Stand: 19.09.2026, 13:34 Uhr
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Die verwitterten Mauern erzählen von einer bewegten Vergangenheit. Ein neuer Burgenführer beleuchtet die Historie hinter der Ruinen-Romantik.
Hagen – Hoch über dem Lennetal ragen die Überreste der Raffenburg aus dem Wald. Für viele Menschen aus Hagen und Hohenlimburg gehört die Burgruine seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. Dabei ist sie weit mehr als ein romantischer Aussichtspunkt. Hinter den bemoosten Mauern verbirgt sich eine Geschichte voller Machtkämpfe, Fehden und politischer Spannungen des Mittelalters. Genau dieser Geschichte widmet sich nun ein neuer Burgenführer der Altertumskommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Unter dem Titel Die Raffenburg in Hohenlimburg haben die LWL-Archäologin Eva Cichy und der Historiker Ralf Blank die bisherigen Erkenntnisse zur Burg zusammengetragen. Die Publikation soll zeigen, welche Rolle die Anlage einst spielte und welche Menschen mit ihr verbunden waren. Selbst der letzte Regent der Grafschaft Limburg schätzte die Ruine so sehr, dass er sie Anfang des 19. Jahrhunderts zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort erklärte.
Ruine Raffenburg in Hohenlimburg: Eine Burg als politisches Signal
Laut dem LWL reichen die Ursprünge der Raffenburg vermutlich bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Nach Erkenntnissen der Forschenden wurde die Burg wahrscheinlich um das Jahr 1250 infolge der sogenannten Isenberger Erbfehde errichtet. Ihre Aufgabe soll gewesen sein, die Grenze der kölnischen Herrschaft Volmarstein gegenüber der neu entstandenen Grafschaft Limburg zu sichern.
Dabei sei es nicht nur um Verteidigung, sondern auch um Machtdemonstration gegangen. Die unmittelbare Nähe zur Burg Limburg, die erstmals 1242 urkundlich erwähnt worden sei, sei kein Zufall gewesen. Aus Sicht der Forschenden habe die Raffenburg deshalb den Charakter einer sogenannten Gegenburg besessen. Sie habe den Einfluss des Erzbistums Köln sichtbar machen und die territoriale Kontrolle absichern sollen
Auf Spurensuche in Archiven und im Erdreich
Lange sei die Anlage allerdings nicht unangefochten geblieben. Bereits 1288 sei die Burg vom Grafen von der Mark belagert und erobert worden. Zwar sei sie noch rund ein Jahrhundert genutzt worden, doch ihre politische Bedeutung habe allmählich geschwunden. Anders als viele andere mittelalterliche Anlagen sei sie jedoch nie ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.
Um die Geschichte der Burg möglichst vollständig zu rekonstruieren, hätten Eva Cichy und Ralf Blank zahlreiche historische Quellen ausgewertet. Dazu hätten mittelalterliche Urkunden, Gerichtsakten, Ortsdokumente und Einträge in Chroniken gehört. Viele dieser Informationen seien bislang über verschiedene Archive und Veröffentlichungen verstreut gewesen.
Ergänzt worden seien die schriftlichen Zeugnisse durch archäologische Erkenntnisse. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hätten auf dem Gelände immer wieder Ausgrabungen stattgefunden. Dabei seien zahlreiche Funde ans Licht gekommen, die neue Einblicke in das Leben auf der Burg ermöglicht hätten. Die bislang jüngsten Untersuchungen habe der LWL im Jahr 2018 durchgeführt. Im selben Jahr sei die gesamte Anlage zudem neu vermessen worden, wodurch zusätzliche Erkenntnisse über Aufbau und Entwicklung der Burg hätten gewonnen werden können.
Geschichte zum Nachwandern
Die Ergebnisse dieser historischen und archäologischen Forschungsarbeit wurden nun in Band 44 der Reihe Frühe Burgen in Westfalen zusammengefasst. Die Broschüre sei bewusst als archäologischer Führer konzipiert worden und verbinde wissenschaftliche Erkenntnisse mit einer verständlichen Darstellung.
Interessierte könnten die Geschichte der Raffenburg damit sowohl von zuhause aus als auch direkt vor Ort entdecken. Texte, historische Informationen, Karten, Bilder und Pläne würden dabei helfen, die einstige Bedeutung der Anlage nachzuvollziehen.
Auch über dem Rheintal erhebt sich eine geschichtsträchtige Burgruine. Die Löwenburg im Siebengebirge bei Bad Honnef ist nicht nur ein beliebtes Wanderziel, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Herrschaftsgeschichte.