Stand: 14.07.2026, 19:04 Uhr
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Durch den sinkenden Pegel im Sylvensteinspeicher entstehen abgeschnittene Senken, in denen Fische verenden. Ehrenamtliche setzen die Tiere mit Kescher und Elektrogerät in tiefere Bereiche um.
Lenggries – Der niedrige Seespiegel im Sylvensteinspeicher (wir berichteten) hat nicht nur Auswirkungen auf das Wasser in der Isar. Er führt derzeit zu einer akuten Bedrohung für die im See lebenden Fische. Durch den anhaltenden Wassermangel entstehen sogenannte Fischfallen — flache Senken, die beim Absinken des Wasserspiegels vom Hauptbecken abgeschnitten werden und „schnell zur Todesfalle für Jungfische werden“, warnt der Lenggrieser Fischereiverein in einer Pressemitteilung.

Fischereiverein arbeitet unter Hochdruck
Der Verein steht aktuell unter Hochdruck: „Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder müssen gezielt diese abgeschnittenen Bereiche abfischen, um noch überlebensfähige Fische zu retten. Ohne Durchströmung und Austausch mit dem Hauptbecken verschlechtern sich die Bedingungen rasch: Temperaturanstieg sowie steigende Konzentrationen von Schadstoffen und Ammoniak setzen den Tieren zu“, erklärt der Fischereiverein. Mit Kescher und Elektrogerät wurden bislang mehrere solcher Becken leergefischt. „Wir versuchen, die letzten lebenden Fische so schnell wie möglich in tiefere, stabile Bereiche umzusetzen“, sagt Vorstand Michael März. Die Arbeit ist mühselig: Einige Senken sind schwer zugänglich, das Wasser ist trüb und wird schnell warm – jede Minute zählt, um Verluste zu minimieren. Gefangene Fische werden vorsichtig in Eimern oder Transportbehältern in ausreichend tiefe Zonen des Sees gebracht.
Anpassungen in der Gewässerbewirtschaftung und Berücksichtigung des Klimawandels
Ein wiederkehrender niedriger Wasserstand könnte auch langfristig negative Folgen für die Fischpopulationen und andere Seebewohner haben. Besonders Jungfische und laichbereite Bestände seien gefährdet. Wenn Laichplätze trockenfallen oder sich die Fortpflanzungszyklen verschieben, drohen Bestandsrückgänge, die sich über Jahre auswirken können. „Zudem verschlechtert sich die Nahrungssituation, wenn Kleintierlebensräume austrocknen“, so die Pressemitteilung. Daher fordern Fachleute Anpassungen in der Gewässerbewirtschaftung, Renaturierungsmaßnahmen an Zuflüssen und eine stärkere Berücksichtigung des Klimawandels bei der Planung. Der Verein „Rettet die Isar jetzt“ fordert unter anderem seit Jahren mehr Wasser für die obere Isar und eine verringerte Ableitung in den Walchensee. Dadurch würde auch mehr Wasser im Sylvensteinsee ankommen.
Hohe Temperaturen der Isar setzen Fische unter Stress
Im Zuständigkeitsbereich des Bezirksfischereivereins Bad Tölz ist es noch nicht so dramatisch wie am Sylvenstein. „Man sieht aber, dass die Bäche von Tag zu Tag weniger Wasser haben. Wir bräuchten einfach dringend Regen“, sagt Vereinsvorsitzender Florian Herzinger. In der Isar steigen zudem die Temperaturen. Mittags habe er auf Höhe des „Jailhouse“ 19 Grad, auf Höhe des Isarstegs sogar 20 Grad gemessen, sagt Herzinger. „Das setzt die Fische unter Stress.“ Damit der nicht noch größer wird, hat er einen dringenden Appell an alle Bootsfahrer: Bitte nicht ins Wasser springen – vor allem nicht an den tieferen, kühleren Stellen, die als letzte Rückzugsorte verblieben sind. „Wir wollen natürlich keinem das Baden verbieten“, betont Herzinger. Aber ein wenig Rücksichtnahme auf die Flussbewohner wäre begrüßenswert.