Nach Berlin-Wahl: Linken-Politiker Kocak bestätigt Chat mit Clan-Sohn – und kündigt „Rückzug“ an

Stand: 21.09.2026, 22:28 Uhr

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Linken-Politiker Ferat Kocak tauscht auf Instagram Nachrichten mit dem Sohn des Clan-Chefs Issa Remmo aus. Nun entschuldigt er sich für den Kontakt.

Berlin – Der Sohn des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo hat auf Instagram einen Screenshot veröffentlicht, der einen privaten Chat mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak zeigt. Die Veröffentlichung erhöht den Druck auf die Berliner Linke erheblich – die Partei steht als Wahlsiegerin kurz vor einer möglichen Regierungsbeteiligung in der Hauptstadt.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak spricht im Parlament. (Archivfoto)

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak spricht im Parlament. (Archivfoto) © Michael Kappeler/dpa

Ob der Chat authentisch ist, ließ sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. Am Montagabend bestätigte Kocak jedoch selbst die Echtheit. Die Berichte über den Chat hätten die Öffentlichkeit demnach „zu Recht“ verunsichert. „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“, schrieb er in einem Post auf Instagram. Der Linken-Politiker werde sich nun „zurückziehen“, um sein „Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten und volle Transparenz herzustellen“. Was genau dieser Rückzug bedeutet, ist unklar.

Kocak will nicht gewusst haben, mit wem er schreibt

Laut Kocak hat sich Remmos Sohn Firas nach einem Aufruf für die Beteiligung an einer politischen Aktion bei ihm gemeldet. Er habe mit ihm geschrieben, „wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt“. Und weiter: „Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Kenntnis davon, um wen es sich handelt. Das wurde mir erst kurz danach bekannt.“

Der auf den 17. Februar datierte Chatverlauf zeigt, wie Kocak über Firas Remmo „Grüße mit Respekt“ an dessen Vater Issa Remmo ausrichten lässt. Zugleich bat der Abgeordnete den Remmo-Sohn, ein Video von einer seiner Bundestagsreden zu verbreiten. In der betreffenden Rede hatte Kocak die pauschale Verurteilung von Menschen als Clanmitglieder „allein aufgrund ihres Nachnamens“ kritisiert. Kocak und Firas Remmo sprechen sich in dem Chat als „Bruder“ an.

Zu dem veröffentlichten Screenshot schrieb Firas Remmo unter anderem: „Wir halten zusammen und kämpfen gemeinsam für unsere Ziele. […] Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team. Und gemeinsam schaffen wir Dinge, die alleine niemals möglich wären.“

Issa Remmo besucht Linken-Wahlparty – Spitzenkandidatin distanziert sich öffentlich

Die Chat-Veröffentlichung kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt für die Berliner Linke. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Issa Remmo am Abend des Berliner Wahlsiegs der Partei auf einer Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands erschienen war. Der Verband distanzierte sich daraufhin von dem Besuch. Kocak erklärte zuvor, er sei bei dem Besuch selbst nicht zugegen gewesen. Die Wahlparty sei öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen gewesen.

Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken in Berlin und mögliche künftige Regierende Bürgermeisterin, äußerte sich im ZDF deutlich: „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt“, sagte sie über Remmo. „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun, die bekämpfen wir.“

Unbeantwortet bleibt bislang, warum Issa Remmo auf der Wahlparty erschien und ob er von jemandem aus dem Parteiumfeld erwartet wurde. Kocak hat sich zu diesen Fragen bisher nicht geäußert.

Zahlreiche Verbrechen sollen auf das Konto der Remmo-Großfamilie gehen

Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er-Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Zu der Familie mit inzwischen mehreren Generationen sollen einige Hundert Menschen gehören. Einen Teil von ihnen ordnet die Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. Vor allem junge Männer aus der Großfamilie wurden wegen zahlreicher Verbrechen und Gewalttaten als Verdächtige gefasst und verurteilt. Oft machten sie Schlagzeilen – etwa nach dem Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus einem Berliner Museum. 

Der Begriff „Clankriminalität“ ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Auch die Partei Die Linke lehnt die Bezeichnung weitgehend ab.

Nach Linken-Wahlsieg in Berlin: Weiterer Vorfall belastet Kocak zusätzlich

Neben der Chat-Affäre sieht sich Kocak mit einem weiteren Vorwurf konfrontiert. Ein Foto zeigt ihn gemeinsam mit Ibrahim Ibrahim. Nach Angaben des Vereins democ, der sich mit demokratiefeindlichen Bewegungen beschäftigt, ist er ein langjähriger Aktivist der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP). Der Berliner Verfassungsschutz weist in seinem jüngsten Bericht darauf hin, dass sowohl die EU als auch die USA die PFLP als terroristische Organisation bewerten.

In einem von der Partei verbreiteten Statement ließ Kocak erklären: „Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen jeglicher Art distanziere ich mich ausdrücklich. Das gilt selbstverständlich auch für die Äußerungen von Ibrahim Ibrahim.“ Sein Ziel bleibe eine Gesellschaft, in der alle Menschen ein gutes und sicheres Leben in Würde führen könnten, „unabhängig davon, ob sie jüdisch, muslimisch, christlich, alevitisch, hinduistisch, buddhistisch oder konfessionslos sind“.

„Ich habe gestern auf beiden Wahlpartys, sowohl des Landesverbands als auch des Bezirksverbands, hunderte Fotos mit Menschen gemacht, die meine und unsere politische Arbeit schätzen“, erklärte Kocak zudem. „Die Wahlparty in Neukölln war öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen“, erklärte er. „Wenn Menschen auf unseren Wahlpartys auf mich zukommen und ein Foto mit mir machen möchten, gehe ich zunächst davon aus, dass das in Ordnung ist.“ (Quellen: dpa, Spiegel, Zeit, Statement von Ferat Kocak) (nak)