Neuer Bebauungsplan für Aumovio-Gelände in der Diskussion

Stand: 21.08.2026, 07:38 Uhr

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bab190826 Babenhausen Aumovio Continental Wohngebiet Ost

Das Aumovio-Gelände in Babenhausen. Das Unternehmen benötigt zukünftig nur noch die beiden Gebäudekomplexe unweit des ehemaligen Baggersees. Der Großteil des Areals mit den Werkshallen soll verkauft werden. © Axel Häsler

Nach dem Rückzug des Investors Stack Infrastructure soll ein neuer Bebauungsplan für das 297.000 Quadratmeter große Aumovio-Areal entstehen.

Babenhausen – Ende des Jahres endet die Produktion von Fahrzeugelementen in den einstigen Continental-, jetzt Aumovio-Werkshallen. Das Unternehmen wird danach nur noch die im Westen am ehemaligen Baggersee gelegenen Gebäudekomplexe als Entwicklungsstandort nutzen. Alles östlich der Hauptzufahrt wird dann nicht mehr benötigt. Es soll verkauft werden.

Mit Stack Infrastructure stand Anfang des Jahres ein Investor in den Startlöchern, der auf dem Areal für circa drei Milliarden Euro ein riesiges Rechenzentrum und eine kleine Gewerbefläche für Unternehmen entwickeln wollte. Einem seit März öffentlich diskutierten Antrag für einen Aufstellungsbeschluss für einen entsprechenden Bebauungsplan verweigerte die CDU/FWB-Mehrheit vor den Kommunalwahlen die Zustimmung. Die beiden Fraktionen forderten zunächst das Erstellen einer Absichtserklärung (Letter of Intent, LOI), um Forderungen der Stadt zu fixieren.

Die Verhandlungen im Hintergrund zwischen Stadt und Investor sowie öffentliche Diskussionen um von CDU/FWB geforderte Garantiezahlungen in Höhe von mehreren Millionen Euro endeten Anfang Juli – mit dem Rückzug von Stack Infrastructure. Und es begannen, wie mehrfach berichtet, die gegenseitigen politischen Schuldzuweisungen. Nun steht ein neuer Aufstellungsbeschluss zur Diskussion, um ein Bauleitplanverfahren bis zum Satzungsbeschluss (Baurecht) zu starten.

Auf ein Neues an der VDO-Straße

Auf den 31. Juli datiert ist ein Änderungsantrag von Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) zum ursprünglichen Antrag. Dieser Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan (B-Plan) ist nun nicht mehr vorhabenbezogen, weil es keine konkreten Investorenpläne gibt. Er umfasst nun mit circa 297.000 Quadratmetern, wie von Aumovio beantragt, das komplette Areal und nicht nur das zuvor vorgesehene Investoren-Gelände (267.000 Quadratmeter). Der B-Plan habe den Zweck, ein Nutzungskonzept für Gewerbetriebe aller Art, aber auch insbesondere für Rechen- oder Logistikzentren, zu ermöglichen. Neben dem B-Plan soll mit Aumovio ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werden.

Der vorliegende Antrag ist aber weder im Bau- noch im Hauptausschuss diskutiert worden. Gleichwohl steht er noch auf der Agenda der Stadtverordnetenversammlung (siehe auch „Stadtparlament tagt“).

CDU-Fraktion bezieht Stellung

Bereits im Vorfeld der Ausschussrunde hat die CDU-Fraktion in einer Stellungnahme deutliche Kritik am Vorgehen des Bürgermeisters geübt: „Im Alleingang und ohne vorherige Abstimmung auch mit dem Magistrat hat er den von Aumovio vorgelegten Entwurf nahezu identisch übernommen“, heißt es darin. Und weiter: „Damit werde für Aumovio Tür und Tor geöffnet, auf dem Gelände nahezu jede Art von Gewerbe anzusiedeln – bis hin zu gigantischen Großstrukturen wie Logistik- oder Rechenzentren.“ Die CDU spricht von einem „Blankoscheck“ und vermisse harte Kriterien wie Ressourcenschutz, Energieeffizienz, Abwärmenutzung, Arbeitsplatzdichte und ein tragfähiges Verkehrskonzept. „Wir dürfen unsere Verhandlungsposition nicht schwächen, noch bevor das eigentliche Verfahren begonnen hat“, meint die CDU.

In einer weiteren Pressemitteilung begrüßt die CDU nun, dass der Bürgermeister den Antrag im Finanzausschuss zunächst zurückgestellt habe. „Wir unterstützen die Entwicklung des Aumovio-Geländes ausdrücklich. Eine so weitreichende Entscheidung darf aber nicht getroffen werden, bevor die politischen Leitlinien gemeinsam festgelegt sind. Wer den Bebauungsplan auf den Weg bringt, ohne diese Leitplanken vorher festzulegen, schwächt die Verhandlungsposition der Stadt“, wird darin CDU-Bürgermeisterkandidat und -Fraktionsmitglied Frank Zick zitiert.

Sichtweise des Bürgermeisters

Für Verwaltungschef Stadler ist der Gesamtkontext bedeutend, wie er auf Anfrage mitteilt. Auch möchte er Dinge klarstellen. Nach dem Beschluss im März, einen LOI auszuhandeln, sei ein entsprechender Entwurf „verwaltungsseitig erstellt und an den Investor versandt“ worden. Anfang Mai sei die Kommunikation vonseiten des Investors sichtlich zurückgegangen, seit über das Eckpunktepapier und die „Garantiezahlungen“ der CDU-Fraktion in der Presse berichtet worden sei. „In der letzten Fassung des LOI, der für die Verwaltung unterschriftsreif war, wurde zudem ein Zeitplan für einen möglichen Aufstellungsbeschluss im August dieses Jahres aufgezeigt“, berichtet Stadler. Aber es sei keine Antwort mehr darauf erfolgt.

Stadtparlament tagt

Zur letzten Sitzung vor der Bürgermeisterwahl am 20. September tagt am Donnerstag, 27. August, die Stadtverordnetenversammlung. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Rathaus am Marktplatz. Auf der Agenda steht neben dem Aumovio-Bebauungsplan auch der CDU-Antrag zum Überprüfen des ganztägigen Tempo-30-Limits auf der B26 (wir berichteten) sowie die Investitionen in Klimaanlagen und Hitzeschutz für Kitas (250.000 Euro). Außerdem geht es um den Förderantrag für die Gemeinwesenarbeit in den Stadtquartieren (unter anderem Erloch), eine Neufassung der Büchereisatzung (keine Jahresgebühren mehr), die Verteilung der Gelder aus den „Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsmitteln“ (5,6 Millionen Euro), den Kauf eines Traktors mit Gießfass und weiteren Anbaugeräten für den Bauhof (249.000 Euro) und um das Aufheben einer Wiederbesetzungssperre. (nkö)

In einer Videokonferenz im Juli von Aumovio, Stadtverordneten, Magistrat und Bürgermeister sei der Rückzug des Investors aufgrund der „Nicht-Wirtschaftlichkeit“ sowie eines ungewissen Planungsprozesses bekannt gemacht worden. An dieser Videokonferenz hätten von der CDU-Fraktion Rolf Gründling, Frank Zick und Monika Heinlein teilgenommen.

„In den darauffolgenden Wochen wurde von Seiten Aumovio immer wieder betont, dass die aktuelle Nachfrage nach Kaufinteressenten aufgrund des bisherigen Prozesses nicht mehr gegeben ist und ein gemeinsames Zeichen gesetzt werden soll, dass in Babenhausen ein Aufstellungsbeschluss möglich ist“, schreibt Stadler. Hierzu sei zwischen Aumovio, die im vergangenen Jahr lediglich zwei Arten von Kaufinteressenten hatten, nämlich Rechenzentren oder Logistikunternehmen, und der Stadt abgestimmt worden, dass für diese beiden Nutzungen oder potenzielle andere Investoren nur ein Aufstellungsbeschluss für ein Gewerbegebiet/einen Gewerbestandort infrage kommen kann. Schließlich war kein konkretes Vorhaben bekannt.

Nach dem Erstellen eines durch die Verwaltung erarbeiteten Aufstellungsbeschlusses für einen Angebotsbebauungsplan eines Gewerbegebietes, sollte dieser kurzfristig im Magistrat beraten werden. Die zur Beratung notwendige Zweidrittel-Mehrheit, um es auf die Tagesordnung zu bringen, wurde im Magistrat nicht erreicht. „Aus diesem Grund und einer frühzeitigen Einbindung der Stadtverordnetenversammlung habe ich mich dazu entschieden, diesen Antrag als Bürgermeister an die Stadtverordneten weiterzuleiten“, teilt Stadler mit. Ein Aufstellungsbeschluss für ein Gewerbegebiet als Angebotsbebauungsplan sei für eine Kommune die beste Möglichkeit, im Bauleitplanverfahren Einflussmöglichkeiten wahrzunehmen, meint der Bürgermeister. In diesem Verfahren können etwa Baugrenzen und Höhenangaben durch die Stadtverordnetenversammlung begrenzt werden. „Und genau für diese inhaltliche Gestaltung ist ein solches Verfahren gemacht und gedacht. Es somit als Blankoscheck zu bezeichnen, ist falsch“, hebt Stadler hervor.

In Absprache mit Aumovio soll der Aufstellungsbeschluss aber nicht in den politischen Gremien verhandelt werden, wenn es zu „schwierigen Diskussionen“ kommen könnte, sagt Stadler auf Nachfrage. Thema werden der B-Plan-Antrag und eventuelle Änderungen zunächst in der Magistratssitzung am kommenden Montag. Je nachdem, wie dieser entscheidet, bleibt der Antrag auf der Agenda der Stadtverordnetenversammlung oder wird in die Ausschüsse geschoben.

Zurückhaltung bei Aumovio

Auf Anfrage teilt Aumovio mit, dass das Unternehmen in den vergangenen Wochen im Austausch mit den politischen Fraktionen sowie weiteren kommunalen Entscheidungsträgern stand. Mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans soll die Grundlage „für eine weitere nachhaltige und zukunftsfähige Nutzung eines nicht mehr benötigten Teils des Betriebsgeländes“ geschaffen werden und „zur Weiterentwicklung des Areals zu einem Gewerbestandort beitragen“. Der weitere Zeitplan würde sich nach den kommunalen Planungs- und Genehmigungsverfahren richten. „Aumovio wird den Prozess weiterhin konstruktiv begleiten“, heißt es. Zugleich bittet es um Verständnis, dass es sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu möglichen Interessenten sowie zu deren Branchenzugehörigkeit äußern möchte. (Norman Körtge)