Die irische Fußballnationalmannschaft steht in der Heimat wegen der bevorstehenden Nations-League-Spiele gegen Israel unter Druck. Zahlreiche Proteste fordern das Team auf, die Partien wegen des militärischen Vorgehens Israels im Gazastreifen zu boykottieren. Dennoch sollen die Spiele wie geplant stattfinden. Das teilte Verbandspräsident David Courell nach einer 90-minütigen Mannschaftssitzung mit. Eine »deutliche Mehrheit« habe sich für die Austragung ausgesprochen, sagte er.
»Heute Morgen hat ein Spieler dem Cheftrainer sein Unbehagen mitgeteilt und seine Absicht bekundet, aus dem Kader auszusteigen. Diese neue Situation erforderte Zeit und Überlegungen seitens der Mannschaft«, sagte Courell. Die am Morgen angesetzte Pressekonferenz mit Trainer Heimir Hallgrímsson sowie das angesetzte Training wurden deshalb kurzfristig verschoben.
Die Republik Irland gehört seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen als Reaktion auf den Überfall der Hamas im Oktober 2023 zu den europäischen Ländern, die besonders deutlich ihre Unterstützung für die Palästinenser zum Ausdruck gebracht haben. Israels Existenzrecht wird ausdrücklich betont, gleichzeitig hat Dublin 2024 den Staat Palästina offiziell anerkannt.
Aus Sicherheitsgründen steigt das »Heimspiel« Israels am Sonntag (20.45 Uhr/DAZN) im ungarischen Debrecen, das Rückspiel am 4. Oktober ebenfalls auf neutralem Boden in Bačka Topola (Serbien). Der irische Verband FAI hatte bereits auf sein Ticketkontingent verzichtet.
Irische Spieler wollen auf Handschlag verzichten
Für den Rest des Länderspielfensters werden die irischen Spieler von ihren Medienverpflichtungen befreit. Courell zufolge sei in Gesprächen mit den Spielern deutlich geworden, dass sie sich unwohl dabei fühlten, Fragen beantworten zu müssen, die nicht den Fußball beträfen. Vor dem Spiel werde es zudem weder einen Handschlag mit der israelischen Mannschaft noch einen Austausch von Wimpeln geben. Die Spieler wollten zudem schwarze Armbinden tragen, um der Menschen zu gedenken, die in dem Konflikt ihr Leben verloren hätten.
Zuvor hatte sich Jason Knight als erster Spieler öffentlich gegen die Austragung des Spiels ausgesprochen. »Ich denke nicht, dass die Partie stattfinden sollte, aber sie findet statt«, sagte der Profi des englischen Zweitligisten Bristol City nach der 0:1-Niederlage Irlands gegen Kosovo. Trainer Hallgrímsson hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, einige seiner Spieler fühlten sich unwohl dabei, die Spiele bestreiten zu müssen.
Die Debatte hatte sich mit Näherrücken der Partie in den vergangenen Tagen verschärft. Äußerungen Hallgrímssons, sein Team spiele »gegen Völkermord«, riefen eine scharfe Reaktion des israelischen Fußballverbands (IFA) hervor, der dem Isländer »Ignoranz, Heuchelei und Dummheit« vorwarf. Hallgrímsson erhielt daraufhin öffentlich Unterstützung vom irischen Premierminister Micheál Martin, der wiederum die Äußerungen des IFA als »inakzeptabel« bezeichnete und deren Rücknahme forderte.