(+) Elbtower wackelt: Jetzt sollen Hamburger ihn übernehmen

Hamburg

Nach Kühnes Tod: Elbtower (mal wieder) in der Krise – Kommt jetzt die Genossenschaft?

So stellt sich die Initiative „Tower to the People“ den Elbtower vor: Ganz viel Grün und Platz für neue Projekte.
Tower to the People

Die Zukunft des Elbtowers wackelt – mal wieder. Nach dem Tod des Logistikmilliardärs Klaus-Michael Kühne steht das Projekt vor weiteren Unsicherheiten. 

Der Tod des Logistikmilliardärs Klaus-Michael Kühne stellt das sowieso schon wacklige Elbtower-Skelett vor weitere Unsicherheiten. Auch beim geplanten Naturkundemuseum im Turm mehren sich inzwischen die skeptischen Stimmen. Genau in dieser Situation legt eine Hamburger Initiative ihr seit Langem geplantes Konzept für den Elbtower vor – und gibt sich optimistisch.

„Wir möchten diesen Turm gerne wieder in die Hand der Hamburgerinnen und Hamburger legen“, hatte Britta Peters den Grundgedanken von „Tower to the People“ bereits für die MOPO zusammengefasst. Die Idee: Auf 14 Stockwerken sollen nachhaltige Projekte und Start-ups Platz finden. Peters war Spitzenkandidatin der Volt-Partei bei der Bürgerschaftswahl 2025 und ist gemeinsam mit Viva-con-Agua-Gründer Mathias Rüsch das Gesicht der Initiative.

Das steckt hinter der „Circular Economy“ für den Elbtower

Anzeige

Die Initiative will die Idee der „Circular Economy“ (Kreislaufwirtschaft) in dem Turm umsetzen. „In einer zirkulären Wirtschaft fangen wir schon von vorneherein an, Produkte so zu entwickeln, dass wir diese Dinge wieder verwenden oder reparieren können“, erklärte Peters. Das sei das Gegenteil der heutigen „Linear Economy“: Rohstoffe nehmen, nutzen und anschließend wegwerfen.

Entstehen soll so der „Next Economy Hub“: Geplant sind unter anderem Flächen für Forschungsteams und Co-Working, ein Food Lab für neue Ernährungskonzepte sowie eine Veranstaltungsfläche. Die Idee entstand aus dem „Jupiter“, dem ehemaligen Karstadt-Sporthaus in der Mönckebergstraße, in dem drei Jahre lang Kreative die Stockwerke mit Leben füllten. Auch dort ging es um Kreislaufwirtschaft, Austausch und die Vernetzung der Akteure. Dieser Gedanke soll im Elbtower fortgesetzt werden.

Anzeige

So der Elbtower finanziert werden

Finanziert werden soll das Projekt mithilfe einer Genossenschaft. „Jeder, der möchte, könnte einen Teil dieses Turms erwerben“, so Peters. Auf diese Weise soll das Eigenkapital für den Kauf der 14 Stockwerke aufgebracht werden. „Dazu kommt eine Mischfinanzierung mit Banken. Für den Betrieb wären monatliche Zahlungen, unter anderem von Start-ups und Nutzern der Co-Working-Flächen, einkalkuliert.“ Um die Jahreswende 2026/2027 soll die Genossenschaft gegründet werden, kündigt die Initiative an.

Anzeige

Luftaufnahme eines begrünten Hochhauses mit Terrassen, Wasserwegen, Brücken und Bahntrasse in einer Stadtlandschaft.
So begrünt könnte der Elbtower einmal aussehen, wenn es nach der Initiative „Tower to the People“ geht.
Tower to the People

Das Konzept sei unabhängig davon, ob das Naturkundemuseum der Stadt dort einzieht oder nicht. Bislang unterstützen den „Next Economy Hub“ nach Angaben der Initiative 28 Partner, darunter die Otto Group, Tchibo und Holcim. Mit der Becken Holding und der Stadt sei man weiterhin im Gespräch.

Was wird nach Kühnes Tod aus dem Elbtower?

Dafür müsste an den Elbbrücken allerdings erst einmal weitergebaut werden. Nach dem Tod des Milliardärs Klaus-Michael Kühne stellt sich dabei auch die Frage, wie es mit seiner Unterstützung für das Elbtower-Konsortium weitergeht. Für Hamburg eine entscheidende Frage. Über sein 30-Milliarden-Euro-Vermögen entscheidet künftig der Stiftungsrat.

Seit Dezember 2024 verhandelt das Konsortium, angeführt von Investor Dieter Becken, mit dem Insolvenzverwalter des Elbtowers über den Kauf und Weiterbau des Rohbaus an den Elbbrücken. Im Oktober 2025 verkündete die Stadt, dort Flächen für ein Naturkundemuseum für 595 Millionen Euro zu kaufen. Beide Verhandlungen scheinen massiv zu stocken. Am Elbtower selbst stehen die Kräne bereits seit Oktober 2023 still, nachdem die Firma des ehemaligen österreichischen Immobilienmoguls René Benko in die Insolvenz gerutscht war. Benko sitzt inzwischen in U-Haft und muss sich vor Gericht verantworten.