Stand: 25.09.2026, 08:00 Uhr

Kaum entdeckt, hat sie schon einen Namen – und schon stellt sich die nächste Frage: Könnte „Leopardus tilcayo“ als Haustier gehalten werden? Was wir bisher über sie wissen, spricht eher dagegen.
Klein, scheu und mit einem ungewöhnlich gemusterten Fell: Forscher haben in den Nebelwäldern Boliviens eine neue Katzenart entdeckt. Die ungewöhnliche Vorgeschichte der Entdeckung wirft auch die Frage auf, was über ein Leben dieser Wildkatze in menschlicher Obhut bekannt ist.
Ein Wildkatzen-Fund, der die Wissenschaft überraschte
Vor rund zehn Jahren gelangte die kleine Wildkatze in menschliche Obhut. Nach etwa einem Jahr fiel ihr ungewöhnliches Verhalten auf. Anschließend kam sie in ein Wildtierzentrum, wo Biologin Paola Nogales-Ascarrunz auf ihre besonderen Merkmale aufmerksam wurde.
Bei der Untersuchung fielen der Biologin das zerknautschte Gesicht, die kurzen runden Ohren und das leopardenartige Fellmuster auf. Zunächst hielt sie das Tier für eine bereits bekannte Tigerkatze. Erst eine aufwendige Genanalyse brachte die Gewissheit. Die Forscher verglichen die Genome von 38 Wildkatzen der Gattung Leopardus, teils sogar mit konservierten Museumsexemplaren. Das Ergebnis, veröffentlicht im Fachjournal „Current Biology“: Tilcayo ist eine eigenständige Art, die sich vor rund 1,4 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten abgespalten hat.
Ihren Namen verdankt die Katze übrigens nicht den Forschern, sondern den Menschen vor Ort. In der Yungas-Region Boliviens kennt man sie seit Generationen als „Tilcayo“. Die Wissenschaftler übernahmen die Bezeichnung, um die kulturelle Bedeutung des Namens zu erhalten.
Tilcayo im Steckbrief:
- Wissenschaftlicher Name: „Leopardus tilcayo“
- Lebensraum: Nebelwälder der Yungas-Region in den bolivianischen Anden
- Körperlänge: 42,5 bis 50,5 Zentimeter, plus 25 bis 26,5 Zentimeter Schwanz
- Gewicht: rund 1,4 Kilogramm – kleiner als eine durchschnittliche Hauskatze
- Fell: hellbraun mit unregelmäßigen, leopardenartigen Flecken
- Aktivität: Kamerafallen-Aufnahmen deuten auf vermutlich nächtliche Aktivität hin, gesichert ist das nicht
- Nahrung: Kotproben enthielten Reste kleiner Nagetiere – man vermutet, dass diese einen Teil der Nahrung ausmachen
- Bekannte Population: bislang erst zwei Tiere sicher zugeordnet
- Letzte vergleichbare Entdeckung bei lebenden Katzenarten: laut „National Geographic“ das Jahr 1923
Warum die Frage nach der Haltung aufkommt
Die Frage entsteht vor allem wegen der ungewöhnlichen Vorgeschichte: Das Tier lebte rund ein Jahr in menschlicher Obhut, bevor es in ein Wildtierzentrum kam. Das allein sagt jedoch nichts darüber aus, ob die Art für eine private Haltung geeignet ist. Zu einer möglichen Domestizierung von Leopardus tilcayo haben sich die Forscher bislang nicht geäußert.
Was über eine Haltung bekannt ist
Die entscheidende Frage ist, ob die Wildkatze überhaupt für ein Leben in menschlicher Obhut geeignet wäre. Dazu fehlen bislang wichtige Informationen – etwa über ihre Fortpflanzung, ihr Sozialverhalten und ihre genauen Lebensraumansprüche.
Hinzu kommt die extreme Seltenheit der Art. Bislang gilt gerade einmal ein Tier als wissenschaftliches Referenzexemplar, insgesamt sind zwei Katzen zweifelsfrei zugeordnet. Über die Gesamtpopulation gibt es keine verlässlichen Zahlen. Zu einer möglichen Haltung oder Zucht äußern sich die Forscher nicht.
Für die Wissenschaft steht ohnehin ein anderes Ziel im Vordergrund. „Der Öffentlichkeit zu zeigen, dass selbst in einer so bekannten Tiergruppe wie den Katzen noch immer neue Arten zu entdecken sind, kann eine wichtige Botschaft vermitteln“, sagt Eduardo Eizirik, Evolutionsbiologe und leitender Autor der Studie. Er verweist zugleich auf das Risiko, dass unbekannte Arten verschwinden könnten, noch bevor sie überhaupt entdeckt werden. Die Studienautoren gehen außerdem davon aus, dass mehrere kleine Wildkatzenarten in Südamerika bislang falsch eingeordnet wurden – Tilcayo könnte also erst der Anfang weiterer Entdeckungen sein.
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