Hitzesommer 2026: Forderungen an die Politik in der SRF-«Arena»

Publiziert22. August 2026, 08:08

SRF-«Arena»Nach Hitzesommer: Grünen-Kritik an Rösti – SVP kontert scharf

Der Hitzesommer 2026 hat viele hart getroffen. In der SRF-«Arena» kamen Betroffene zu Wort und richteten klare Forderungen an die Politik. Einig ist man sich in Bern darüber aber nicht.

Florian Osterwalder

Ernst Wandfluh von der SVP und Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone in der SRF-«Arena» vom Freitagabend.

Darum gehts

  • Der Hitzesommer 2026 hat Betroffene, Landwirtschaft und Natur in der Schweiz schwer getroffen.
  • In der SRF-«Arena» forderten Betroffene und Politikerinnen eine Wasser- und Kältestrategie sowie einen nationalen Aktionsplan.
  • Während GLP und Grüne mehr Klimaschutz verlangen, mahnt die SVP, die Schweiz könne das Klima nicht im Alleingang retten.

«Wir haben wirklich gelitten», sagt Rentnerin Monika Rellstab. Im Altersheim habe man mangels Klimaanlagen improvisieren müssen – etwa mit Babybädern, um wenigstens die Füsse zu kühlen. «Es ist höchste Zeit, dass die Politik etwas macht», fordert sie am Freitagabend in der SRF-«Arena».

Nicht nur ältere Menschen spüren die Hitze. Auch Natur und Wirtschaft geraten unter Druck. «Alle wünschen sich eine Klimaanlage. Der Wald ist eine Klimaanlage», sagt Förster Thomas Kuhn. Damit die Wälder gepflegt werden können, brauche es finanzielle Sicherheit.

Das sagt die Landwirtschaft

Ausgerechnet bei der klimatauglichen Aufforstung will der Bundesrat nun Gelder streichen – ein Vorhaben, das SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh kritisch sieht. Er präsidiert den Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband und kennt die angespannte Lage in der Forst- und Landwirtschaft.

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Einer der die Lage auch gut kennt, ist Zuckerrübenpflanzer Martin Flury. Er rechnet in diesem Jahr mit deutlichen Ernteeinbussen. «Es ist ein Trauerspiel», so Flury. Auch die Gewässer leiden stark unter der Hitze: «Wir gehen von Millionen toten Fischen, Krebsen und anderen Wassertieren aus», erklärt David Bittner, Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbands.

Das sagt die GLP

GLP-Fraktionspräsidentin Corina Gredig fordert eine Wasser- und eine Kältestrategie. «Wir dürfen aber den Klimaschutz nicht vergessen», mahnt sie. Die Schweiz könne dabei vorangehen: «Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Wir sind Innovationsweltmeisterin. Wer, wenn nicht die Schweiz, geht voran?»

Wie belastend empfindest du die zunehmenden Hitzesommer in der Schweiz?

Sehr belastend, ich leide körperlich stark unter der Hitze.

Eher belastend, vor allem in der Stadt ist es kaum auszuhalten.

Es ist unangenehm, aber ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt.

Ich geniesse die Hitze und habe keine Probleme damit.

Ich verbringe die heissen Tage meistens an einem kühlen Ort.

Ernst Wandfluh sieht das differenzierter. Die Schweiz könne das Klima nicht allein retten und tue bereits einiges – gerade in der Landwirtschaft stosse man aber schnell an Grenzen: «Eine Kuh kann man nicht elektrifizieren.»

Das sagen die Grünen

Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone geht das zu wenig weit. Der Hitzesommer zeige: «Die Klimakrise ist voll in unserem Alltag angekommen.» Erst kürzlich hatte sie einen Departementswechsel von UVEK-Vorsteher Albert Rösti gefordert – vom Bundesrat zeigt sie sich weiterhin enttäuscht. Auch die SVP nimmt Mazzone ins Visier: «Die Position der SVP ist nicht haltbar. Nur Anpassung reicht nicht. Wir müssen jedes Grad der Erwärmung bekämpfen.»

Da sagt die SVP

SVP-Nationalrat und Bergbauer Wandfluh fand die Kritik an Rösti «total daneben» und entgegnete, man brauche jetzt Lösungen und keine direkte Konfrontation. Er selbst begleite mehrere Bauprojekte in den Bergen. Dabei komme es immer zu den gleichen Diskussionen, beispielsweise bei der Erfassung einer Quelle. «Es sind immer Naturschutzverbände oder die Grünen, welche Einsprache erheben. Da müsst ihr zuerst vor der eigenen Haustür wischen.»

Das sagt die FDP

Corina Gredig stimmt zu und nimmt auch die FDP in die Pflicht: «Wir haben einen Bundesrat mit SVP- und FDP-Mehrheit, der in den letzten Jahren wahnsinnig wenig für den Klimaschutz gemacht hat.»

Hanspeter Hilfiker, Aarauer FDP-Stadtpräsident und Präsident des Schweizerischen Städteverbands, weist die Kritik zurück: Seine Partei stehe klar hinter der Klimastrategie 2050. Er wolle keine Parteikeule schwingen, sondern über die Parteigrenzen hinweg Lösungen finden – schliesslich treffe die Hitze die Städte besonders stark. «Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan, um die Anpassungen an die klimatischen Verhältnisse zu koordinieren», fordert er.

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Florian Osterwalder

Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.

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