Stand: 29.07.2026, 06:30 Uhr
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Nachdem Jens Spahn am 19. Juli wegen der Leihmutterschafts-Affäre als Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion zurückgetreten ist, müssen sich Kommunalpolitiker der CDU für dessen Verhalten, das dazu führte, rechtfertigen. Die Dötlinger CDU-Vorsitzende Beate Wilke sagt: „Der Rücktritt von Jens Spahn war unausweichlich. Er hatte das Vertrauen schon länger verspielt."
Dötlingen – Auch die Dötlinger CDU-Vorsitzende Beate Wilke findet den Rücktritt des CDU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn wegen der Leihmutterschafts-Affäre am 19. Juli richtig. Die Wildeshauser CDU hatte sich schon direkt danach an die Presse mit einer Stellungnahme gewandt, in der sie mit dem Schritt Spahns ihre Forderung nach Konsequenzen bestätigt sah und diesen begrüßte.

Die Mediengruppe Kreiszeitung hat deshalb auch bei den Dötlinger Christdemokraten und dem für den Landkreis Oldenburg zuständigen CDU-Bundestagsabgeordneten Bastian Ernst nachgefragt, wie sie die Vorgänge in Berlin bewerten – und welche Folgen diese für die politische Arbeit in den Kommunen haben.
Es geht am Ende um die Menschen im Wahlkreis und nicht um Berlin.“
Für Beate Wilke ist die Sache eindeutig. „Der Rücktritt von Jens Spahn war unausweichlich. Er hatte das Vertrauen schon länger verspielt, die Leihmutterschafts-Affäre ist jetzt das i-Tüpfelchen gewesen“, sagt die Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Dötlingen. Besonders ärgert sie, dass die Debatte bis in die Gemeinden ausstrahle. „Wir müssen uns in unseren kleinen Kommunen für sein Verhalten rechtfertigen, wir werden angegriffen. Wir können nichts dafür, aber das schlägt nach unten durch.“
Spahns Verhalten sei für viele Parteimitglieder vor Ort kaum nachvollziehbar. „Es ist eine Heuchelei, es ist unehrlich. Man kann als Spitzenpolitiker nicht gegen die Leihmutterschaft in Deutschland sein und diese Dienste dann im Ausland in Anspruch nehmen. Wenn er der Meinung ist, dass Leihmutterschaft aus persönlichen Gründen in Ordnung ist, hätte er das offen sagen müssen. Das hätte man vielleicht verstanden.“
Gerade von Politikern in Spitzenämtern erwartet Wilke einen anderen Maßstab. „Man hat eine Vorbildfunktion, wenn man ein politisches Amt bekleidet.“ Zur Verdeutlichung zieht sie einen Vergleich mit der Kommunalpolitik: „Ich bin nur Vorsitzende eines kleinen Ortsverbandes – aber wenn ich beispielsweise ein Grundstück zu einem verbilligten Preis kaufen würde, wäre ich für die politische Arbeit verbrannt.“
Ähnlich bewertet auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst die Situation. Die Stellungnahme der Wildeshauser CDU sei ihm vorab bekannt gewesen. „Ich finde das legitim, was sie schreibt. Die Kommunalpolitiker müssen den Bürgern vor Ort Rede und Antwort stehen. Es geht um Vertrauen in die Menschen, die Politik machen – und Jens Spahn hat dieses Vertrauen verloren. Daher ist sein Rücktritt richtig.“
Auch im Bundestag habe der Fall erhebliche Irritationen ausgelöst. „Ich habe gemerkt, dass das Verhalten von Jens Spahn für viel Unruhe und Unverständnis gesorgt hat. Sein Verhalten ist nicht erklärbar“, sagt Ernst. Besonders belastend sei, dass viele Bürger nicht zwischen hauptamtlichen Politikern in Berlin und ehrenamtlich engagierten Kommunalpolitikern unterschieden. „Die kommunalen Vertreter sind ratlos über diese Vorgänge.“
Für Ernst ist das ein Grund, die Auswirkungen bundespolitischer Entscheidungen auf die Basis stets mitzudenken. „Ich versuche, in Berlin immer zu berücksichtigen, was unsere Tätigkeit im Bund für die Verbände in der Region bedeutet. Es geht am Ende um die Menschen im Wahlkreis und nicht um Berlin.“
Damit fällt das Urteil der beiden CDU-Vertreter aus dem Landkreis Oldenburg ungewöhnlich deutlich aus: Nicht nur der Rücktritt Jens Spahns sei richtig gewesen – der Vertrauensverlust eines Spitzenpolitikers treffe immer auch diejenigen, die sich vor Ort ehrenamtlich für ihre Partei engagieren und den Bürgern Rede und Antwort stehen müssen.
Wir müssen uns in unseren kleinen Kommunen für sein Verhalten rechtfertigen.“