Wirbel und Rippe gebrochen, Finger fast abgetrennt: Journalistin im Westjordanland brutal attackiert

Mutmaßlicher Siedler-Angriff: 65-jährige Fotografin im Westjordanland brutal niedergeschlagen

Stand: 18.10.2026, 19:26 Uhr

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Die US-Journalistin Heidi Levine verlässt die Notaufnahme des staatlichen Krankenhauses in der Stadt Ramallah.

Die US-Journalistin Heidi Levine verlässt die Notaufnahme des staatlichen Krankenhauses in der Stadt Ramallah. © Ahmad Gharabli/AFP

Im Westjordanland häufen sich Angriffe radikaler Siedler. Nach schweren Attacken auf eine US-Fotografin und Diplomaten wächst die internationale Kritik an Israel.

Tel Aviv/Ramallah/Brüssel – Nach mehreren gewaltsamen Übergriffen mutmaßlicher israelischer Siedler auf Zivilisten, Journalisten und ausländische Diplomaten im besetzten Westjordanland wächst der internationale Druck auf die israelische Führung. Neben den USA und der Europäischen Union verurteilten auch israelische Oppositionspolitiker die Attacken scharf.

Besonders ein Übergriff auf die US-Fotojournalistin Heidi Levine von der Washington Post löste Entsetzen aus. Nach Angaben der Zeitung hatten Dutzende maskierte Siedler am Freitag palästinensische Dorfbewohner bei der Olivenernte nahe der Ortschaft Abu Falah attackiert, Haine in Brand gesetzt und Steine geworfen. Die 65-jährige Fotografin, die laut Angaben eine deutlich mit „PRESS“ gekennzeichnete Schutzweste trug, wurde zu Boden gestoßen und wiederholt getreten.

Levine erlitt Schnittwunden am ganzen Körper, eine gebrochene Rippe sowie vier gebrochene Wirbel; ein Finger wurde bis auf den Knochen aufgerissen. Ihr Sohn Michael Milner erklärte dem israelischen Sender Kan, seine Mutter liege im Krankenhaus, könne nicht aufstehen und sei psychisch schwer erschüttert. Levine berichtet seit mehr als 40 Jahren aus Kriegsgebieten wie der Ukraine, Afghanistan und Syrien – eine solche „Lynchattacke“ habe sie jedoch noch nie erlebt.

Empörung in den USA und bei Israels Opposition

US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich „sehr beunruhigt“ und forderte die israelische Regierung zum Handeln auf. US-Botschafter Mike Huckabee sprach von einem „verabscheuungswürdigen Terrorakt“ sowie einem „brutalen und feigen Angriff“ und verlangte eine umfassende Untersuchung sowie mehrjährige Haftstrafen für die Täter.

In Israel warnte Oppositionsführer Jair Golan (Demokraten) nach einem Besuch bei Levine vor den Gefahren eines „jüdischen Terrorismus“. Auch Ex-Militärchef Gadi Eisenkot forderte harte Schritte. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte auf X hingegen, die Umstände des Vorfalls seien unklar und würden untersucht.

Angespannte Lage im besetzten Gebiet

Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser sowie mehr als 500.000 israelische Siedler; die Siedlungen gelten nach internationalem Recht als illegal. Seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hat sich die Sicherheitslage im Westjordanland weiter verschärft.

Angriff auf EU-Diplomaten und weitere Journalisten

Nur einen Tag später, am Samstag, griff eine Gruppe von Siedlern einen Autokonvoi europäischer Diplomaten mit Fahrzeugen der französischen, belgischen und polnischen Vertretungen an. Insassen berichteten, dass dabei auch auf einen französischen Bürgermeister eingeschlagen worden sei. Zudem wurden in den vergangenen Tagen Fotografen der Nachrichtenagenturen Reuters und AFP bei Einsätzen im Westjordanland von Siedlern verletzt.

Die Europäische Union verurteilte den Angriff auf den Diplomatenkonvoi „auf das Schärfste“. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas forderte Israel auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und Siedler von Gewalttaten gegen Palästinenser – insbesondere während der Olivenernte – sowie gegen Medienschaffende abzuhalten. Während Netanjahu von einer „Verleumdungskampagne“ gegen Siedler sprach, verurteilte Israels Außenminister Gideon Saar den Angriff „israelischer Randalierer“. (Quellen: dpa, AFP, Washington Post) (nak)