Nächster Halt: Rettung – wie Sanitäter bei der S-Bahn helfen

Stand: 20.07.2026, 06:30 Uhr

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Die Sanitäter Piotr Gorgol (li.) und Michai Istvan sind am Hirschgarten eingesetzt. In der Mitte S-Bahn-Qualitätsmanager Anian Pollinger. © Marcus Schlaf

Sanitäter am Bahnsteig sollen in Notfällen schnell helfen. Die S-Bahn hofft, so Störfälle auf der Stammstrecke eindämmen zu können. Erste Zahlen bestätigen diese Annahme.

Das Schlimmste sei ein Herzinfarkt gewesen, sagt Michai Istvan. Der Sanitäter des privaten Rettungsdienstes MKT steht am Bahnsteig der S-Bahn-Station Hirschgarten. Er und sein Kollege Piotr Gorgol haben einen speziellen Job: Sie sollen verhindern, dass sich Notarzteinsätze in der S-Bahn lange hinziehen und den ganzen Verkehr aufhalten. Da geht es um Minuten: In einem Kabuff auf dem Bahnsteig, wo früher die Bahnhofsaussicht stationiert war, stehen die Sanitäter in Habachtstellung. Wird eine Person etwa mit Kreislaufkollaps in einer S-Bahn gemeldet, gehen sie in den Zug, versuchen, die Person möglichst schnell auf den Bahnsteig zu bringen. Natürlich schonend, nur wenn es geht. Dann aber kann der Zug weiterfahren – und der Notfall in Ruhe am Bahnsteig behandelt werden. Den Versuch gibt es seit Februar vergangenen Jahres. Jetzt liegen erste Zahlen vor: 36 Einsätze hatten die Sanitäter am Hirschgarten und an der Donnersbergerbrücke, wo ebenfalls ein Zweierteam von 7 bis 9 Uhr Wache hält, bisher.

Die frühstücken zu wenig

Ersonnen hat das neue Konzept der S-Bahn-Manager für Betriebsqualität Anian Pollinger. Er hat die Führung der Bahn überzeugt, jährlich einen fünfstelligen Betrag für die Sanitäter auszugeben. Das Geld reicht für die Stoßzeit von 7 bis 9 Uhr werktags. Es war ein langer Atem nötig, erzählt Pollinger. „In den ersten sechs Wochen passierte gar nichts.“ Der Versuch stand kurz vor dem Abbruch, doch am Tag eins nach dem Sechs-Wochen-Versuch gab es gleich zwei Einsätze am Gleis. Durch das schnelle Eingreifen im Zug hatte die S-Bahn nur eine Minute Verspätung, erzählt Pollinger. Sonst waren es um die 30.

Der Fehlschlag mit Robo-Hund „Spot“

Nicht alle Versuche zur Steigerung der S-Bahn-Qualität sind erfolgreich. Der Einsatz eines Roboterhunds etwa erwies sich als Fehlschlag. „Roboterhund Spot jagt S-Bahn-Sprayer“, titelten die Zeitungen im März 2024. In Deisenhofen präsentierte die Bahn stolz den Robodog, der ausgestattet mit Kameras die S-Bahnen in der Nacht bewachen sollte. Doch die Sprayerszene machte sich einen Spaß draus: Schon einen Tag nach der Präsentation war wieder eine S-Bahn besprüht – mit einer ziemlich originalgetreuen Abbildung des Roboterhund! Es gibt Fotos, aber die rückt die Bahn nicht raus. Der Roboterhund wurde schnell wieder abgezogen.

robo bei der bahn

Der Roboterhund in Deisenhofen. © brouczek

Pollinger hat auch nachgedacht, warum so viele Leute in der S-Bahn umkippen – und das vor allem am Morgen. Der Hintergrund: Das Frühstücksverhalten der S-Bahn-Kundschaft lässt zu wünschen übrig. Das Durchschnittsalter lag bei den meisten Patienten bei 21 bis 30 Jahren. Und es sind mehr Frauen als Männer. „Die frühstücken zu wenig“, meint Pollinger. In der stickigen S-Bahn klappt eine Studentin mit Kreislaufkollaps zusammen – das ist so der typische Einsatzfall. Das hat Pollinger auf die Idee gebracht, in der S-Bahn eine Müsliriegel-Offensive zu starten. 5000 Stück sollen demnächst verteilt werden. Motto: „Dein Kreislauf hat keinen Ersatzverkehr.“

Friedenheimer Brücke/ Haltestelle Hirschgarten.

An den Stationen Hirschgarten und Donnersbergerbrücke sind die Sanis im Einsatz. © SIGI JANTZ

Ein heikles Thema sind Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. 72 solcher Fälle sorgten 2025 für Behinderungen im S-Bahn-Verkehr. Pollinger hat jetzt Schilder initiiert. An den Bahnsteig-Enden hängt vielerorts eine bunte Tafel mit der Aufforderung „Sprich mit uns“ und einer Notfallnummer. Ein Mädchen habe tatsächlich wegen des Schilds die psychologische Beratungsstelle angerufen. Ein Fall, bei dem möglicherweise ein schlimmer Ausgang verhindert wurde. Auch Zäune entlang der S-Bahn-Strecke sollen den bekannten Störfall „Personen im Gleis“ verhindern.

Die Sanitäter vom Hirschgarten machen sich ihren eigenen Reim auf die Einsätze. Epileptische Anfälle häuften sich, sagt Istvan. Das hänge wohl auch mit der schlechten Belüftung mancher S-Bahnen zusammen. Er findet es gut, dass manche, die dafür anfällig sind, Warnsticker an ihren Rucksäcken tragen. Eine Patientin kennen sie jetzt schon – die war schon zweimal ein „Rettungseinsatz im Zug“, so die offizielle Warnmeldung im DB-Navigator.