Heute kommt ein atmosphärischer Thriller, von dem viel zu wenige gehört haben, erstmals ins Streaming-Abo von Paramount+. In „The Infernal Machine” spielt „Memento”-Star Guy Pearce einen Autor, der von rätselhafter Fanpost terrorisiert wird.

„The Infernal Machine - Gefährliche Vergangenheit” erschien 2022 in den USA, Großbritannien und einigen weiteren Ländern im Kino, allerdings nicht in Deutschland. Nun ist der Slow-Burn-Thriller erstmals im Streaming-Abo von Paramount+ verfügbar und lohnt sich insbesondere für Fans von Horrorszenarien rund um Personen des öffentlichen Lebens.
Bei „The Infernal Machine” handelt es sich um den ersten Langfilm von Regisseur Andrew Hunt, der lose auf der Episode „The Hilly Earth Society” des Anthologie-Fiktion-Podcasts „The Truth” basiert, in dem die komplette Handlung in Form von Telefonnachrichten erzählt wird. Hunt, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, greift die ambivalenten Gefühle eines Autors gegenüber der eigenen Bekanntheit auf, lenkt das Geschehen jedoch in eine andere, wesentlich düstere Richtung als die Vorlage.
Darum geht es in "The Infernal Machine"
Nachdem sein erster und einziger Roman mit einem Amoklauf an einer Universität in Verbindung gebracht wird, zieht sich Schriftsteller Bruce Cogburn vollkommen aus der Öffentlichkeit zurück. Die Ruhe seines einsamen, abgeschiedenen Lebens in Südkalifornien wird jäh gestört, als er plötzlich eine Vielzahl rätselhafter Briefe bekommt. Obwohl er daraufhin sein Postfach abbestellt, hören die Zusendungen nicht auf. Stattdessen landen die Schreiben an seiner Privatadresse. Während Cogburn noch damit zu schaffen hat, ob die Jahre der Isolation vielleicht ihren Tribut gefordert haben und er sich insgeheim doch nach menschlichem Kontakt sehnt, entwickelt sich „The Infernal Machine” nach Meinung der Autorin dieses Artikels langsam zu einem paranoiden Thriller über menschliches Geltungsbedürfnis.
Nicht nur die Ausgangssituation erinnert an Stephen Kings unliebsame Erfahrungen mit seinem unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichten Roman „Amok”, den er aufgrund der zunehmenden Waffengewalt an Schulen freiwillig vom Markt nehmen ließ. Auch das parasoziale Verhältnis von Leser*innen zu Autoren beschäftige den Horrorkönig immer wieder: von „Misery” bis „Love” (im Original und der Apple-TV-Adaption „Lisey’s Story”) deckte er in seinen Geschichten ein ganzes Spektrum fanatischer Fans ab.
Guy Pearce brilliert als Autor, der zusehends die Kontrolle verliert
Guy Pearce, der erst letztes Jahr für seine Darstellung in „Der Brutalist” für einen Oscar nominiert war, spielt Bruce Cogburn und trägt den Film mit seiner eindringlichen Performance nahezu im Alleingang. In kleineren Nebenrollen sind Alice Eve („Bombshell”), Jeremy Davies („The Black Phone”) und Alex Pettyfer (“Ich bin Nummer Vier”) zu sehen.
Es lohnt sich meiner Meinung nach übrigens, den Film in der Originalsprache zu sehen. Einerseits wirken dadurch die mysteriösen deutschen Radiofrequenzen, die Cogburn empfängt, umso unheimlicher. Zudem kommt dabei ein darstellerisches Detail zur Geltung: Pearce (eigentlich Australier) spielt den einsiedlerischen Schriftsteller mit einem nordenglischen Akzent, eine ungewöhnliche Entscheidung, die innerhalb der Handlung nicht weiter aufgegriffen oder erklärt wird. Dieser verblüffende Kontrast zum US-amerikanischen Lone-Ranger-Setting komplett mit Cowboy-Hut und Vorliebe für Schusswaffen, verleiht der Figur eine ganz eigene, unterschwellige Faszination.
Indes dürfen sich Stephen-King-Fans sogar über weitere gute Nachrichten freuen:
Stephen King kann jubeln: Die Fortsetzung der Serie zum größten Horror-Hit der Kinogeschichte hat endlich grünes Licht!