Stand: 27.07.2026, 13:18 Uhr
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Rund 3,4 Millionen Selbstständige in Deutschland zahlen keine gesetzliche Rentenversicherung. Was das im Alter bedeutet und welche Alternativen es gibt, bevor es zu spät ist.
Selbstständigkeit bedeutet Freiheit. Keine festen Arbeitszeiten, kein Chef, kein Gehalt, das andere festlegen. Und keine Rentenversicherung, die automatisch abgezogen wird. Was sich nach Freiheit anfühlt, hat einen Preis. Einen, der erst Jahrzehnte später sichtbar wird.
Content-Partnerschaft:
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Fortunalista entstanden. Fortunalista ist eine Plattform für Finanzbildung, die Frauen dabei unterstützt, ihre Finanzen selbstbestimmt zu gestalten. Mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen rund um Geld zeigt Fortunalista, wie Frauen mit dem Investment Code ihren Weg in die finanzielle Unabhängigkeit finden.
Wer als Angestellte arbeitet, zahlt automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Hälfte Arbeitnehmer, Hälfte Arbeitgeber. Was am Ende des Monats als Netto ankommt, hat bereits Rentenvorsorge eingebaut. Wer selbstständig ist, hat diesen Automatismus nicht. Was nicht aktiv entschieden und eingerichtet wird, passiert nicht.
„Selbstständige Frauen sind die am häufigsten unterversicherte Gruppe in Deutschland“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Nicht weil sie nicht vorsorgen wollen. Sondern weil der Alltag es verdrängt und niemand sie daran erinnert.“
Was ohne Altersvorsorge im Alter passiert
Wer dreißig Jahre selbstständig war und keine Altersvorsorge aufgebaut hat, hat im Alter drei Optionen.
Erstens: Weiterarbeiten. Was für manche Selbstständige eine bewusste Wahl ist, ist für andere eine Notwendigkeit.
Zweitens: Grundsicherung im Alter. Wer keine ausreichenden Rentenansprüche hat und das Vermögen aufgebraucht ist, hat Anspruch auf staatliche Grundsicherung. Diese liegt aktuell bei rund 800 bis 900 Euro monatlich, je nach Bundesland und individueller Situation.
Drittens: Auf Ersparnisse oder Vermögen zurückgreifen. Was über das Erwerbsleben angesammelt wurde, muss im Alter für den Lebensunterhalt reichen.
Was alle drei Optionen gemeinsam haben: Sie sind nicht das, was die meisten Frauen sich für das Alter vorstellen.
Welche Selbstständigen pflichtversichert sind
Nicht alle Selbstständigen sind automatisch von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit. Einige Gruppen sind pflichtversichert.
Handwerkerinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Hebammen, Künstlerinnen und Publizistinnen über die Künstlersozialversicherung sowie bestimmte weitere Berufsgruppen zahlen Pflichtbeiträge. Wer nicht sicher ist, ob die eigene Tätigkeit unter die Pflichtversicherung fällt, sollte das bei der Deutschen Rentenversicherung prüfen.
Wer nicht pflichtversichert ist, muss selbst handeln.
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Was die Optionen für Selbstständige sind
Es gibt mehrere Wege, als Selbstständige für das Alter vorzusorgen. Keiner ist perfekt. Alle sind besser als nichts.
Option 1: Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung.
Wer nicht pflichtversichert ist, kann freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Mindestbeitrag liegt bei rund 112 Euro monatlich, der Höchstbeitrag bei rund 1.465 Euro monatlich.
Was dabei entsteht: echte Rentenansprüche, staatlich garantiert, lebenslang ausgezahlt. Was einmal eingezahlt wurde, kann nicht verloren gehen.
Was dabei beachtet werden sollte: Die Rendite ist verlässlich, aber nicht spektakulär. Wer jung ist und noch viele Jahre hat, erzielt mit einem ETF-Depot historisch eine höhere Rendite. Wer kurz vor der Rente steht und schnell Ansprüche aufbauen möchte, profitiert stärker von freiwilligen Beiträgen.
Option 2: Das ETF-Depot.
Ein monatlicher ETF-Sparplan ist für Selbstständige das flexibelste Instrument. Keine festen Beiträge, keine Laufzeit, kein Vertrag. Wer im laufenden Monat weniger verdient, kann den Betrag anpassen oder aussetzen. Wer mehr verdient, investiert mehr.
Was ein ETF-Depot leistet: langfristiger Vermögensaufbau mit historisch hoher Rendite. Was es nicht leistet: lebenslange Auszahlung wie eine Rente. Das Depot muss im Alter klug entnommen werden.
Option 3: Die Rürup-Rente.
Die Rürup-Rente, offiziell Basisrente genannt, ist speziell für Selbstständige konzipiert. Was dabei einzahlt wird, kann als Sonderausgabe von der Steuer abgezogen werden. Der Steuervorteil ist erheblich.
Was dabei zu beachten ist: Die Rürup-Rente ist nicht flexibel. Das eingezahlte Kapital ist bis zur Rente gebunden und kann nicht ausgezahlt werden. Wer in jungen Jahren einzahlt und das Geld irgendwann braucht, hat keinen Zugriff.
Für Selbstständige mit hohem Einkommen und damit hoher Steuerlast ist der Steuervorteil der Rürup-Rente besonders attraktiv.
Option 4: Immobilien.
Wer eine schuldenfreie Immobilie besitzt und darin wohnt, spart im Alter die Miete. Was wie passive Vorsorge wirkt, hat aber erhebliche Kosten: Kaufnebenkosten, Instandhaltung, gebundenes Kapital ohne Liquidität.
Als einzige Altersvorsorge ist eine Immobilie zu wenig. Als Ergänzung kann sie sinnvoll sein.
Was die häufigsten Fehler sind
Alles auf das Geschäft setzen. Viele Selbstständige planen, ihr Unternehmen irgendwann zu verkaufen und davon zu leben. Was als Plan klingt, ist ein Risiko. Nicht jedes Unternehmen lässt sich verkaufen. Nicht jeder Verkauf erzielt den erhofften Preis. Wer keine Alternative hat, steht im schlechtesten Fall ohne alles da.
Vorsorge immer wieder verschieben. In Jahren mit wenig Umsatz fühlt sich Altersvorsorge wie ein Luxus an. Was dabei passiert: Jahr für Jahr weniger Kapital und weniger Zeit für den Zinseszins.
Zu wenig diversifizieren. Wer alles in eine Option steckt, trägt ein Klumpenrisiko. Sinnvoll ist eine Kombination: ETF-Depot für Flexibilität und Rendite, ergänzt durch freiwillige Rentenbeiträge oder Rürup für staatlich garantierte Grundabsicherung.
Was konkret zu tun ist
Wer selbstständig ist und die Altersvorsorge noch nicht oder kaum angegangen hat, beginnt mit drei Schritten.
- Die eigene Situation einschätzen: Wie viele Jahre sind es bis zur Rente? Was ist aktuell an Vorsorge vorhanden? Was fehlt?
- Die monatliche Sparrate festlegen: Was kann monatlich ohne Stress zurückgelegt werden? Selbstständige mit schwankendem Einkommen sollten einen Prozentsatz des Umsatzes wählen statt einen festen Betrag. 10 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens sind ein sinnvoller Ausgangspunkt.
- Die Instrumente wählen und einrichten: ETF-Depot als Basisinstrument, ergänzt durch freiwillige Rentenbeiträge oder Rürup je nach Situation und Steuerklasse.
„Für Selbstständige ist Altersvorsorge keine Selbstverständlichkeit. Sie ist eine aktive Entscheidung, die immer wieder getroffen werden muss“, betont Margarethe Honisch. „Wer sie trifft, hat im Alter Optionen. Wer sie nicht trifft, auch. Aber andere.“
Fazit
Selbstständigkeit ohne Altersvorsorge ist ein Plan. Nur kein guter.
Was im Alter ankommt, ist das Ergebnis von Entscheidungen, die heute getroffen werden. Wer als Selbstständige früh anfängt, breit aufstellt und regelmäßig investiert, kann auch ohne Pflichtbeitrag eine solide Altersvorsorge aufbauen.
Es braucht nur einen Anfang. Und den gibt es heute.