Norwegen will nicht von seinen Plänen für eine Öl- und Gasförderung in der arktischen Barentssee abrücken. Damit geht das Land auf Konfrontationskurs zur EU.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters,
bda
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AFP
Aktualisiert am 24. August 2026, 19:18 Uhr
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66 KommentareNorwegen will ungeachtet der Haltung der EU an seinen Plänen für eine Öl- und Gasförderung in der arktischen Barentssee festhalten. Sein Land werde diese Gebiete erschließen, teilte Energieminister Terje Aasland der Nachrichtenagentur Reuters mit. Dann sei es an der EU, zu entscheiden, ob sie ein Moratorium für den Kauf dieses Gases oder Öls verhängen wolle. Angesichts der geopolitischen Sicherheitslage und der Ressourcenknappheit diene eine fortgesetzte Aktivität in der Barentssee sowohl norwegischen als auch europäischen Interessen.
Die EU befürwortet aus Umweltschutzgründen eigentlich ein Verbot neuer Bohrungen in der Arktis. Angesichts von Sorgen um die Energiesicherheit erwägt sie jedoch eine Neubewertung ihrer Politik. Seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 ist Norwegen zum größten Gaslieferanten Europas aufgestiegen. Das Land deckt rund 30 Prozent des Bedarfs der EU und Großbritanniens. Es will seine Öl- und Gasproduktion mindestens bis 2035 auf dem derzeitigen Niveau halten. Ohne die Erschließung neuer Vorkommen droht die Förderung nach offiziellen Prognosen jedoch nach 2030 stark zu fallen. Norwegen gehört nicht der EU, aber dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an.
Der Chef des norwegischen Ölkonzerns Equinor, Anders Opedal, sagte, Öl und Flüssigerdgas (LNG) aus der Barentssee könnten in die ganze Welt geliefert werden, sollte die EU sie ablehnen. »Das Einzige, was darunter leiden wird, ist tatsächlich die europäische Sicherheit.« Unterdessen unterzeichnete der deutsche Energiekonzern Uniper einen langfristigen Gasliefervertrag mit Equinor, wie beide Unternehmen am Montag mitteilten. Uniper beziehe von 2027 bis 2041 jährlich mehr als 30 Terawattstunden Erdgas. Dies entspreche grob dem Gasverbrauch von mehr als zwei Millionen Haushalten in Deutschland pro Jahr.
Norwegen will nicht »grüne Batterie« für Europa sein
Energieminister Aasland erteilte zudem der Idee eine Absage, dass Norwegen als »grüne Batterie« für Europa dienen könnte. Diese Vorstellung sei fehlerbehaftet gewesen. Zwar hatte Norwegen den Bau neuer Stromverbindungen, unter anderem nach Deutschland, vorangetrieben. Wegen der in der Folge gestiegenen Strompreise stößt sie in Norwegen jedoch auf Widerstand. Aasland sagte, sein Land werde keine neuen Verbindungsleitungen bauen, bleibe aber einer engen Zusammenarbeit im Stromsektor mit Europa verpflichtet. Er forderte die europäischen Länder auf, ihre eigene stabile Stromversorgung zu stärken.
Die norwegische Regierung zieht unterdessen im Streit um die Ölförderung vor das oberste Gericht des Landes. Sie will damit ein Urteil niederer Instanzen kippen lassen, das die Genehmigungen für drei Ölfelder wegen mangelnder Klimaprüfung für ungültig erklärt hatte. Geklagt hatten der norwegische Ableger der Umweltorganisationen Greenpeace und die Gruppe Friends of the Earth. Die Regierung argumentierte, ihre nachträglichen Prüfungen der Klimawirkungen seien ausreichend. Zwei der betroffenen Felder sind bereits in Betrieb, das dritte soll im kommenden Jahr die Produktion aufnehmen.
Klimaschutzorganisationen werfen der norwegischen Regierung seit Jahren vor, von den Verkäufen von Öl und Gas zu profitieren, obwohl die Nutzung fossiler Brennstoffe die Erderwärmung befeuert. Im Juli 2025 hatte der Internationale Gerichtshof (IGH) in einem Gutachten festgestellt, dass der Klimawandel eine existenzielle Bedrohung darstellt. Die Länder müssten daher Klimaschutzmaßnahmen ergreifen.