Nach Kritik an Merz-Rochade: Frei findet deutliche Worte – „konstruktiv nach vorne gerichtet“
Stand: 30.07.2026, 21:09 Uhr
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Die Personalrochaden in Regierung und Partei haben viel Kritik auch innerhalb der Union ausgelöst. Der neue Fraktionschef mahnt, den Blick nach vorn zu richten.
Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz hat einmal gesagt, kein Kanzler vor ihm habe „so etwas ertragen müssen“ – bezogen hatte er sich auf Hass in den sozialen Medien. Vielleicht lässt sich diese Einschätzung auch auf den generellen Umgang mit seiner Person erweitern, denn Kritik bekommt er derzeit nicht nur wie gewohnt aus der Opposition, sondern zunehmend aus den eigenen Reihen. Im Zuge der Personalrochaden in Regierung und CDU-Führung sickerten Unmut und Unzufriedenheit der Parteikollegen durch – nicht zuletzt, weil der Kanzler beim Personalumbau etwa bei den Personalien Patrick Schnieder und Tino Sorge wenig Fingerspitzengefühl bewiesen hatte.

Sondersitzung: Kritik an Merz, aber konstruktive Diskussion
Die Sondersitzung, auf der der neue Bundestagsfraktionsvorsitzende Thorsten Frei gewählt wurde, zog sich am Mittwochnachmittag länger als geplant – es sei viel diskutiert worden und der Kanzler habe sich erklären müssen, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung. Im Spiegel ist gar von einem Scherbengericht die Rede und davon, dass die Kritik am Kanzler von allen Seiten gekommen sei und niemand Merz verteidigt habe. Dieser Darstellung widersprach der frisch gewählte Fraktionschef Frei im Deutschlandfunk-Interview am Morgen nach seiner Wahl sofort. Er habe die Stimmung gar nicht so empfunden. Vielmehr habe es sich um eine offene und ehrliche Aussprache gehandelt, die „konstruktiv nach vorne gerichtet war“.
Bei den aktuellen Umfragewerten, so Frei, sei allen klar, dass man es besser machen müsse. Das sei diskutiert worden, aber auf eine „angenehme und kollegiale“ Art. Der neue Fraktionschef will den Blick bewusst nach vorn richten, statt sich an Vergangenem aufzuhalten oder sich innerparteilich gegenseitig zu zerfleischen.
Fraktionschef Frei lenkt Blick von Merz-Kritik auf Zukunft
Angesprochen auf Kritik an Merz’ Stil bei den Personalien sagte Frei: „Wir müssen, glaube ich, in dieser Situation auch aufpassen, dass wir nicht zu sehr um uns selbst zu kreisen“, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Er sei sehr für dafür, selbstkritisch zu sein und permanent zu versuchen, besser zu werden. „Aber wir selbst sind ja kein Selbstzweck“, betonte Frei. Es gehe darum, etwas für das Land und die Menschen zu tun. Hier stehe man vor gewaltigen Aufgaben, etwa Stichwort Wirtschaftswachstum.
Frei war am Mittwoch in einer Sondersitzung der Unionsfraktion mit einem guten Ergebnis von 91,9 Prozent zum Nachfolger des zurückgetretenen Fraktionschefs Jens Spahn gewählt worden. Das Ergebnis mache die Union stärker für die Herausforderungen im Herbst, betonte Frei.
Merz‘ CDU in der Krise – laut Frei aber kein Vergleich zu Spendenaffäre der CDU
Frei widersprach dem Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, der die Lage der Partei als ernster als zur Zeit der CDU-Spendenaffäre um die Jahrtausendwende bezeichnet hatte. In dieser Situation sei die Partei nicht, damals sei sie in einer „gigantischen Vertrauenskrise“ gewesen, betonte Frei. Gleichwohl dürfe man die Situation aktuell nicht unterschätzen und müsse sie vor den Landtagswahlen im Herbst sehr, sehr ernst nehmen.
Neuer Verkehrsminister Bilger: Kein Streit, sondern Blick nach vorn
Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger mahnte im ARD-„Morgenmagazin“ ebenfalls: „Die Leute wollen jetzt nicht, dass wir uns intern streiten, sondern die wollen, dass wir weiter unsere Arbeit machen.“ Der CDU-Politiker sprach von einer Fraktionssitzung in konstruktivem Geist: „Kein Groll, keine schwere Krise, sondern eine offene, konstruktive Aussprache. Und jetzt schauen wir nach vorne.“
Dass die Personalrochaden nicht rund gelaufen seien, habe auch Merz eingestanden. Zugleich habe der Kanzler zugesagt, die Rückmeldungen aus der Fraktion mitzunehmen und in Zukunft zu berücksichtigen, sagte Bilger, der zuvor Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion war. (Quellen: dpa, Spiegel, Deutschlandfunk, Süddeutsche Zeitung) (ial)