Nur 2,4 Prozent emissionsfreie Lkw: Hersteller fordern Aufschub

Stand: 16.09.2026, 13:52 Uhr

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Europas Lkw-Hersteller wollen drei Jahre mehr Zeit für die CO₂-Ziele. Für Speditionen stellt sich eine andere Frage: Wann rechnet sich der Umstieg?

„Europas Lkw-Hersteller wollen für die CO₂-Ziele 2030 drei Jahre mehr Zeit. Nach Angaben ihres Verbands ACEA sind derzeit nur 2,4 Prozent der neu zugelassenen schweren Lkw in Europa emissionsfrei. Für mittelständische Speditionen beantwortet der Aufschub die entscheidende Frage allerdings nicht: Rechnet sich ein Elektro-Lkw auf ihren Routen – und steht die nötige Ladeleistung rechtzeitig bereit?

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Markt und Mittelstand.

2,4 Prozent Zulassungsanteil – und CO₂-Ziele für die ganze Flotte

Nach den geltenden EU-Vorgaben müssen Hersteller die CO₂-Emissionen neuer schwerer Nutzfahrzeuge bis 2030 um 43 Prozent gegenüber 2025 senken. Für 2035 sind 64 Prozent, für 2040 schließlich 90 Prozent vorgesehen.

Tesla Semi

Tesla stellte den Elektro-Sattelschlepper bereits 2017 vor. (Archivbild) © Julian Stratenschulte/dpa

Zwischen dem heutigen Marktanteil emissionsfreier Fahrzeuge und diesen Vorgaben liegt kein kleiner Rückstand. Es liegt eine industrielle Wette.

Die Hersteller verweisen auf fehlende Ladeinfrastruktur, langsame Netzanschlüsse und hohe Energiekosten. Das ist nachvollziehbar. Allerdings sprechen hier Unternehmen, denen bei einer Verfehlung der Flottenziele Milliardenstrafen drohen. Lobbyinteresse und reales Infrastrukturproblem existieren gleichzeitig. Das eine widerlegt das andere nicht.

Speditionen kaufen keine Klimaziele

Für einen Fuhrunternehmer ist ein Lkw kein politisches Bekenntnis. Er ist eine Rechnung auf Rädern.

Entscheidend sind Anschaffungspreis, Finanzierung, Stromkosten, Reichweite, Nutzlast, Ladezeit und Restwert. Hinzu kommt die Frage, ob der Betrieb überhaupt rechtzeitig einen ausreichend starken Netzanschluss erhält.

Gerade auf planbaren Regionalrouten kann ein Elektro-Lkw bereits wirtschaftlich interessant sein – etwa wenn auf dem Betriebshof geladen wird und eigener Solarstrom zur Verfügung steht. MuM hat solche Modelle bereits am Beispiel mittelständischer Logistiker beschrieben.

Im internationalen Fernverkehr sieht die Rechnung anders aus. Dort wird aus einer fehlenden Ladesäule schnell eine fehlende Tour.

Aufschub löst keine Investitionsblockade

Eine Verschiebung der Herstellerziele kann kurzfristig Strafzahlungen verhindern. Sie baut aber keinen einzigen Ladepark und beschleunigt keinen Netzanschluss.

Genau darin liegt der schwache Punkt der Forderung. Werden die Ziele gelockert, ohne die Infrastrukturprobleme zu lösen, gewinnen Hersteller Zeit – Fuhrunternehmen aber keine Planungssicherheit.

ACEA fordert deshalb unter anderem schnellere Netzanschlüsse, mehr Ladepunkte, eine stärkere CO₂-Differenzierung bei der Lkw-Maut und die Verwendung von Einnahmen aus dem Emissionshandel für Infrastruktur und Fahrzeughochlauf.

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Elektro-Lkw kaufen? Erst Route und Netzanschluss rechnen

Mittelständler sollten die Entscheidung nicht allein am Kaufpreis festmachen. Für jede regelmäßige Route gehören Kilometerleistung, Standzeiten, Ladestrompreis und mögliche Mautvorteile in eine Gesamtkostenrechnung.

Ebenso wichtig ist die Anschlussfrage beim Netzbetreiber. Wer das Fahrzeug bestellt, aber erst Jahre später die benötigte Ladeleistung erhält, besitzt anschließend einen sehr teuren Pausenraum.

Die Politik kann die Frist verschieben. Die Investitionsentscheidung nimmt sie dem Unternehmer nicht ab.

Fuhrpark-Check

  • Welche täglichen Strecken sind planbar?
  • Kann nachts auf dem Betriebshof geladen werden?
  • Welche Netzleistung steht tatsächlich zur Verfügung?
  • Wie unterscheiden sich Diesel-, Strom-, Wartungs- und Mautkosten?
  • Welche Ausweichlösung besteht bei Lade- oder Netzausfällen?
  • Wie belastbar sind Restwert- und Batteriekosten?

Quellen:

  • ACEA: Forderung der europäischen Lkw-Hersteller
  • Markt und Mittelstand: Mehr Volt im Fuhrpark