Meinung: News des Tages: Drohne am Leipziger Flughafen, Wahl-O-Mat für Sachsen-Anhalt, Sommerhit 2026

06.08.2026, 18.03 Uhr

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Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.

1. Hochexplosiv

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Sachsens Innenminister Schuster (bei der Pressekonferenz am Leipziger Flughafen am 5. August)

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Sachsens Innenminister Schuster (bei der Pressekonferenz am Leipziger Flughafen am 5. August)

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Noch immer ist vieles unklar beim Drohnenfund von Leipzig. Fest steht: Um 23.42 Uhr am Dienstag entdeckte ein Busfahrer am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer verdächtigen Masse, die sich später als Sprengstoff herausstellte. Wer hat die Drohne gesteuert? Was war ihr Ziel? Stecken Kriminelle dahinter – oder eine ausländische Streitkraft?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt äußerte vorerst keine Spekulationen über den möglichen Auftraggeber, auch wenn ein erster Verdacht naheliegend scheint: Russland. Schließlich parken auf dem Flughafen in Leipzig ukrainische Flugzeuge mit Kriegsmaterial. Doch die Erinnerungen an den Nord-Stream-Angriff sind noch präsent. Damals ging man sofort davon aus, dass das Kommando aus dem Kreml kam – stattdessen war es ein ukrainisches Geheimkommando, das die Gaspipeline sprengte.

Dennoch fordern deutsche Politiker mehr Klarheit vom Bundesinnenminister. Meine Kollegen Christoph Schult, Timo Lehmann und Marcel Rosenbach haben Reaktionen aus der Politik zusammengetragen.

2. Wahl-O-Start

Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026

Drei Bundesländer wählen im Herbst ihren Landtag, Berlin das Abgeordnetenhaus. Den Anfang macht Sachsen-Anhalt am 6. September, also in genau einem Monat. In dem ostdeutschen Bundesland könnte die AfD erstmals die absolute Mehrheit holen, andere Parteien müssen hingegen um den Einzug ins Landesparlament bangen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat heute den Wahl-O-Mat für Sachsen-Anhalt veröffentlicht, den sie jetzt auch auf SPIEGEL.de finden können.

In 38 Thesen führt der Wahl-O-Mat Sie durch die wichtigsten Standpunkte der Wahlprogramme der großen (und kleinen) Parteien. Ich habe es ausprobiert! Das Ergebnis bleibt an dieser Stelle jedoch mein Geheimnis. Ich wohne aber auch nicht in Sachsen-Anhalt, sondern in Kenia.

3. (Nicht) Gut genug

Shakira und Burna Boy singen »Dai Dai« während der Halbzeitshow des WM-Finales (19. Juli)

Shakira und Burna Boy singen »Dai Dai« während der Halbzeitshow des WM-Finales (19. Juli)

Foto: Maddie Meyer / FIFA / Getty Images

Ich muss mich an dieser Stelle outen: Als nicht fußballaffine Person habe ich den WM-Titelsong von Shakira und Burna Boy gerade zum ersten Mal gehört. Schließlich wurde »Dai Dai« heute offiziell zum Sommerhit des Jahres 2026 gekürt, seit fünf Wochen steht der Song an der Spitze der deutschen Charts. Zu meiner Ehrenrettung möchte ich sagen: Den ärgsten Rivalen »Gut Genug« von Kitschkrieg, Blumengarten und Shirin David kenne ich.

Die kolumbianische Sängerin Shakira und der nigerianische Rapper Burna Boy hatten ihren Song vier Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft veröffentlicht. »Dai Dai« ist italienisch und bedeutet: »Los geht’s!« Der Song biete eine Mischung aus Afrobeats, Dance-Pop und Reggaeton sowie einer energiegeladenen Tanzchoreografie, die auf Social Media unzählige Nachahmer finde, hieß es in der Begründung des Marktforschungsinstituts GfK Entertainment.

Wer den Song – anders als ich, die stets am Puls der Zeit ist – noch nicht gehört hat: Dai Dai!

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Fußball-WM-Song »Dai Dai« ist der offizielle Sommerhit des Jahres

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Attentäter von München zu lebenslanger Haft verurteilt: Er lenkte in München seinen Pkw in eine Ver.di-Demo, eine Frau und ihre Tochter starben. Nun ist Farhad N. zur Höchststrafe verurteilt worden. Das Oberlandesgericht hat eine besondere Schwere der Schuld festgestellt.

  • Immobilien in Deutschland laut Kieler Forschern wieder günstiger: Die eigene Immobilie ist für viele Deutsche der wichtigste Baustein der Altersvorsorge. Berücksichtigt man Inflation und Kaufkraft, sind Wohnimmobilien laut einer Studie heute aber weniger wert als vor einem Jahr.

  • Eine Frau fischt Müll aus dem Reflecting Pool, dann klicken die Handschellen: Der Besuch eines Wahrzeichens in Washington, D.C., endete für Sophie Dennison-Gibby mit einer »öffentlichen Demütigung«. In einem Interview berichtet sie von einer haltlosen Festnahme – und nachhaltiger Verunsicherung.

  • Cambridge-Professor tritt nach Plagiatsvorwürfen zurück: Jason Arday war der jüngste schwarze Professor der Uni. Nach Plagiatsvorwürfen legt er sein Amt nieder. Neben seiner Dissertation stehen inzwischen auch Aussagen zu seiner Biografie in der Kritik.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Ai Xi stöhnt fürs Festland

Pornodarstellerin Ai Xi mit Szenepartner Shiba in Miaoli

Pornodarstellerin Ai Xi mit Szenepartner Shiba in Miaoli

An Rong Xu / DER SPIEGEL

Geopolitik und Pornografie haben Ihrer Meinung nach nichts miteinander zu tun? Dann empfehle ich Ihnen den Text meines Kollegen Cornelius Dieckmann über Taiwans Pornoindustrie. Denn statt für den relativ kleinen heimischen Markt stöhnen Taiwans Sexdarsteller für Konsumenten in der Volksrepublik China. Es gibt Statistiken, denen zufolge Nutzer aus der Volksrepublik über ein Viertel des globalen Pornokonsums ausmachen. Doch in China sind Produktion und Verbreitung verboten. In Taiwan, dessen Unabhängigkeit die Volksrepublik nicht anerkennt, geht beides hingegen problemlos. Also stöhnen Pornodarstellerinnen wie Ai Xi, die Cornelius getroffen hat, fürs Festland.

»Seit ihrer Gründung 1949 ist die Volksrepublik China ein Staat, dem Sexualität nicht geheuer ist. Geschlechtsverkehr zum Spaß? Dekadent, konterrevolutionär, bourgeois«, schreibt er. Natürlich lernt man in seinem Text nicht nur etwas über die Vorlieben der chinesischen Pornokonsumenten. Wie heißt es in einer bekannten Redewendung: »Alles auf der Welt dreht sich um Sex, nur nicht der Sex. Der dreht sich um Macht.«

  • Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Ai Xi stöhnt fürs Festland 

Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Neilson Barnard / MG26 / The Met Museum / Vogue / Getty Images

Mini-Hohlspiegel

Von der Website der »Badischen Zeitung«

Von der Website der »Badischen Zeitung«

»Opa war in der NSDAP«: »Okay, gießen oder nicht gießen?« Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

»Opa war in der NSDAP«: »Okay, gießen oder nicht gießen?«

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Und heute Abend?

Als Afrika-Korrespondentin stehe ich täglich vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Ich soll einen Kontinent mit 54 Ländern, auf dem rund 1,6 Milliarden Menschen leben, die über 1500 verschiedene Sprachen sprechen, so gut kennen, dass ich ihn erklären kann. Manchmal scheint es mir, als würde meiner Arbeit das Scheitern innewohnen. Zum Glück gibt es »The Continent« , eine Wochenzeitung, gemacht von afrikanischen Journalistinnen und Journalisten für afrikanische Leserinnen und Leser. Und für alle anderen.

Die Zeitung ist kostenlos und kann via WhatsApp abonniert werden, dann kommt sie jeden Samstag in den eigenen Posteingang. Getragen wird das Projekt von einer südafrikanischen NGO. Mal geht es um den Einfluss Ruandas in der Demokratischen Republik Kongo, mal um die Folterkeller der togolesischen Regierung oder Südafrikas Fremdenfeindlichkeit. Immer sind die Geschichten gut recherchiert und spannend geschrieben. So eröffnet die Zeitung ihren Lesern vielleicht keine neue Welt, aber zumindest einen ganzen Kontinent.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihre Muriel Kalisch, Nairobi