Nächster Autozulieferer schließt Werk – Aus für 180 Arbeitnehmer

Stand: 12.08.2026, 19:00 Uhr

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Angestellte in einer Fabrik des Autozulieferes Valeo, die an einem Fließband arbeiten.

Ein weiterer Autozulieferer im Rhein-Main-Gebiet streicht Arbeitsplätze. (Symbolbild) © Francois Lo Presti/dpa

Der Autozulieferer Lear zieht Produktion und Logistik aus Gründau ab. Aufträge und Maschinen sollen in drei andere Länder gehen. Für viele ältere Beschäftigte wird das besonders hart.

Gründau – Sitzheizungen, Lenkradwärmer und Elektronik: Wichtige Teile für Millionen von Autos wurden hier gebaut. Nun soll bald Schluss sein. Der US-Autozulieferer Lear hat am Dienstag angekündigt, seine komplette Produktion in Gründau (Main-Kinzig-Kreis) stillzulegen. Knapp 180 Beschäftigte verlieren damit ihren Job. Zuletzt hatte es in der Region bereits deutliche Einschnitte gegeben.

Laut IG Metall will das Management Produktion und Logistik vollständig aus der Region abziehen. Maschinen und Aufträge sollen an Standorte in der Slowakei, in Serbien und in Tunesien verlagert werden. Für die Angestellten hat das massive Folgen: Der Stellenabbau soll so schnell wie möglich beginnen und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. Lediglich rund 120 Engineering-Stellen bleiben in Gründau erhalten.

Werksschließung in Gründau: „Nicht bereit, Abwicklung und Arbeitsplatzverlust kampflos hinzunehmen“

Betriebsratsvorsitzender Markus Rotter findet klare Worte. „Die Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten.“ Bei der Übernahme durch Lear vor gut zwei Jahren habe das Unternehmen noch versprochen, alles bleibe beim Alten. Dieses Versprechen ist jetzt nichts mehr wert. Rotter betont: „Die Beschäftigten sind nicht bereit, Abwicklung und Arbeitsplatzverlust kampflos hinzunehmen.“

Viele betroffene Mitarbeiter stehen „vor dem beruflichen Aus“

Besonders bitter: Erst im vergangenen Jahr hatte die IG Metall Hanau-Fulda einen Tarifvertrag mit Lear abgeschlossen. Darin verzichteten die Beschäftigten auf eine sofortige Angleichung an die Branchentarife – im Gegenzug schloss Lear betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 aus. Gewerkschaftsgeschäftsführer Matthias Ebenau kritisiert das Unternehmen scharf: „Unternehmerische Verantwortung ist hier offenbar ein Fremdwort.“ Das Management drücke sich seit Monaten um die vertraglich vereinbarten Nachverhandlungen. Viele der Betroffenen seien zwischen 50 und 60 Jahre alt und stünden jetzt „vor dem beruflichen Aus“.

Der Lear-Standort in Gründau hat eine lange Geschichte. Jahrzehntelang war er der Stammsitz des Familienunternehmens I.G. Bauerhin, das in Spitzenzeiten mehr als 700 Menschen beschäftigte. Vor nicht einmal drei Jahren übernahm die US-amerikanische Lear Corporation das Unternehmen. Heute arbeiten dort noch rund 300 Menschen. 180 von ihnen erwartet nun offenbar der Jobverlust.