Neues Kanonenfutter für Putin: Russland plant nächsten Nordkorea-Schachzug – Selenskyj schlägt Alarm
Stand: 27.07.2026, 13:19 Uhr
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Nordkorea will Russland erneut Zehntausende Soldaten schicken. Kiew warnt, dass Pjöngjang im Ukraine-Krieg auch für eigene Ziele lernt.
Kiew – Nordkorea entsandte bereits vor zwei Jahren erstmals über 10.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands in den Ukraine-Krieg. Nach Angaben ukrainischer Geheimdienste will Pjöngjang nun weitere Truppen senden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Samstag (25. Juli) in seiner abendlichen Videoansprache mit: „Wir beobachten auch Russlands Zusammenarbeit mit Nordkorea. Russland will weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten ins Land holen.“ Die Vorbereitungen für deren Aufnahme würden in der russischen Region Woronesch bereits seit Juni laufen, so der ukrainische Präsident weiter.

„Russland unterstützt Nordkorea dabei, Kriegsführung zu erlernen, seine Waffensysteme zu verbessern und Kampferfahrung zu sammeln“, so Selenskyj weiter. „Dies ist nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine“, betonte der ukrainische Präsident. „All das ist eine Bedrohung für alle Menschen in Asien, die sich in Reichweite nordkoreanischer Raketen befinden.“
Berichten zufolge setzte Russland die nordkoreanischen Soldaten bislang vor allem in besonders verlustreichen Einsätzen ein. So schätzte die britische Regierung, dass es unter den im Dezember 2024 an die Front in Kursk entsandten 11.000 Nordkoreanern bis Mitte Januar bereits 4000 Verluste gab. Innerhalb nur weniger Wochen wurde ein Drittel demnach verletzt oder getötet.
222.500 Verluste in sieben Monaten: Moskau kann Personalausfall kaum noch ersetzen
Russland hatte von Januar bis Juli dieses Jahres bereits 222.500 Verluste, darunter 131.000 Tote, und rekrutierte im selben Zeitraum lediglich rund 221.000 Soldaten, wie es aus ukrainischen Quellen hieß. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren. Für den Herbst habe der russische Präsident Wladimir Putin demnach eine umfangreiche Welle von Zwangsrekrutierungen geplant, hieß es von Selenskyj weiter.
Wie die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) analysierte, machen die nordkoreanischen Soldaten nur einen geringen Unterschied für den Kriegsverlauf. Sie könnten demnach „einen Teil der russischen Offensivkräfte an der Frontlinie freisetzen, aber Russland bei den derzeitigen Verlustraten nicht mehr als einen Monat an Personal zur Verfügung stellen“, hieß es in der Analyse.
Hohe Verlustraten zehren Truppen aus Nordkorea laut Experten rasch auf
Nach Einschätzung des Institute for the Study of War bereitet Moskau seit mindestens Oktober 2025 gestaffelte Teilmobilisierungen vor. So weitete Russland etwa den Kreis der Straftäter aus, die an die Front eingezogen werden können. Zudem traf der Kreml Vorkehrungen, die etwaige Proteste gegen die Mobilisierung unterdrücken sollen. Die ISW-Experten gehen davon aus, dass Putin bis nach den russischen Parlamentswahlen im September wartet, um die Mobilisierungswelle anzukündigen.
Die Zustimmungswerte des Kremlchefs lagen laut dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Lewada im Juni 2026 bei 74 Prozent. Das entspricht einem Rückgang um 13 Prozentpunkte seit August 2025. Die Ablehnung war laut Lewada besonders hoch bei jungen und weniger wohlhabenden Menschen. Freie Wahlen oder echte Alternativen zu Putins Partei „Einiges Russland“ gibt es aus Sicht von Experten bei der anstehenden Parlamentswahl nicht. Lediglich „gefügige Oppositionsfraktionen“, wie es von Freedom House in einer Analyse heißt. (Quellen: ukrainische Regierung, britische Regierung, ISW, Lewada, Freedom House) (bme)