Liebe Leserin, lieber Leser,
wer war der Attentäter auf dem Christopher Street Day 2026 in Berlin? Was wissen wir über den 21-jährigen Abdul Ballout, der am Samstagabend im Tiergarten mit einem Kleinlaster und einer Machete 31 Menschen zum Teil schwer verletzte und eine 65-jährige Frau tötete? Auch am zweiten Tag nach der Erschießung Ballouts durch Beamte eines Spezialeinsatzkommandos in einer Spandauer Gartenkolonie sind neue Details ans Licht gekommen, die dringende Fragen zur Arbeit der Behörden und zur Sicherheitslage aufwerfen.
Ballout war demnach viel tiefer in die islamistische Szene verstrickt, als bislang bekannt war. Wie „Zeit Online“ unter Berufung auf Unterlagen libanesischer Ermittler berichtet, sollen zwei Cousins des CSD-Attentäters für die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) gekämpft haben. Ballout soll per Messenger Kontakt zu mutmaßlichen IS-Kadern gehabt haben. Er habe diese um Hilfe bei der Reise nach Syrien gebeten, wo er sich den Erkenntnissen zufolge dem IS anschließen wollte. Ballout habe behauptet, dass er von seinen zwei Cousins, dem in den Reihen des IS gestorbenen Libanesen Abu Bilal und dem zurzeit möglicherweise im Irak in Haft sitzenden Muhammad, empfohlen worden sei.
Die beiden Cousins seien Söhne einer Schwester von Ballouts Vater. Deren Ex-Mann, Omar Bakri Fustuq, gilt wiederum als bekannte Persönlichkeit in der Dschihadismus-Szene. Einer der beiden Cousins, Bilal, soll nach Angaben des britischen „Guardian“ 2015 im Irak getötet worden sein. Ballout soll nach Informationen deutscher Ermittler am 28. Oktober 2024 ein Foto von Bilal als Status-Bild bei WhatsApp eingestellt haben – wahrscheinlich, um dessen Andenken zu ehren.
Wenn dies deutschen Ermittlern bekannt war, dann stellt sich die Frage, warum Ballout nicht sorgfältiger überwacht worden ist. Vorwürfe wegen der Aufhebung seiner Untersuchungshaft hat die Berliner Justiz am Dienstag zurückgewiesen. Eine Sprecherin betonte, für vorbeugende Gefahrenabwehr seien die Sicherheitsbehörden, also Polizei und Staatsanwaltschaft, zuständig, nicht die Strafgerichte. Ein Strafgericht könne nur über angeklagte Taten urteilen. Deswegen sei der Mann auch verurteilt worden. Die Strafe sei zunächst nicht zur Bewährung ausgesetzt worden. Dies sei nur als Möglichkeit in Aussicht gestellt worden.

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin.© FUNKE Foto Services | Reto Klar
In Berlin hätte der Attentäter möglicherweise durch eine elektronische Fußfessel im Vorfeld des Anschlags überwacht werden können. Das lässt seit Anfang des Jahres das neue Berliner Polizeigesetz zu. Martin Matz, innenpolitischer Sprecher der Berliner SPD-Fraktion, wies gegenüber der Berliner Morgenpost darauf hin, dass der Einsatz von Fußfesseln in Berlin schon möglich ist. In diesem Zusammenhang verstehe er nicht, wieso der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zuvor in der Senats-Pressekonferenz eine entsprechende Forderung aufgestellt hatte. Wegner hatte wiederum Forderungen von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach dem Einsatz von Fußfesseln gegen Gefährder unterstützt.
Wieso die Fußfessel im Fall von Abdul Ballout trotz der Einschätzung des Bundeskriminalamtes, dass Ballout eine „Hochrisiko-Person“ ist, nicht zum Einsatz kam, ist offen. Heute kommt der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses zu einer Sondersitzung zusammen. Wir hoffen auf neue Erkenntnisse.
Mehr zum Anschlag auf den CSD
Die Fehlerkette im Fall Abdul Ballout. Observation, falsche Einstufung und einschlägige IS-Kontakte – wo die Sicherheitssysteme bei Abdul Ballout versagt haben. Julian Würzer kennt die Details.
Wie Terror Wahlen beeinflusst. Wissenschaftler der Goethe-Universität haben untersucht, wie sich Attentate auf Wahlen auswirken. Effekte gibt es bei der Beteiligung – und einer Partei, schreibt Jessica Hanack.

Wie die Stadt um die Opfer trauert. An den Gedenkorten legen die Menschen Blumen und Nachrichten ab. Der Anschlag betrifft Menschen weit über die queere Community hinaus, wie Norman Börner beobachtet.
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Ihr Felix Müller
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