Stand: 24.07.2026, 07:35 Uhr
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Der Sonnenstand nimmt seit vier Wochen ab, trotzdem drohen jetzt die heißesten Tage des Jahres. Wie passt das zusammen? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Die Frage klingt logisch: Am 21. Juni steht die Sonne am höchsten, also müsste es doch dann am heißesten sein. Ist es aber nicht – und zwar aus einem simplen Grund. Solange die Erde tagsüber mehr Energie aufnimmt, als sie nachts wieder abstrahlt, klettert die Bilanz weiter nach oben.

Böden, Beton, Seen und vor allem das Mittelmeer sammeln Woche für Woche Wärme an. Erst Ende Juli, Anfang August kippt das Verhältnis langsam. Bis dahin arbeitet der Kontinent wie ein Backofen, den man zwar runterdreht, der aber trotzdem noch heißer wird.
Was macht der ausgetrocknete Boden mit der Temperatur?
Eine ganze Menge – und genau das unterschätzen viele. Im Juni steckt nach dem Frühjahr meist noch Feuchtigkeit im Boden. Jeder Liter, der verdunstet, schluckt Energie und kühlt die Luft darüber ab. Verdunstungskälte, wie beim nassen T-Shirt im Wind. Ist der Boden Ende Juli ausgedörrt, fällt diese natürliche Klimaanlage komplett aus.
Die Sonnenenergie geht dann fast vollständig ins Aufheizen der Luft. In der Praxis sind das schnell drei, vier oder sogar fünf Grad extra. Dieselbe Wetterlage, die im Juni nur einen netten Sommertag brachte, lässt die Werte jetzt förmlich explodieren.
Und woher kommt die extreme Hitze überhaupt?
Nicht von uns – sondern aus dem Süden. Spanien, Nordafrika und das westliche Mittelmeer brauchen ebenfalls Wochen, bis sie auf Betriebstemperatur sind. Über Iberien lagert Ende Juli die heißeste Luftmasse des gesamten Jahres, oft mit 40 Grad und mehr. Baut sich dann ein kräftiges Hoch über Mitteleuropa auf, wird genau diese Glutluft wie auf einem Förderband nach Norden geschaufelt.
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Im Juni ist der Nachschub aus dem Süden dafür schlicht noch nicht heiß genug. Jetzt aber liegt die Zündschnur bereit – und bei passender Südströmung sind trotz tieferer Sonne Extremwerte drin.