Neue Umfrage: Texas-Latinos wenden sich von Republikanern ab – 56 Prozent wollen Demokraten wählen
Stand: 09.09.2026, 23:58 Uhr
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Latino-Wähler verschieben sich in texanischen Wahlkampfbezirken in Richtung Demokraten – Frust über Preise und Einwanderungspolitik treibt den Wandel.
Washington, D.C. – Latino-Wähler in drei umkämpften texanischen Repräsentantenhausbezirken bevorzugen laut einer neuen Umfrage die US-Demokraten mit 56 Prozent zu 36 Prozent. Diese Verschiebung könnte die Kontrolle über den Kongress beeinflussen, da knapp umkämpfte Wahlkreise bereits durch relativ kleine Veränderungen in wichtigen Wählergruppen entschieden werden können. Für beide Parteien steht damit in Texas deutlich mehr auf dem Spiel, als die reinen Prozentzahlen zunächst vermuten lassen.
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Dieser Artikel von John Fitzpatrick und Shakeema Edwards entstand in Kooperation mit newsweek.com
Die Republikaner waren in den Wahlzyklus 2026 mit der Hoffnung gestartet, dass Donald Trumps besseres Abschneiden bei Latino-Wählern im Jahr 2024 eine dauerhafte politische Neuordnung bedeute. Die neuen Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass diese Unterstützung nur unter bestimmten Bedingungen Bestand hatte. Wirtschaftlicher Frust und Widerstand gegen die Einwanderungspolitik der Regierung eröffnen den Demokraten nun neue Chancen bei dieser Wählergruppe.

Demokratische und republikanische Kandidaten in Wahlkreisen entlang der mexikanischen Grenze, in den Vororten von Fort Worth sowie im Korridor zwischen Austin und San Antonio stehen damit vor einer deutlich veränderten Wahllandschaft. Strategien, die 2024 noch funktionierten, müssen überdacht werden, da zentrale Themen wie Lebenshaltungskosten und Einwanderung stärker in den Vordergrund rücken. Beide Parteien beobachten die jüngsten Umfragewerte deshalb mit großer Aufmerksamkeit.
Midterms in den USA rücken näher: Umfrage zeigt erstmals Vorsprung der Demokraten in Texas
Hart Research führte die „2026 Latino Battleground Survey“ für TelevisaUnivision vom 6. bis 17. August unter 1.500 registrierten Latino-Wählern in 17 umkämpften Kongresswahlkreisen durch. Die Texas-Stichprobe umfasste 300 Interviews in den Bezirken 23, 28 und 35. Der Bericht weist darauf hin, dass die ausgewählten Wahlkreise als besonders wettbewerbsintensiv gelten und daher einen wichtigen Hinweis auf mögliche bundesweite Trends für die im November anstehenden Midterms liefern.
Der angegebene Stichprobenfehler für die Gesamtumfrage beträgt plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Unter den Latino-Befragten in den drei texanischen Bezirken war die selbst angegebene Stimmabgabe bei der Präsidentschaftswahl 2024 ausgeglichen: 44 Prozent für Trump und 44 Prozent für die damalige Vizepräsidentin Kamala Harris. Dieses Gleichgewicht bei der zurückliegenden Wahl bildet den Hintergrund für die nun deutlich abweichenden Präferenzen bei der nächsten Kongresswahl.
Auf die Frage nach ihrer Wahlentscheidung für die Midterms 2026 gaben jedoch 56 Prozent an, demokratische Kandidaten zu unterstützen, während 36 Prozent die Republikaner favorisierten. „Latino-Wähler sind nicht dauerhaft an eine Partei gebunden“, sagte Kate Coleman, Senior Vice President bei TelevisaUnivision, gegenüber Axios. „Sie achten sehr genau darauf, wer für sie präsent ist und wie diese Präsenz aussieht, und treffen ihre Entscheidungen entsprechend.“
Die Texas-Stichprobe umfasste drei Rennen um Sitze im Repräsentantenhaus. Im 23. Kongressbezirk bewerben sich der Republikaner Brandon Herrera, die Demokratin Katy Padilla Stout und der Unabhängige Ben Mendoza um einen frei werdenden Sitz. In diesem weitläufigen Grenzbezirk, der sowohl ländliche als auch städtische Gebiete umfasst, könnten Latino-Wähler mit ihren veränderten Präferenzen den Ausschlag geben und die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus mitbestimmen.
Verschiebungen in den landesweiten Schlüsselwahlkreisen
Der demokratische Amtsinhaber Henry Cuellar hofft, den Sitz im 28. Bezirk gegen den Republikaner Tano Tijerina und den Kandidaten der Grünen, Marlon Duran, zu verteidigen. Im 35. Bezirk treten der Demokrat Johnny Garcia und der Republikaner Carlos De La Cruz gegeneinander an, um den demokratischen Abgeordneten Greg Casar zu ersetzen. Alle drei Rennen gelten als Test dafür, ob der jüngste demokratische Aufschwung bei Latinos in Texas auch an der Wahlurne Bestand haben wird.
Über alle 17 untersuchten umkämpften Repräsentantenhausbezirke hinweg lagen die Demokraten auf dem generischen Stimmzettel (eine Umfrage ohne konkrete Kandidatennamen) bei registrierten Latino-Wählern mit 58 Prozent zu 35 Prozent vor den Republikanern. Diese Führung von 23 Punkten ist doppelt so groß wie der elfprozentige Vorsprung, den Harris in der selbst berichteten Präsidentschaftsstimme 2024 gegenüber Trump hatte. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Midterms für viele Latino-Wähler eine andere Entscheidungslogik hat als die Präsidentschaftswahl.
Unter den kalifornischen Befragten in der „Battleground“-Umfrage bevorzugten 57 Prozent die demokratischen Kongresskandidaten, während 33 Prozent die Republikaner unterstützten. In zwei umkämpften Wahlkreisen in Florida verschoben sich die Latino-Stimmen von einem Vorsprung von einem Punkt für Trump in der selbst berichteten Wahl 2024 zu einem Vorsprung von 13 Punkten für die Demokraten auf dem Stimmzettel von 2026. Diese Entwicklung zeigt, dass selbst in traditionell hart umkämpften Regionen neue Dynamiken wirksam werden.
Preise und Einwanderung als zentrale Konfliktfelder
Die Umfrage ergab außerdem, dass 11 Prozent der Latino-Befragten, die angaben, 2024 Trump unterstützt zu haben, nun demokratische Kongresskandidaten wählen wollen. Die Ergebnisse legen jedoch nicht fest, wie einzelne Wahlkreise tatsächlich abstimmen werden. Präferenzen auf dem generischen Stimmzettel können sich vor dem Wahltag noch ändern, und Faktoren wie Wahlbeteiligung, Qualität der Kandidaten und lokale Themen prägen jede Auseinandersetzung gesondert.

Wirtschaftlicher Druck scheint die deutlichste Achillesferse der Republikaner zu sein. 65 Prozent der Befragten missbilligten Trumps Umgang mit Preisen und den allgemeinen Lebenshaltungskosten. Gefragt, welcher Partei sie eher zutrauten, die Preise zu senken, entschieden sich 62 Prozent für die Demokraten im Kongress und 36 Prozent für die Republikaner. Die Wahrnehmung, dass die Regierung zu wenig gegen steigende Kosten unternimmt, dominiert damit auch unter vielen früheren Trump-Wählern.
Die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze stellt ein weiteres Problemfeld dar. 62 Prozent lehnten den Ansatz der Regierung bei Kontrollen und Abschiebungen ab, während 64 Prozent der Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) eine negative Bewertung gaben. Unter unabhängigen Latino-Wählern bewerteten 65 Prozent ICE ungünstig. Diese Zahlen unterstreichen, dass das Thema Einwanderung bei dieser Wählergruppe nicht automatisch zugunsten der Republikaner wirkt.
Landesweite Umfragen zeigen breitere Unzufriedenheit
Diese Ergebnisse bedeuten jedoch keine pauschale Ablehnung der Grenzsicherung. Vielmehr deuten sie auf Unzufriedenheit mit der Art und Weise hin, wie die Regierung ihre Politik umgesetzt hat, verbunden mit anhaltender Sorge um die Kosten im eigenen Haushalt. Insgesamt missbilligten 63 Prozent Trumps Amtsführung, während 36 Prozent sie befürworteten. Für die Republikaner stellt sich damit die Frage, ob und wie sie Vertrauen bei den Latino-Wählern zurückgewinnen können.
Eine landesweite Umfrage des Pew Research Center lieferte bereits früher einen Hinweis auf die Unzufriedenheit der Latinos mit der Regierung. Die Erhebung wurde vom 6. bis 16. Oktober 2025 auf Englisch und Spanisch durchgeführt und ergab, dass 70 Prozent der erwachsenen Latinos Trumps Amtsführung ablehnten und 65 Prozent mit dem Umgang seiner Regierung mit der Einwanderung unzufrieden waren. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Skepsis weit über einzelne umkämpfte Bezirke hinausreicht.
Die Latino-Stichprobe umfasste 4.923 Erwachsene, bei einem Stichprobenfehler von plus/minus 2,6 Prozentpunkten auf einem Vertrauensniveau von 95 Prozent. Pew nutzte eine Kombination aus Online-Befragungen und Live-Telefoninterviews und gewichtete die Ergebnisse anhand nationaler Bevölkerungsdaten. Der Umfang der Pew-Studie unterschied sich deutlich von der Hart-Research-Umfrage, was einen direkten Vergleich erschwert, gemeinsame Tendenzen aber erkennbar macht.
Weitere Latino-Umfragen und offene Fragen
Pew befragte eine national repräsentative Stichprobe erwachsener Latinos, während Hart registrierte Latino-Wähler in 17 kompetitiven Repräsentantenhausbezirken untersuchte. Beide Umfragen zeigen eine ähnliche Richtung der Meinungsentwicklung, erfassen jedoch unterschiedliche Grundgesamtheiten. Gleichzeitig ergab eine im Mai durchgeführte Umfrage von UnidosUS unter 3.000 registrierten Latino-Wählern im ganzen Land und in 32 umkämpften Kongresswahlkreisen (mit einem Fehlerbereich von plus/minus 1,8 Prozentpunkten), dass 54 Prozent angaben, bei der Wahl 2026 einen demokratischen Kandidaten für das Repräsentantenhaus zu unterstützen.
Die 54 Prozent entsprachen dem demokratischen Stimmenanteil unter Latino-Wählern in den Nachwahlbefragungen von CBS News zur Repräsentantenhauswahl 2024. In der UnidosUS-Umfrage, die von BSP Research und Shaw & Company Research vom 27. April bis 14. Mai durchgeführt wurde, erklärten 27 Prozent, sie würden einen republikanischen Kandidaten unterstützen, während 19 Prozent noch unentschlossen waren. Die große Gruppe der Unentschlossenen bleibt damit ein zentrales Ziel politischer Kampagnen in den kommenden Monaten.
In der Schlussphase des Kongresswahlkampfs müssen die Republikaner klären, ob sie ihre Unterstützung aus dem Jahr 2024 zurückgewinnen können. Die Demokraten wiederum stehen vor der Aufgabe, ihre günstigen Umfragewerte in den umkämpften Bezirken am 3. November in tatsächliche Wahlbeteiligung umzusetzen. Wie nachhaltig die aktuelle Verschiebung unter Latino-Wählern sein wird, entscheidet sich letztlich an der Wahlurne – und könnte den Ausschlag über die Mehrheitsverhältnisse im nächsten Kongress geben.