Publiziert19. September 2026, 13:35
Wenig bekannter FeiertagMorgen ist in der Schweiz Bettag: Was feiern wir da eigentlich?
Am Sonntag ist Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag. Das steckt hinter dem Feiertag.

Darum gehts
- Am dritten Sonntag im September findet in der Schweiz der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag statt – 2026 fällt er auf den 20. September.
- Der Feiertag ist staatlich angeordnet und überkonfessionell: Er wird von christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde begangen.
- In einigen Kantonen gilt er als hoher Feiertag mit strengeren Ruheregeln als an einem gewöhnlichen Sonntag.
Am Sonntag ist in der Schweiz Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag. Viele dürften den Namen kennen – doch was genau wird an diesem Tag eigentlich gefeiert? Und warum gibt es ihn überhaupt?
Der Bettag findet fast in der ganzen Schweiz jedes Jahr am dritten Sonntag im September statt. 2026 fällt er damit auf den 20. September. Eine Ausnahme bildet Genf: Dort gibt es den Genfer Bettag bereits am Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September.
Anders als Weihnachten oder Ostern ist der Bettag nicht einfach ein klassischer christlicher Feiertag. Er ist staatlich angeordnet und überkonfessionell. Gefeiert wird er von den christlichen Kirchen sowie der Israelitischen Kultusgemeinde. Seine Geschichte ist eng mit der politischen und religiösen Entwicklung der Schweiz verbunden.
Was bedeutet «Dank-, Buss- und Bettag»?
Der etwas sperrige Name beschreibt bereits ziemlich genau, worum es geht. Der Tag soll Gelegenheit geben, dankbar zu sein, über das eigene Handeln nachzudenken und zu beten.
Solche Buss- und Bettage gab es in der Schweiz schon im Spätmittelalter. Sie wurden besonders in schwierigen Zeiten angeordnet. Nach Seuchen, Kriegen, Naturkatastrophen oder politischen Krisen sollten sich die Menschen gemeinsam besinnen. So wurde beispielsweise 1651 wegen des schweren Zürcher Erdbebens des Vorjahres ein Bettag begangen.
Warum feiern Katholiken und Reformierte gemeinsam?
Das war lange keineswegs selbstverständlich. Reformierte und katholische Kantone hatten zunächst ihre eigenen Bettage und feierten diese teilweise auch an unterschiedlichen Daten. 1797 wurde erstmals ein gemeinsamer Bettag der katholischen und reformierten Kantone abgehalten.
1832 legte die Tagsatzung schliesslich den dritten Sonntag im September als Termin fest. Eine besondere politische Bedeutung bekam der Feiertag nach der Gründung des Bundesstaates 1848. Kurz zuvor hatten sich im Sonderbundskrieg katholisch-konservative und liberale Kantone noch bewaffnet gegenübergestanden.
Der Bettag sollte deshalb mehr sein als ein religiöser Anlass. Er sollte die politisch und konfessionell gespaltene Schweiz zusammenbringen und den Respekt gegenüber Menschen mit anderen politischen und religiösen Überzeugungen fördern.
Ist der Bettag ein richtiger Feiertag?
Ja. Der Bettag gilt in der ganzen Schweiz als öffentlicher Ruhetag. Da er aber ohnehin auf einen Sonntag fällt, bedeutet das für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer allerdings keinen zusätzlichen freien Tag.
Anders sieht es in Teilen der Westschweiz aus. In Waadt und Neuenburg sowie in einem Teil des Berner Juras ist auch der Montag nach dem Bettag arbeitsfrei. Gesetzlich als arbeitsfreier Feiertag anerkannt ist der Montag allerdings nur im Kanton Waadt.
Warum gelten teilweise strengere Regeln?
In mehreren Kantonen ist der Bettag ein sogenannter hoher Feiertag – ähnlich wie Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag oder Weihnachten. Dazu gehören beispielsweise Zürich, Bern und Luzern. Dadurch gelten teilweise strengere Regeln für die Feiertagsruhe als an einem gewöhnlichen Sonntag.
Früher waren diese Vorschriften noch deutlich einschneidender. Im Kanton Zürich waren bis zum Jahr 2000 etwa Sport- und Tanzveranstaltungen, Schiessübungen und weitere Veranstaltungen verboten. Auch Museen und Kinos blieben geschlossen. Inzwischen wurden die Regeln gelockert.
Und wie wird der Bettag heute gefeiert?
In den Kirchen finden Gottesdienste und Feiern statt. In der reformierten Kirche ist der Bettag traditionell mit einer Abendmahlsfeier verbunden. Heute wird er zudem ökumenisch begangen, an manchen Orten gibt es auch interreligiöse Feiern.
Für viele Menschen dürfte der dritte Sonntag im September inzwischen allerdings ein ganz gewöhnlicher Sonntag sein. Historisch steckt hinter dem Bettag aber eine bemerkenswerte Idee: Nach religiösen und politischen Konflikten sollte ein gemeinsamer Tag Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen zusammenbringen.
Was hältst du vom Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag heute?
Ich finde ihn sinnvoll, weil er an Dank und Besinnung erinnert.
Ich schätze den Gedanken, aber im Alltag spielt er für mich kaum eine Rolle.
Für mich ist es einfach ein normaler Sonntag.
Ich finde den Feiertag überholt.
Keine der Antworten passt für mich.

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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