Offenbacher Ehmes analysiert Messi: So bereitet sich die Schweiz auf Argentinien vor

Stand: 13.07.2026, 17:58 Uhr

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Kevin Ehmes aus Offenbach ist Chefanalyst der Schweizer Nationalmannschaft. Vor dem Viertelfinale gegen Weltmeister Argentinien sichtet sein Team seit Monaten Dutzende Stunden Videomaterial.

Vor dem WM-Viertelfinale der Schweiz gegen Argentinien (Sonntag, 3 Uhr MESZ, MagentaTV) in Kansas City hat ein gebürtiger Offenbacher alle Hände voll zu tun: Kevin Ehmes ist im Juli 2022 zum Chefanalysten des Schweizerischen Fußball-Verbandes (SFV) aufgestiegen, für den der 34-Jährige bereits seit acht Jahren arbeitet. Gemeinsam mit zwei weiteren Videoanalysten vor Ort und drei zusätzlichen Kollegen in der Schweiz sichtet der ehemalige Spieler der TGS Jügesheim schon seit Monaten Dutzende Stunden Videomaterial. Chefcoach Murat Yakin und die Spieler sollen auf jeden Gegner optimal vorbereitet werden. Aktuell auf niemand Geringeren als Superstar Lionel Messi und den Weltmeister.

Kevin Ehmes ist in den Schweizer Bergen heimisch geworden.

Kevin Ehmes ist in den Schweizer Bergen heimisch geworden. © privat

„Die Videoanalyse“, berichtet Ehmes unserer Mediengruppe, „spielt bei uns nach wie vor eine zentrale Rolle. Im Trainerbüro laufen die Laptops eigentlich rund um die Uhr – inklusive vieler spannender Diskussionen. Unser Cheftrainer möchte weniger erzählt bekommen, sondern sich mehr über Sequenzen austauschen.“ Yakin, sagt Ehmes, sei „sehr kommunikativ, bei ihm geht viel über Bauchgefühl“, gleichwohl: „Er will meine Meinung hören, er ist offen für Anregungen.“

Offenbacher Ehmes analysiert Messi: So bereitet sich die Schweiz auf Argentinien vor

Viele Teams hätten in den letzten Jahren vor allem im Bereich Datenanalyse personell aufgerüstet. „Wir vertrauen bei uns im Trainerteam aber nach wie vor stark auf unsere subjektive Einschätzung. Gleichzeitig verschließen wir uns dem Thema natürlich nicht und arbeiten im Bereich Datenanalyse mit der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) zusammen.“

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Ehmes ergänzt im Gespräch mit dem Schweizer Blick: „Die Vorbereitung auf einen Gegner nimmt zwischen fünf und sieben Tage in Anspruch.“ Da kann die Zeit vor einem Viertelfinale schon mal knapp werden. Hilfreich: Sämtliche Trainer von Schweizer U-Nationalmannschaften haben bereits vor dem Turnier eine WM-Gruppe zugeteilt bekommen und führen parallel eigene Gegneranalysen durch. „Die können später als wichtige Zweitmeinung dienen. Trainer blicken manchmal aus einer anderen Sicht auf gewisse Dinge als wir Analysten“, berichtet Ehmes.

Gegenüber Absolut Fussball erklärte er zudem, der erhöhte Personalaufwand habe „vor allem mit der ganzen Reiserei und dem Turniermodus zu tun“. Denn aufgrund der 48 Teilnehmer „konnten wir im Sechzehntelfinal auf eines von 28 Teams treffen“. Bei der letzten WM in Katar war vieles einfacher: „Dort fand alles in einer Stadt statt und im Achtelfinale kamen nur vier mögliche Gegner infrage.“ Was ist ihm bei dieser WM besonders aufgefallen? Ehmes antwortet: „Mittlerweile spricht man ja eher von vier Vierteln als von zwei Hälften. Diese dreiminütigen Pausen bieten immer wieder die Möglichkeit, kurz Inputs zu geben oder taktisch etwas anzupassen.“ Die Trinkpause als Taktiksession.

Während der Spiele hockt Kevin Ehmes unten auf der Ersatzbank. Über Funk ist er mit seinen Kollegen Julian Lauer, einem Kanadier, und Adnan Alicajic aus Bosnien und Herzegowina verbunden. Die beiden sitzen auf der Tribüne, haben dort einen besseren Überblick. Sie übermitteln Ehmes, was sie von weiter oben mit besserer Übersicht erkennen, und bereiten einzelne exemplarische Spielszenen für die Halbzeitpause vor.

Ehmes lebte einst im Rodgau, 1999 siedelte er als Kind mit seinen Eltern in die Schweiz nach Unterägeri im Kanton Zug um. Inzwischen gilt, berichtete er im Gespräch mit Absolut Fussball: „In der Schweiz bin ich der Deutsche, in Deutschland der Schweizer.“ In den USA erlebt er bereits seine dritte Männer-Weltmeisterschaft.

Schweizer Chefanalyst urteilt über deutsche WM-Leistung

Zum Abschneiden der deutschen Mannschaft äußert er sich maßvoll zurückhaltend: „Ich fand ihren Turnierstart speziell in der Offensive beeindruckend. Für mich hat eigentlich wenig darauf hingedeutet, dass sie gegen Paraguay ausscheiden würden.“ Wiewohl: „Gegen Frankreich wäre es dann sehr schwer geworden.“ Man habe „einmal mehr gesehen, wie schmal der Grat zwischen Sieg und Niederlage ist – das hat sich ja auch bei Italien gezeigt.“