FC St. Pauli
Nach dem Sieg gegen Wolfsburg wächst Marcel Rapps Auswahl beim FC St. Pauli. Warum das die Vorbereitung für Energie Cottbus verkompliziert.
Über das Tempo, das sich eingeschlichen, oder besser eingerast hat im Profifußball-Business, gibt es keine zwei Meinungen. Was heute großartig abgefeiert wird, ist morgen nichts mehr wert – oder eben umgekehrt. Im Fall des FC St. Pauli hatte (fast) alle Welt Zweifel an der Qualität des Kaders angemeldet nach dem Stotterstart in die Zweitliga-Saison. 95 beeindruckende Minuten gegen Wolfsburg später erscheint alles in einem ganz anderen Licht. Und Coach Marcel Rapp hält plötzlich eine bunte Tüte voller reizvoller Auswahlmöglichkeiten in den Händen.
Ben Voll nimmt dieser Tage eine exponierte Position ein beim FC St. Pauli. Die Nummer eins des Kiezklubs scheint der einzige Profi zu sein, der sich seiner Aufstellung generell ziemlich sicher sein kann. Bis vor zehn Tagen hätte man noch sieben, acht Feldspieler an Volls Seite gestellt, doch das ist anders seit dem Samstagabend der vergangenen Woche.
Da hatte Braun-Weiß den ersten Saisonsieg feiern dürfen, der beim 1:0 gegen den turmhohen Aufstiegsfavoriten aus Wolfsburg zudem hochverdient geriet – und das in bemerkenswerter personeller Zusammenstellung.
Taktik und Personal: Rapp hat die Qual der Wahl
Aus der Dreier-Abwehrkette hatten Tomoya Ando und Marcus Mathisen gefehlt, im offensiven Mittelfeld war Barnimir Hrgota ausgefallen. Zudem hatte sich Coach Rapp für einen Tausch zweier Stürmer entschieden, Taichi Hara und Martijn Kaars auf die Bank gesetzt. Stattdessen begannen Lars Ritzka, später ersetzt durch Adam Dzwigala, Joel Chima Fujita, Youssoupha Niang, Abdoulie Ceesay und Connor Metcalfe – und trugen jeweils ihr Scherflein zu einer äußerst stabilen Darbietung bei.
So weit, so großartig. Besser noch: Ando, Mathisen und Hrgota sind bereits am Dienstag wieder ins Training eingestiegen, dürften sämtlich für die schwere Auswärtspartie am Sonntag bei Aufsteiger Energie Cottbus zur Verfügung stehen. Aber wen beordert Rapp direkt zurück in die Startelf? Wen lässt er erst einmal draußen?
Kadersituation erlaubt dem Kiezklub Variabilität
Der Coach hat eine bunte Tüte an hochwertigem Personal, in die sich nach der Länderspielpause auch noch Zugang Rony Jansson nach ausgestandener Verletzung begeben wird. Es fehlen lediglich die beiden Langzeitverletzten Mathias Pereira Lage und Gisli Thordarson. Heißt auch, dass nicht für alle gesunden Profis Platz im Spieltagskader sein wird – und sowieso nicht in der Anfangsformation.
Auf Dauer will das geschickt moderiert werden, für den Moment ist das natürlich das Beste, was Rapp sich vorstellen kann. „Der Konkurrenzkampf war grundsätzlich immer da“, sagte er nach dem Wolfsburg-Spiel. Die Intensität dürfte dennoch eine neue sein. Eine, die ihm auch erlaubt, taktisch so geschickt zu variieren, wie er es gegen Wolfsburg hinbekommen hat.
Die VfL-Aufstellung also als Blaupause für Cottbus? Kann sein. Kann aber auch ganz anders kommen. Das ist ja das Schöne für den FC St. Pauli in der derzeitigen Situation – und ein großes Rätsel für den jeweiligen Gegner.