Neue Studie macht Hoffnung: Hirntumor-Impfstoff verlängert Leben deutlich
Stand: 12.07.2026, 08:00 Uhr
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Die Langzeitergebnisse der klinischen Studie zeigen, dass Patienten deutlich länger überlebten als die übliche Überlebenszeit bei diesen Tumorarten.
Mannheim – Eine neue Impfstrategie gegen bestimmte bösartige Hirntumoren könnte sich als Wendepunkt in der Behandlung von Patienten erweisen. Gliome sind in der Regel unheilbare Hirntumoren, da Chemo- und Strahlentherapie nur begrenzt wirksam sind und die Tumoren sich operativ nur schwer vollständig entfernen lassen.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com
Sie können sowohl Kinder als auch Erwachsene betreffen, und es gibt mehrere unterschiedliche Typen, von denen einige sehr schnell wachsen. Gliome entstehen, wenn die Gliazellen des Körpers unkontrolliert wachsen, und verursachen Symptome wie Sehstörungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Kommunikationsstörungen und andere kognitive Probleme.

Nun haben Forschende mehrerer Einrichtungen, darunter das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Universitätsklinikum Mannheim und das Universitätsklinikum Heidelberg, die Langzeitergebnisse einer klinischen Studie zu einem Impfstoff veröffentlicht, der das Immunsystem gegen eine häufige genetische Mutation in Gliomen aktiviert. Die Ergebnisse sind äußerst ermutigend.
Michael Platten, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim und Abteilungsleiter am DKFZ, sagte dem Magazin Newsweek: „Unsere Studie zeigt, dass eine gezielte Impfstrategie gegen eine Tumormutation langfristige Überlebensvorteile bei Hirntumoren bringen könnte. Dies eröffnet einen vielversprechenden neuen Weg zur Behandlung von Krebserkrankungen, die sich bislang nur schwer therapieren ließen.“
Gezielte Impfung gegen häufige Genmutation
Gliomzellen tragen häufig eine verbreitete genetische Mutation, bei der ein genetischer Fehler dazu führt, dass in dem Enzym IDH1 eine bestimmte Aminosäure ausgetauscht wird, wodurch eine neue Proteinstruktur entsteht, die als Neoepitop bezeichnet wird. Dieses Neopeptid treibt das Tumorwachstum an und wird vom Immunsystem als fremd erkannt.
Nun haben Forschende einen Peptidimpfstoff entwickelt, der das Immunsystem darauf trainiert, Tumorzellen mit genau dieser Mutation zu erkennen und zu bekämpfen.
Der Impfstoff aktiviert T-Zellen, die infizierte oder bösartige Zellen angreifen, sowie B-Zellen, die Antikörper gegen den Tumor bilden. In einer klinischen Studie erhielten zunächst 33 Patientinnen und Patienten mit neu diagnostizierten hochgradigen Gliomen den Impfstoff zusätzlich zur Standardtherapie – und acht Jahre später lebten noch 66 Prozent der Studienteilnehmenden.
In 42 Prozent der Fälle war die Erkrankung im Beobachtungszeitraum nicht fortgeschritten, und bei jenen, deren Tumoren operativ entfernt werden konnten, waren die Überlebensraten deutlich höher.
Deutlich längere Überlebenszeiten als bisher üblich
Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die mediane Überlebenszeit bei diesen Tumorarten üblicherweise zwischen 2,5 und fünf Jahren liegt.
„Das mutierte IDH1 ist ein wichtiger Tumortreiber. Die Mutation tritt früh in der Tumorentwicklung auf und bleibt entscheidenderweise stabil, selbst wenn sich die Tumorzellen weiterentwickeln“, sagte Erstautor Lukas Bunse, Leiter der Sektion Neuroonkologie am Universitätsklinikum Mannheim und Wissenschaftler am DKFZ, in einer Presseaussendung über EurekAlert!.
Die Studienauswertung stellte zudem einen Zusammenhang zwischen der Immunantwort und dem Krankheitsverlauf fest. Demnach hatten jene Patienten, deren Immunsystem besonders gut auf die Impfung reagierte, deutlich bessere Langzeitprognosen, insbesondere bei einer lang anhaltenden Antikörperantwort.
Es zeigte sich außerdem, dass die durch den Impfstoff aktivierten Immunzellen möglicherweise in den Tumor einwandern, da spezifische T-Zellen nur bei den Teilnehmenden gefunden wurden, deren Tumoren unter Kontrolle waren, nicht jedoch bei Personen mit rasch fortschreitender Erkrankung.
Mögliche Standardtherapie für viele Betroffene
Die in der Fachzeitschrift Nature Cancer veröffentlichte Studie deutet außerdem darauf hin, dass zusätzliche Auffrischungsimpfungen die Immunantwort auch Jahre später ohne zusätzliche Nebenwirkungen stärken könnten.
„Die Phase-I-Studie untersucht in erster Linie die Sicherheit und die Immunantwort“, sagte Bunse in einer Erklärung. „Bei Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit ist Vorsicht geboten, da die Studie keine Kontrollgruppe hat. Dennoch liefern die Ergebnisse starke Hinweise auf einen klinischen Nutzen.“
Er fügte hinzu: „Auf Grundlage der von uns erhobenen Daten planen wir nun weitere Studien, um die Wirksamkeit des Impfstoffs abschließend nachzuweisen.“
Nächste Studienphase in Vorbereitung
Dieser neue immuntherapeutische Ansatz entwickelt keine individuellen Impfstoffe für jeden Patienten, sondern richtet sich gegen eine tumorspezifische Mutation, sodass er zu einer standardisierten Immuntherapie für eine große Patientengruppe werden könnte. Zudem lässt er sich möglicherweise mit anderen modernen Therapien kombinieren, um die Wirkung weiter zu verbessern.
In einer Presseerklärung ergänzte Platten: „Wir freuen uns, dass wir die Wirksamkeit dieses vielversprechenden Therapieansatzes nun in einer multizentrischen, randomisierten Phase-2-Studie mit Förderung durch das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen prüfen können.“ Platten sagte Newsweek, dass die Phase-2-Studie im Jahr 2027 beginnen werde.