Nachbarn ärgern sich über Ratten: Muss ein Exempel statuiert werden?

Stand: 21.07.2026, 06:30 Uhr

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ARCHIV - 08.04.2014, Berlin: Eine Ratte läuft davon, aufgeschreckt durch die Aufräumabeiten der Stadtreinigung. Damit die Nager nicht zur Plage werden, haben die hessischen Kommunen die Müllentsorgung im Blick und schicken spezielle Schädlingsbekämpfer ins Feld. Aber auch die Bürgerinnen und Bürger sind bei dem Thema gefragt. (zu dpa: „Mehr Müll, mehr Ratten - Bei Bekämpfung der Nager auch Bürger gefragt“). Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Immer wieder würden Ratten gesichtet, beschweren sich die Anwohner (Symbolfoto). © Bernd von Jutrczenka/dpa

Drei Hausbesitzer klagen über Ratten, die von Nachbargrundstücken kommen sollen. Zwei Bürgermeisterkandidaten fordern, dass die Behörden einschreiten.

Wildeshausen – Wut, Frust und Hilflosigkeit: Die Mediengruppe Kreiszeitung hat mit drei Hausbesitzern in Wildeshausen gesprochen, deren Immobilien an der Ahlhorner Straße, an der Bahnhofstraße und am Grünen Weg an Gebäude und Flächen von Frank Stöver angrenzen. Sie alle treibt das gleiche Problem um: Ratten. Das ist auch ein Thema für den Bürgermeisterwahlkampf. Matthias Ruhle und Jan Kreienborg beziehen Stellung und machen im Gespräch mit den Betroffenen, die die beiden eingeladen hatten, Lösungsvorschläge.

Joschka Bultmeier zeigt den Bürgermeisterkandidaten Jan Kreienborg (stehend) und Matthias Ruhle Fotos vom Müll auf dem Gelände gegenüber.

Joschka Bultmeier (rechts) zeigt den Bürgermeisterkandidaten Jan Kreienborg (stehend) und Matthias Ruhle Fotos vom Müll auf dem Gelände gegenüber. © bor

Einer der Beschwerdeführer ist Joschka Bultmeier. Er betreibt den gleichnamigen Imbiss an der Ahlhorner Straße und blickt kritisch auf den Müllplatz gegenüber. Dort lassen die Bewohner des Hotels „Zur Rampe“ ihren Abfall, der – so schildert es der Gastronom – seit Jahren immer wieder Ratten anlockt. Sein Betrieb sei nicht betroffen, aber er hat Angst: „Was ist denn, wenn die bei uns in den Imbiss reinlaufen? Dann können wir den Laden zumachen.“ Immer wieder hätten sich erst seine Eltern und dann er selbst an die Stadt Wildeshausen gewandt. Gebessert habe sich aber bestenfalls kurzfristig etwas. Nach ein paar Wochen seien die Schädlinge wieder da gewesen.

Christian Heitmann kennt das Problem. Er und seine Frau Beate Meyer-Heitmann haben einen Neubau an der Bahnhofstraße errichtet, in direkter Nachbarschaft des Bahnhofs. Letzterer gehört ebenfalls Stöver. Seit vielen Jahren seien die Ratten ein Problem, sagt Heitmann. Und auch in seinem Fall hätten Beschwerden bei der Stadt nur zeitweilig für Abhilfe gesorgt. Abfälle würden nicht ordentlich gelagert, vermutet der Wildeshauser als Grund für die ständige Wiederkehr der Nagetiere.

Und dann ist da noch Tanja Laustroer. Ihr gehört das Haus an der Ecke Ahlhorner Straße/Grüner Weg, das sie vermietet. Die beiden Bewohner Jessica König und Marc Jöckel haben regelmäßig Ratten im Garten, die – so sagen sie – vom Eckhaus auf der anderen Seite des Grünen Wegs kommen. Das gehört ebenfalls Stöver. „Die Ratten sehe ich morgens auf den Mülltonnen“, sagt Jöckel. „Sie fressen Gartenschläuche an, sitzen bei uns im Garten im Baum und fressen das Vogelfutter“, zählt er weitere Beispiele auf, wie aktiv die Nager in der Gegend sind. „Die Wut wächst“, sagt König.

Das Areal der ehemaligen Viehrampe wird aktuell vor allem genutzt, um dort Müll zu lagern. Das zieht wiederum Ratten an.

Das Areal der ehemaligen Viehrampe wird aktuell vor allem genutzt, um dort Müll zu lagern. Das zieht offenbar Ratten an. © wz

Alle Beschwerdeführer eint: Man habe schon zigmal das Gespräch mit Stöver gesucht. Aber es werde einfach nicht besser. Sie vermuten, dass zu viele Menschen am Grünen Weg, im Bahnhofsgebäude sowie in der „Rampe“ untergebracht sind beziehungsweise es dort einfach zu wenige Mülltonnen gibt.

Ruhle und Kreienborg (beide parteilos) hören zu, wie die Probleme geschildert werden. Als Amtsleiter im Stadthaus kennt der von der SPD, den Linken und den Grünen unterstützte Ruhle die Lage. „Im Verbund mit dem Landkreis Oldenburg, der Polizei und anderen Behörden muss es da eine konzertierte Aktion geben“, fordert er. Ein Beispiel sei Ahlhorn, wo die Gemeinde auf diese Weise gegen überbelegte Wohnungen vorgegangen sei. Zwar habe die Kommune dann das Problem, dass mehrere Leute obdachlos seien, aber „jetzt muss mal ein Exempel statuiert werden“.

Kreienborg, der von der CDU unterstützt wird, will ebenfalls auf „klare Forderungen und Fristen“ setzen. Es gebe auch andere Häuser und Wohnungen in der Stadt, in denen zu viele Menschen untergebracht seien, meint er mit Blick auf die Neue Straße und die Huntestraße. Dort bestünden ähnliche Probleme mit Müll und Ratten. Was den Umgang mit Stöver angeht, könne sich Wildeshausen dessen Verhalten einfach nicht mehr gefallen lassen.

Die Stadt hat als Luftkurort ein Interesse an der Bekämpfung der Nager. Denn für den Titel muss die Kommune „praktisch rattenfrei“ sein. Deswegen wird bei Hinweisen aus der Bürgerschaft immer wieder eine Bremer Schädlingsbekämpfungsfirma eingeschaltet.

Und was sagt der Besitzer der Immobilien? Stöver sieht am Grünen Weg überhaupt kein Problem. Es gebe eben überall Ratten in der Gegend. Die Tiere kämen nicht von seinem Grundstück. Ähnlich schätzt er die Lage an der Bahnhofstraße ein. Was den Müllplatz gegenüber vom Hotel „Zur Rampe“ angeht, setzt der Hanstedter jetzt auf eine Videoüberwachung und zwei Kontrollen pro Woche. Der Abfall werde von fremden Personen auf das Gelände geschmissen, so Stöver. Das ist seit vielen Jahren sein Standpunkt.

Kritik, im Hotel und in dem Haus am Grünen Weg seien zu viele Menschen untergebracht beziehungsweise es gebe zu wenig Mülltonnen für alle Bewohner, weist er zurück. Das Hotel solle nun übrigens in ein Boardinghouse mit Monteurswohnungen umgewandelt werden.