Olivia Rodrigo ist der beste Arena-Rock-Act seit Jahren

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Olivia Rodrigo gibt sich nie damit zufrieden, einfach nur ein weiteres Pop-Sternchen zu sein. Sie will dein perfekter, durch und durch amerikanischer Rockstar sein – und sie hat sich diese Krone verdient. O-Rod ist die echteste, kompromissloseste Rock-&-Roll-Erscheinung unserer Zeit. „Rock-Musik, die von Frauen gemacht wird, hat etwas ganz Besonderes“, sagte sie im Dezember im Gespräch mit Bikini-Kill-Frontfrau Kathleen Hanna für den Podcast der Rock & Roll Hall of Fame. „Sie hat eine andere emotionale Qualität. Der Schmerz, die Wut und die Verletzlichkeit, die eine Frau durch einen Rocksong ausdrücken kann – das ist eine völlig eigene Kategorie. Ich habe davon als Kind so viel Inspiration gezogen.“

Die ehemalige Disney-Prinzessin hat ihre Rockseite schon immer ausgelebt, seit ihrer ersten Tour 2022, als sie Veruca Salt und Avril Lavigne coverte. Früh schon stand sie gemeinsam mit No Doubt und Sheryl Crow auf der Bühne. Doch besonders am Herzen liegt ihr die feministisch-punkige Explosion der Neunziger – und der Anspruch, selbst ein Teil davon zu sein. Das ist schließlich das Mädchen, das dem ROLLING STONE erzählte, ihre Mutter habe sie jeden Morgen mit den Nineties-Grunge-Queens Babes in Toyland geweckt. („Vomit Heart“ legte den Grundstein, damit „Drivers License“ laufen konnte?)

Letztes Jahr war Rodrigos Festival-Ära: Sie fegte mit ihrer schlagkräftigen, rein weiblichen Band durch die Welt und zeigte dabei ihr gefährlichstes Arena-zerstörendes Bravado. Sie schmetterte „All-American Bitch“ wie das blutrünstige Rock-&-Roll-Tier, das sie immer sein sollte. Sie warf sich auf die Knie, um die Gitarren-Heldinnen ihrer Band zu feiern: Daisy Spencer und Arianna Powell. Sie sang Duette mit ihren Idolen, von Weezer bis David Byrne. Und das Größte: Sie teilte die Bühne mit Robert Smith von den Cure bei Glastonbury und nannte ihn „den größten Songwriter, den England je hervorgebracht hat“.

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Überraschung in Barcelona

Doch sie hat ihren Rock-Inspirationen schon immer ihren Tribut gezollt. Als sie im Juni beim Primavera Festival in Barcelona überraschend auftauchte, verschlug es der Menge den Atem: Sie holte Robert Smith höchstpersönlich auf die Bühne, um ihr bis dahin unveröffentlichtes Duett „What’s Wrong With Me“ uraufzuführen. Sie sang ihren Nummer-eins-Hit „Drop Dead“ mit der Zeile „You know all the words to ‚Just Like Heaven‘, and I know why he wrote them“ – und dann sang sie ein Duett mit dem Mann, der diesen Song geschrieben hat.

Rodrigo meinte es offensichtlich ernst, als sie immer wieder betonte, ihre neuen Songs seien von Gothic-Bands wie den Cure und Joy Division inspiriert. Das hört man auf Schritt und Tritt in ihrem Blockbuster-Album „You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love“. Sie taucht tief in die Rock-Sounds der Achtziger und Neunziger ein: das Synthie-Rauschen von „Maggots for Brains“, die Electro-Punk-Aggression von „My Way“, das Post-Punk-Gitarrengeflirr von „U + Me = <3“. „The Cure“ könnte ihr bislang bester Song sein – brodelnd im Neunziger-Modus von Smashing Pumpkins und Liz Phair. Diesen Sommer stieß sie bei Lollapalooza zu den Pumpkins und sang den „Mellon Collie“-Knaller „Thirty Three and a Third“, kurz bevor man sie beim Ausrasten auf einem My-Chemical-Romance-Konzert sichtete.

Mit ihrem Festival Daisy Chain Fields hat sie ein kühnes Statement gesetzt – eine ambitionierte Hommage an Frauen in der Musik, die Legenden wie Stevie Nicks aus den Siebzigern, Garbage, Bikini Kill und die Breeders aus den Neunzigern sowie Karen O aus den Nullerjahren umfasst. Das Line-up reichte von Doechii über Katseye bis Mitski, ganz zu schweigen von ihrer alten Donut-Laden-Freundin Chappell Roan. Dass sie ein triumphales Duett mit Sarah McLachlan sang, passt perfekt – schließlich hält sie den Geist der wegweisenden Lilith Fair am Leben.

Rodrigos ungefilterter Rock-Instinkt

Sie stellt immer wieder ihr breites Gespür für Rockgeschichte unter Beweis – gemeinsam mit ihrem Produzenten und Kollaborateur Dan Nigro, der mit seiner Band As Tall As Lions aus der Emo-Szene Long Islands kam. (Sie hat erzählt, er habe ihr den Witz auf dem Album über ihren „Yacht-Rock-Musikgeschmack“ vorgeschlagen.) Rodrigos ungefilterte Rockigkeit ist eine Leistung, die es zu feiern gilt. Möge sie für immer so unerbittlich aufgewühlt bleiben.

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Reasons to Love Rock, in der wir die Sounds, Trends, Szenen und Künstler vorstellen, die uns 2026 für Rockmusik begeistern.