Gleich nach der wilden Fahrt ist noch eine Haarsträhne wieder unter Kontrolle zu bringen, dann geht Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Laufsteg hinunter. Als er sich zu den Menschen hinter dem Zaun dreht, steckt er kurz die Zunge heraus. Eine Geste der Erleichterung, es ist überstanden. Fünf Loopings auf dem Oktoberfest, für Olympia haut sich Söder voll rein.
Dem Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) merkt man die Strapazen weniger an. Anders als Söder, der kein Freund solcher heftigen Fahrgeschäfte ist, mag er diesen Kick. Eher beflügelt geht er mit dem Ministerpräsidenten Richtung Ausgang, wo schon sehr viele Menschen warten, die wissen wollen, wie sie sich denn angefühlt hat, die Fahrt für die Spiele auf dem Münchner Olympia-Looping.

Kopfstand für Olympia: Die Achterbahn bietet fünf Loopings - so viele, wie es Olympische Ringe gibt.
Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/Imago„Gut war es“, sagt Söder. „Aber einmal reicht.“ Nach dem Sieg bei der nationalen Ausscheidung um die Kandidatur für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 stünden nun erst die großen Herausforderungen an. „Wenn es hilft, dann fahre ich auch 60 Mal“, betont der Ministerpräsident. Und wiederholt seine Botschaft vom ersten Wiesntag: Krause und er seien ein „gutes Team“.
Das bestätigt der Münchner OB prompt. „Respekt, dass er das Versprechen eingelöst hat“, würdigt er die Leistung Söders. „Es hat Spaß gemacht.“ Aber auch Krause bremst die Euphorie ein wenig. „Die richtige Aufregung mit der internationalen Bewerbung steht erst an.“
Schuld am möglicherweise flauen Magen des Ministerpräsidenten ist der Münchner Oberbürgermeister. Er hat beim traditionellen Rundgang der Medien vor der Eröffnung des Oktoberfests die Idee in den Raum geworfen, bei einem Sieg in der nationalen Ausscheidung gemeinsam den Olympia-Looping zu drehen. Damit war der Termin gesetzt: Beide sind genug Profis, um keinen Rückzieher zu machen, eben weil sie auch wissen, welch eine Werbewirkung diese Bilder haben: für Olympische Sommerspiele, aber auch für sie selbst.
Noch stehen nicht alle Münchnerinnen und Münchner Kopf wegen der Olympischen Spiele, schließlich hat man gerade mal die nationale Auswahl gewonnen. Aber Söder und Krause, die stehen dafür gerne gleich fünfmal Kopf für ihr gemeinsames Projekt: bei jedem der fünf farbigen Gleisringe einmal. Dafür haben sich die beiden vorher in einen Abgrund hinabgestürzt, um so richtig Schwung aufzunehmen: Fast 100 Sachen werden die Waggons schnell.

Joviale Grüße zum Start: CSU-Chef Söder (links) und OB Dominik Krause (Grüne/rechts).
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Wer den fünffachen Kopfstand mehr genoss? Das Bild gibt einen Hinweis.
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Dokument des ungewöhnlichen Miteinanders: das Automatenbild der Fahrt.
Foto: privatEin solches Hals-über-Kopf-Tempo sollten die beiden gleich beibehalten, wenn tatsächlich schon das Jahr 2036 eine Option für Sommerspiele sein sollte. Sonst wird es nichts mit fertigen Sportstätten, einem neuen Olympischen Dorf und neuen Bahnen im Verkehr. Dass der Ministerpräsident und der Oberbürgermeister ihre Jubel-Fahrt auf Gleisen unternehmen, weist auch schon in die Zukunft. Sehr viel zur nötigen Mobilität wird vom größten Schienenkonzern abhängen, der Deutschen Bahn.
Der Konzern muss seine Planungen und Bauarbeiten auch gleich auf Überschlag-Niveau bringen, um die zweite Stammstrecke, den neuen Hauptbahnhof, eine Express-S-Bahn nach Augsburg oder den ICE-Anschluss für den Flughafen rechtzeitig fertigzustellen. Sollte die Bahn zu langsam sein, dann könnte es die Sommerspiele aus der Kurve hauen. Aber an solche Fliehkräfte denkt auf dem Oktoberfest an diesem Montagabend natürlich niemand: Söder und Krause sind wohlbehalten in den Haltebahnhof eingefahren.