Neuer Hofladen in der Grenzregion Warum Saarländer für Käse, Wurst und Wein jetzt nach Saargemünd fahren
Saargemünd · Zwei Erzeuger haben in Saargemünd einen 400 Quadratmeter großen Hofladen eröffnet. Verkauft werden Käse, Wurst, Brot, Wein und weitere Spezialitäten. Wir haben uns vor Ort umgeschaut. Lohnt sich ein Besuch?
24.08.2026 , 13:53 Uhr
Bei "Gut & Bon" folgen Jean Lukatschewitsch (links) und Romaric Ortiss der Saison – und die ist für die lothringischen Mirabellen schon bald wieder vorbei.
Foto: Silvia Buss
Wer gern zum Einkaufen auf Bauern- und Genussmärkte ins benachbarte Lothringen fährt, der wird auch bei "Gut & Bon" am Rande von Saargemünd glücklich.
Regionaler Hofladen in Saargemünd: Lothringer Produkte direkt aus der Grenzregion
Dort haben Romaric Ortis und Jean Lukatschewitsch im November einen Laden mit 400 Quadratmetern Fläche eröffnet, in dem sie Lebensmittel vornehmlich von Erzeugern aus der Region anbieten, die sie persönlich kennen.
„Die Idee war, möglichst nah dran zu bleiben, lokale Erzeuger zu stärken“, sagt Ortis, selbst Imker und Safranbauer in Guinglange (bei Faulquemont). Nur was die beiden hier in der Nähe nicht finden, beziehen sie aus anderen Regionen Frankreichs. Man habe jetzt zu 75 Prozent Produkte aus Lothringen und Elsass und zu 100 Prozent Erzeugnisse „Made in France“, sagt sein Geschäftspartner Lukatschewitsch.
Direktvermarktung aus Lothringen und Elsass: Einkaufen nahe der Saarland-Grenze
Auch er ist selbst Erzeuger. Auf der „Ferme de la Rose“ seiner Familie in Albestroff, rund 30 Kilometer südlich von Saargemünd, hält er 300 Schweine auf Vollstroh und produziert Fleisch- und Wurstwaren direkt auf dem Hof, während seine Mutter Frédérique dort Kuhmilch zu Käse verarbeitet.
Ortis und Lukatschewitsch machen beide schon länger Direktvermarktung und kennen sich durch die Eltern. „Jetzt haben wir all unser Wissen und unsere Visionen zusammengetan, um dieses Projekt auf die Beine zu stellen, weil es in Saargemünd bisher nichts Vergleichbares gab“, sagt Ortis.
Bilderstrecke zuletzt aktualisiert:
07.07.2025
Das Sortiment an Lebensmitteln ist umfassend, reicht von saisonalem Obst und Gemüse über Backwaren, Milchprodukte wie Joghurt, Käse und Eis bis hin zu Fleisch- und Wurstwaren, Fleischterrinen, Senf, Öle, Konfitüren, Honige, Mehl und Nudeln direkt von der Mühle sowie Craft-Beer, Wein und Spirituosen.
Handwerkliche Lebensmittel aus Frankreich: Wein, Käse und Wurst aus der Grenzregion
Was all diese Produkte von denen aus dem Supermarkt unterscheidet, ist die traditionelle handwerkliche Herstellung, wozu etwa artgerechte Tierhaltung gehört. Ein Teil ist Bio-Qualität. Bei einem Rundgang machen die beiden Inhaber, die neben einem Geschäftsführer vierzehn weitere Leute beschäftigen, auf Besonderheiten aufmerksam.
Beim Weinsortiment etwa gilt das Motto „klein, aber fein“. Der Wein der „Domaine Vicus“ kommt von einem Jungwinzer aus Vic-sur-Seille, der Champagner aus einem kleinen Haus aus Reims. Bei Obstbränden setzt man auf die Traditionsbrennerei Hepp im elsässischen Uberach. Gleich daneben bietet sich ein Kirschlikör zur vielseitigen Verwendung an, ein Rhabarber-Schaumwein gilt als Hit.
Lothringer Wein und elsässische Obstbrände
Statt aus Asien oder Australien stammen handwerklich produzierte Superfood-Spirulina-Algen aus der Nähe von Sarrebourg. Für eine Fischsuppe aus Süßwasserfischen kooperiert Gut & Bon mit einer Behindertenwerkstatt.
An der zwölf Meter langen Metzgerei-Theke erhält man nicht allein Schweinefleisch von Lukatschewitschs eigenem Hof, sondern auch zugeliefertes regionales Geflügel, Lamm und Rind. Drei Metzger produzieren im Laden, unter anderem Rollbraten, Burgerpatties, Würste wie den Fuseau lorrain oder Grillwürste mit Bärlauch. Mittags werden im Restaurant mit 40 Plätzen ein Plat du jour und eine kleine Karte geboten. Der Espresso dazu stammt aus einer Rösterei in Metz.
Einkaufen und Essen in Saargemünd: Lothringer Feinkost mit Restaurant direkt an der Grenze
An der Käsetheke hat man stets 50 Sorten zur Auswahl, darunter den seltenen, kräftigen Maroilles aus Nordfrankreich und diverse Rohmilch-Bergkäse, die „Tommes“, mal mit Trüffel, mal aus Büffelmilch. Die kommt hier nicht aus Italien, sondern aus dem Elsass, wo auch Büffel-Mozzarella und -Camembert entstehen, die für eilige Kunden mit Entenbrust in Selbstbedienungskühlschränken bereitliegen.
Auch die Brottheke, die der vielfach prämierte Bäcker Jean-Christophe Ziehl aus Puttelange-aux-Lacs beliefert, bietet Snacks wie Pizza, Quiche, Sandwich oder Dessert zum Mitnehmen. Denn auch in Frankreich haben nicht mehr alle für die Mittagspause zwei Stunden Zeit – erst recht nicht im Gewerbegebiet. „Wir brauchten die große Ladenfläche und dazu rund 30 Parkplätze, das findet man in der Stadtmitte eher nicht“, erklärt Lukatschewitsch die Standortwahl.
Der Laden liegt östlich des Zentrums, gegenüber von Aldi und der VW-Niederlassung, nahe der D 662. Sie seien leicht zu erreichen, auch für die Saarländer unter ihren Stammkunden. (lwg/sm)
Gut & Bon, 2 Rue des Frères Rémy, 57200 Saargemünd, geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 17.30 Uhr, 2 Rue des Frères Rémy. 57200 Saargemünd