankenhaus. Ministerpräsident Markus Söder nannte ihn einen „der prägendsten Kommunalpolitiker in der Geschichte des Freistaats“.
Nun, es ist einfach ein höchst ungewöhnlicher Mensch von uns gegangen.