Nur Basketball im Kopf
Bei der WM kämpft der Bundestrainer gegen seine Frau
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03.09.2026 | 19:47 Uhr
Heim-Weltmeisterschaft für die deutschen Basketballerinnen: Da wird für Bundestrainer Olaf Lange alles andere zur Nebensache. Sein Kopf ist nur beim Turnier - obwohl seine Frau auch mitmischt. Allerdings als Gegnerin.
Eine gemütliche Bootsfahrt auf der Spree? Sightseeing am Brandenburger Tor? Ein schickes Dinner in einem Edelrestaurant? Nein, die vielen Annehmlichkeiten Berlins werden Olaf Lange und seine Ehefrau Sandy Brondello kaum gemeinsam genießen können. Stattdessen treffen sich der Bundestrainer und seine Gattin womöglich bald auf dem Parkett bei der Basketball-WM der Frauen.
So eine Weltmeisterschaft als Paar stelle man sich als Außenstehender "sehr romantisch vor", sagte Lange dem "Tagesspiegel" mit einem Lachen: "Viele denken, wir gehen dann gemeinsam hierhin und dorthin. Aber es ist Arbeit, Tag und Nacht. Wir werden gelegentlich telefonieren und wenn wir uns vor Ort sehen, wechseln wir ein paar Worte. Aber im Prinzip coacht sie ihre Mannschaft und ich coache meine."
Seit Oktober betreut der 54-Jährige die deutsche Nationalmannschaft, die bei der am Freitag beginnenden Heim-WM in Langes Geburtsstadt eine Medaille holen will. Brondello coacht die Auswahl ihrer australischen Heimat bereits seit 2017. Und sollte die Gruppenphase in der Hauptstadt entsprechend laufen, könnte es den Familien-Showdown bereits im Viertelfinale geben. "Unsere Kinder freuen sich schon auf so ein Duell", sagte Lange dem RBB.
Lange ist ein Weltenbummler
Dass Lange, der das Amt schon zweimal innegehabt und als Co-Trainer die Heim-WM 1998 miterlebt hatte, nach 20 Jahren wieder in Deutschland trainiert, kam im vergangenen Jahr durchaus überraschend. Nach dem Abschied von Lisa Thomaidis bewog ihn unter anderem Schlüsselspielerin Leonie Fiebich, die er aus der WNBA von New York Liberty kennt, zur Entscheidung für die Nationalmannschaft. Lange sei "genau das Puzzleteil, was uns noch gefehlt hat", sagte Fiebich im Podcast "Got Nexxt".
Während er der Öffentlichkeit in Deutschland lange kaum bekannt war, spricht die Vita des Weltenbummlers für sich. Um die Jahrtausendwende herum trainierte er höchst erfolgreich den EuroLeague-Klub Barmer TV 1846 Wuppertal, die vier Jahre ältere Brondello war damals sein Point Guard. Später heuerte Lange mit ihr als Co-Trainerin bei UGMK Jekaterinburg in Russland an und arbeitete mit Superstars wie Diana Taurasi und Brittney Griner.
Ehepaar spielte schon früher gegeneinander
Doch nicht immer stand das Ehepaar auf derselben Seite. 2021 schnappte Lange als Assistent bei Chicago Sky seiner Frau, damals Cheftrainerin von Phoenix Mercury, im WNBA-Finale den Titel weg. "Und während ich in der Halle im Konfettiregen stand, haben meine Kinder im Hallengang geweint, weil ihre Mama verloren hat. Die waren schon immer auf ihrer Seite", so Lange. Nur ein Jahr danach holten sie bei der bislang letzten WM in Sydney gemeinsam Bronze für Australien, 2024 folgte die WNBA-Meisterschaft mit New York.
Mittlerweile arbeitet Lange seiner Frau beim neuen WNBA-Klub Toronto Tempo zu. Und im Alltag bringe dieses Leben für den Basketball, so Lange, durchaus auch mal skurrile Situationen mit sich: "Ab und zu kommt es dann zu interessanten Momenten, wo ich dann mit meinen Spielerinnen von der Nationalmannschaft spreche, während sie einen Zoom-Call mit ihren hat. Da müssen wir dann zusehen, nicht zu viel zuzuhören oder in unterschiedliche Räume gehen." Wie der andere tickt, wissen beide aber ohnehin. Auch mit Blick auf ein mögliches WM-Duell.
Verwendete Quellen: ntv.de, ara/sid