Stand: 12.08.2026, 19:00 Uhr
Kommentare

Das Verdener Softwareunternehmen Adata hat einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft nun, wie das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern und 2.500 Kunden weitergeführt werden kann.
Verden – Die Nachricht kommt für viele überraschend. Das Verdener Softwareunternehmen Adata GmbH hat einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Nach der Prüfung der Unterlagen durch das zuständige Amtsgericht Walsrode und dessen Zustimmung wurde zum 31. Juli mit sofortiger Wirkung Rechtsanwalt Dr. Hans-Joachim Berner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das bestätigte die Kanzlei Köster/Berner mit Sitz in Bremen und Verden. Adata betreut rund 2.500 Kunden und wickelt deren Lohnabrechnungen, Zeitwirtschaft und Personalmanagement über modernste Software ab. Circa 70 Mitarbeiter sind in der GmbH mit Sitz an der Bremer Straße beschäftigt.
Ob das Unternehmen in Schieflage geriet und wie gegengesteuert werden könnte, darüber will sich Berner mit seinem Team in den nächsten Wochen ein genaues Bild verschaffen. Mehr war bislang nicht zu erfahren. Für Adata-Kunden eine unbefriedigende Situation. Verfügungen der Adata über ihr Vermögen sind nach dem gerichtlichen Beschluss bis auf Weiteres nur mit der Zustimmung des Rechtsanwalts wirksam, so der Gerichtsbeschluss.
Das Insolvenzverfahren selbst ist damit noch nicht eröffnet. Im laufenden Insolvenzantragsverfahren wird zunächst geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Eröffnung vorliegen. Die vorläufige Insolvenzverwaltung diene unter anderem dazu, das Vermögen des Unternehmens zu sichern und die wirtschaftliche Situation der GmbH zu sondieren.
Für Adata gehen damit unruhige Monate weiter. Fast vier Jahrzehnte firmierte das Unternehmen mit seinem markanten Logo an der Windmühlenstraße in Verden, wuchs in der Software-Szene zu einem der bekanntesten Anbieter. Die Nachfrage groß, da wagte sich Adata Anfang des Jahres 2025 aus dem Schatten der eher beschaulichen Schul- und Wohngegend und siedelte an die Bremer Straße in das ehemalige ÜNH-Gebäude um. Mit dem Wechsel in das größere Objekt, so ließ die Firmenspitze verlauten, wolle das Traditionsunternehmen weiter Kurs auf Expansion nehmen. „Ein Zeichen für Fortschritt und Wachstum“, freute sich der damalige Geschäftsführer Olaf Wiese.
Neuer Standort, neue Räumlichkeiten, dafür verpasste sich Adata auch nach außen hin ein neues Gesicht. Das modernisierte Corporate Design versprach frische Akzente und richtete sich mit aktuellen Botschaften noch stärker an künftigen Entwicklungen aus. Wiese nannte es eine „Investition in die Zukunft“. Knapp ein halbes Jahr später sah der langjährige Entwickler und Geschäftsführer damit die Weichen gestellt. Nach „intensiver Einarbeitung“ übergab Wiese, der dem Unternehmen über 40 Jahre angehörte, im September 2025 den Staffelstab an seinen Nachfolger Tim Schütte. Er wolle auf Bewährtem aufbauen, mit dem Team neue Impulse setzen, versprach der neue Geschäftsführer. Wiese selbst bleibe seinem Unternehmen nach wie vor eng verbunden, hieß es dazu.
Eine ganz neue Entwicklung tat sich auf, als nur einen Monat später die Zvoove-Gruppe mit Sitz in Lohne im Landkreis Vechta die Fühler nach dem Verdener Unternehmen ausstreckte. Adata behielt seinen Namen, schlüpfte aber unter das Dach von Zvoove. Die Integration in das weltweit operierende Team eröffne weitere Perspektiven, teilte die Verdener Unternehmensführung im Oktober 2025 mit. Zvoove, führender Anbieter von Software- und KI-Lösungen für die Zeitarbeits-, Sicherheits- und Reinigungsbranche, freute sich seinerseits, mit der Übernahme seine Marktposition in Deutschland stärken und sein Produktportfolio im Clean-Segment um eine leistungsstarke Lösung bei der Lohnabrechnung erweitern zu können..
Mit den veränderten Besitzverhältnissen im Oktober 2025 wechselte nach nur einem Monat erneut die Adata-Geschäftsführung, die seit dem in den Händen der Zvoove-Gruppe liegt. Der Unternehmensverbund stehe laut Zvoove-Geschäftsfüher Oliver Muhr mit mehr als 850 Beschäftigten für 6700 Kunden in Europa zur Verfügung. Adata stellt ein Team von 70 Experten, das aktuell rund 450 Kunden betreut.
Wie es mit dem Verdener Unternehmen weitergeht, liegt nun in den Händen des Insolvenzverwalters. Kann die Adata GmbH den laufenden Betrieb fortführen und die Löhne zahlen, werden die Beschäftigten grundsätzlich weiterhin normal vom Arbeitgeber bezahlt? Wenn die Kundenverträge, Softwareprojekte und die Mitarbeiter bleiben, könnte eine vorläufige Insolvenzverwaltung auch dazu dienen, den Betrieb zunächst weiterzuführen und eine Sanierung oder Übernahme zu ermöglichen. Fragen, auf die es laut Büro Köster/Berner erst nach der umfangreichen Bestandsaufnahme endgültig Antworten geben könne.