„Oft hatten wir schon mittags Party“: Trattoria am Großmarkt nach über 30 Jahren geschlossen

Stand: 08.09.2026, 13:27 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Gennaro Bussone vor seinem Lokal im Jahr 2010. Schon 1992 begann die Erfolgsgeschichte der „Trattoria O‘Scugnizz“, wie das Restaurant anfangs hieß.

Gennaro Bussone vor seinem Lokal im Jahr 2010. Schon 1992 begann die Erfolgsgeschichte der „Trattoria O‘Scugnizz“, wie das Restaurant anfangs hieß. © Archiv

Gennaro Bussones Trattoria am Großmarkt war über Jahrzehnte eine Institution am Münchner Großmarkt. Jetzt ist Schluss: Das legendäre Restaurant ist zu – und die Stadt sucht einen Nachfolger.

München – Über 30 Jahre hat Gennaro Bussone (61) mit seiner Trattoria den Großmarkt geprägt. Der bayerische Italiener brachte die süditalienische Gelassenheit nach Sendling, unterwanderte die Leberkas-Hochburg am Großmarkt mit Langustenschwänzen und hausgemachter Pasta.

Auf der Kreidetafel am Lokal an der Thalkirchner Straße 126 stehen noch die Öffnungszeiten. Doch der Betrieb ist schon seit Monaten geschlossen. Die Stammgäste trauern dem Kult-Italiener hinterher. Wie es mit dem markanten Gebäude weitergeht, bleibt offen.

Bussones Trattoria am Großmarkt geschlossen – Das Ende einer Legende

Die Erfolgsgeschichte der „Trattoria O‘Scugnizz“ (auf Deutsch: „Der Gassenjunge“), wie das Lokal am Anfang hieß, begann im Jahr 1992. „Wir haben den Laden damals von einer befreundeten Firma auf dem Großmarkt übernommen“, sagt Bussone zur tz.

Sein Vater Carmine war 1956 von Neapel nach München gekommen, ursprünglich als Zwischenstopp geplant, bevor es weiter in die USA gehen sollte. Doch der Vater blieb. 50 Jahre. Gennaro ist in München geboren und in Sendling aufgewachsen. Der Großmarkt ist seine Welt – ein wuseliger Mikrokosmos, den die Familie Bussone entscheidend mitgestaltet hatte.

Italienische Feinkost im Wurst-Mekka

Vater Carmine baute einen florierenden Obst- und Gemüsehandel auf, zwischenzeitlich überraschten die Bussones eingefleischte Würstel-Fans mit neapolitanischer Feinkost. „Da gingen Paninis reihenweise über die Theke.“ Bruder Felice eröffnete 1995 gegenüber der Trattoria eine Pasticceria, die es bis Anfang 2015 gab.

„Wir waren damals die Kantine der Großmarkthalle“, sagt Gennaro Bussone. „Wir haben in der Früh um fünf aufgesperrt und um 14 Uhr die Leute rausgeschmissen. Die wollten gar nicht mehr gehen.“

„Oft hatten wir schon mittags Party“

Die rustikale Trattoria mit ihrem geselligen Wirt und raffinierter italienischer Küche machte in München von sich reden. Schon bald trafen Großmarkthändler, Arbeiter und Handwerker auf Szene-Gesellschaft und waschechte Großstädter, die gerne einen kulinarischen Abstecher zu dem authentischen Italiener in der ehemaligen Sortieranlage machten.

„In den besten Zeiten war hier immer was los. Oft hatten wir schon mittags Party drin. Dabei gab es am Anfang nicht mal eine Heizung. Da waren im Winter Eiskristalle auf der Kaffeemaschine, als wir morgens aufsperrten.“ Die Gäste fanden’s cool. Der Gassenjunge trägt jetzt Schlips.

„Man braucht Mut, um den Job zu machen“

Gennaro denkt gern an diese Jahre zurück. „Aber man braucht schon Mut, um den Job zu machen“, sagt er. Konfliktscheu war er nie. Aber immer herzlich, manchmal streitbar.

Als die Markthallen an einem Tag im Juni 2009 die alte Sortieranlage wegen Einsturzgefahr von jetzt auf gleich räumen ließen, wurde er zum Rädelsführer für die Mieter der Sortieranlage. „Das war reine Schikane. Wir haben uns zur Wehr gesetzt.“ 33 Tage nach der Zwangsschließung durfte die Trattoria wieder öffnen.

Napule, ehem. Restaurant  Bussone, München  03.09.2026

Das ehemalige Bussone, später Napule, steht seit November leer. © Markus Götzfried

Jetzt ist sie für immer zu. Das Kommunalreferat bereitet eine Ausschreibung für einen Nachmieter vor. Über die Gründe für das Aus will Bussone nicht näher sprechen. Nur so viel: Es habe innerhalb des Familienbetriebs Veränderungen gegeben. Die Trattoria hieß zuletzt Napule.