Vorwurf der Demokratiefeindlichkeit: Münchner Luxushotel schmeisst libertäre Organisation raus
Das deutsche Ludwig-von-Mises-Institut darf künftig nicht mehr im «Bayerischen Hof» tagen. Das Hotel stehe «für die Grundwerte einer freiheitlichen Gesellschaft» ein. Es hält die Zusammenarbeit deshalb nicht mehr für vertretbar.
24.08.2026, 13.53 Uhr
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Das Luxushotel Bayerischer Hof ist Austragungsort der Münchner Sicherheitskonferenz.
Liesa Johannssen / Reuters
Das Luxushotel Bayerischer Hof im Herzen der Münchner Innenstadt ist eine Institution. Seit der Eröffnung des Hauses 1841 schlafen hier Staatschefs und Monarchen, jährlich findet in den Hallen auch die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Einer libertären Organisation bleibt künftig jedoch der Eintritt verwehrt.
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Dreizehn Jahre lang hat das Ludwig-von-Mises-Institut Deutschland (MID) im «Bayerischen Hof» seine Jahreskonferenzen ausgetragen. Jetzt kündigt das Hotel dem Institut das Gastrecht aufgrund politischer Bedenken.
Grundwerte der demokratischen Gesellschaft in Gefahr?
Hintergrund ist eine Recherche der Münchner «Abendzeitung»: Sie sieht im MID ein «Netzwerk aus Reichen, Ökonomen und Publizisten», das «die Demokratie infrage» stelle. So verbreite das Institut die Schriften einer Denkschule, die den Staat im Kern abschaffen wolle.
Die «Abendzeitung» konfrontierte das Luxushotel mit der Recherche. Daraufhin reagierte der «Bayerische Hof» mit einer Erklärung: Das Hotel habe seine Geschäftsbeziehung zum MID «erneut und umfassend» geprüft. Das Haus stehe «für Weltoffenheit, Toleranz, Vielfalt sowie die Grundwerte einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft». Die «Vielzahl der inzwischen dokumentierten öffentlichen Äusserungen» von Repräsentanten des Vereins lasse eine Fortsetzung der Zusammenarbeit «nicht mehr vertretbar erscheinen».
Einmal soll das MID aber noch tagen dürfen: Für die nächste Jahreskonferenz des Instituts am 17. Oktober bestehe bereits ein geschlossener Vertrag, den das Hotel einhalten werde. Das sei «ausdrücklich nicht als inhaltliche Zustimmung» zu werten, schreibt der «Bayerische Hof».
Ankämpfen gegen den voranschreitenden Staat

Der Vordenker Ludwig von Mises.
PD
Das MID wurde 2012 gegründet. Es bezieht sich auf Ludwig von Mises, einen der bedeutendsten Ökonomen und Sozialphilosophen des 20. Jahrhunderts und Vertreter der Österreichischen Schule. Mises war ein Verfechter der freien Marktwirtschaft und der Freiheit. Er trat für einen Minimalstaat ein: Alles, was über den Schutz des Einzelnen vor Übergriffen anderer und die Erhaltung des Privateigentums hinausgehe, sei privatwirtschaftlich zu organisieren. Staatliche Einmischung in das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben wies er als kontraproduktiv zurück.
In dem «Verbreiten der liberal-libertären Lehren» sieht das MID den Versuch, gegen das «voranschreitende Ausweiten des Staates» anzukämpfen. Es veranstaltet regelmässig Vorträge und Konferenzen, wie jene im «Bayerischen Hof». Auf einem Blog postet das MID Texte und Podcasts zu unterschiedlichen Themen, etwa zu den Zentralbanken, der künstlichen Intelligenz oder dem Transhumanismus.
Regelmässig thematisiert das MID auch Autoren, die sich auf die Schriften von Ludwig von Mises beziehen – und daraus radikalere Schlüsse ziehen. So bekennen sich die beiden Mises-Schüler Murray Rothbard und Hans-Hermann Hoppe zum Anarcho-Kapitalismus. In dieser Gesellschaftsordnung organisieren sich Individuen über freiwillige Übereinkünfte und privatrechtliche Verträge. Die Existenz eines Staates lehnen sie ab, da dieser mit Steuern und einer impliziten Gewaltandrohung gegen das «Nichtaggressionsprinzip» verstosse: Am Ende jedes staatlichen Anspruchs stehe ein Gewaltmonopolist, der mit Zwang die Selbstbestimmung eines Individuums einschränken könne.

Der Präsident Thorsten Polleit.
PD
Zudem verleiht das MID einen Gedächtnispreis zu Ehren seines Vordenkers. Im vergangenen Jahr ging dieser an den argentinischen Präsidenten Javier Milei. Manche Mitglieder, unter anderem der Anarcho-Kapitalist Hoppe, kritisierten das – weil Milei ihnen nicht libertär genug ist.
In der Politik stösst das MID bei AfD-Politikern auf Interesse. So veranstaltete im vergangenen Jahr deren Fraktion im Bayerischen Landtag eine Podiumsdiskussion zum Staatsabbau von Javier Milei und Elon Musk, an der auch der MID-Präsident Thorsten Polleit teilnahm. Laut Informationen der «Abendzeitung» soll Polleit im Juni zu einem Vortrag bei der bundesweiten AfD-Fraktion eingeladen worden sein.
Lokalpolitiker fordern Überprüfung durch Verfassungsschutz
In der Münchner Lokalpolitik hat der Vorfall um das Luxushotel für Aufregung gesorgt. Der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen begrüsst den Entschluss des «Bayerischen Hofs». Es sei «besorgniserregend», dass sich solches Gedankengut in München breitmache. Zudem sagt Krause: «Der Staat darf auch nicht untätig bleiben.»
Konkreter äussert sich der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. Der Verfassungsschutz müsse das MID jetzt überprüfen: «Es ist eine Schande, welche antidemokratischen und antisozialen Umtriebe in Bayern stattfinden, ohne dass Verfassungsschutz und Söder-Regierung dagegen etwas unternehmen.»
Das Landesamt München teilte der «Abendzeitung» mit, das MID sei derzeit kein Beobachtungsobjekt. Zumindest vorerst bleibt das Institut rechtlich gesehen ein gemeinnütziger Verein – womit Spenden an die Organisation von den Steuern absetzbar sind.
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