Open Energy startet in Potsdam: „Selbst Strom zu erzeugen, ist kein Hexenwerk“

Herr Voigt, was ist Open Energy?
Mit dem Projekt möchten wir Wissen und Kompetenzen vermitteln, wie Menschen mit Solar- und Kleinwindkraftanlagen Energie erzeugen können.

Bieten Sie auch die Anlagen an?
Wir verkaufen nichts und geben keine konkreten Kaufempfehlungen, sondern beraten eher dahingehend, worauf geachtet werden sollte. Wenn wir konkrete Produkte vorschlagen, dann Open-Source-Hardware. Dazu gibt es eine umfangreiche Dokumentation, zu der auch eine Liste von Teilen gehört und bei der Schritt für Schritt beschrieben ist, wie alles zusammengesetzt wird. Das ist Technik, die ganz in der Hand der Bürger ist, von ihnen gewartet und repariert werden kann. Wir arbeiten außerdem gerade daran, ein paar Windkits zur Verfügung stellen zu können.

Das Projekt startet am 19. Oktober in Potsdam?
Am Samstag ist um 14 Uhr im Nano Science Center unsere Auftaktveranstaltung. Da wollen wir Einblicke in Brandenburger Energieprojekte geben. Wir diskutieren mit erfahrenen Teilnehmern aus der Bürgerenergie und wollen eine Balkonsolarberatung anbieten.

Wie geht es weiter?
In den nächsten Wochen gibt es in Brandenburg Workshops zu Balkonkraftwerken, Solar- und Kleinwindanlagen. Wir wollen direkt zu den Menschen in den Dörfern und vor Ort interessierte Leute zusammenbringen. Wir möchten sie zudem beim Bau von Anlagen begleiten. Und wir bereiten Informationen und Anleitungen auf unserer Internetseite energie-selbermachen.de auf, um einen Informationspool aufzubauen.

Wie ist die Ausgangslage bei den erneuerbaren Energien?
Im Dachsolar-Bereich liegt Brandenburg insgesamt bei acht Prozent Nutzung der möglichen Flächen. Da gibt es aber Kommunen wie Grünheide mit bis zu 20 Prozent und andere, bei denen es nur zwei bis vier Prozent sind. Da ist noch Luft nach oben. Mit anderen Bundesländern kann man das nicht wirklich vergleichen, da nicht alle eine Potenzialanalyse machen und dazu noch verschiedene Methoden verwenden. Bei Balkonsolar liegt Brandenburg mit 4,2 Anlagen pro 100 Haushalten zwar auf Platz vier der Bundesländer. Hier sind die meisten aber im Speckgürtel, es gibt also auch da noch viel Potenzial. Bei den Kleinwindanlagen sprechen wir überhaupt nur von Einzelfällen.

Kann eine Privatperson denn viel machen?
Solaranlagen auf dem Dach des eigenen Hauses sind in Brandenburg baugenehmigungsfrei. Möchte ein Mieter eine Balkonsolaranlage errichten, muss der Vermieter das genehmigen. Dafür gibt es aber einen rechtlichen Rahmen, der viele Möglichkeiten bietet. Solar-Freiflächenanlagen sind nur im kleinen Rahmen baugenehmigungsfrei, Kleinwindräder aber dafür bis zu zehn Meter hoch. Hier braucht man eine freie Fläche, am besten Richtung Westen, damit sich der Wind aufbauen kann.

Helfen Sie auch bei der Gründung von Genossenschaften?
Nein, das machen andere. Wir sprechen Privatpersonen an, die allein oder mit Nachbarn etwas umsetzen möchten.

Warum sollen sich Menschen an Sie wenden?
Im Idealfall weiß man danach, wie man solch eine Solar- oder Windkraftanlage aufbaut, und spart Geld. Es ist ein sehr bestärkendes Gefühl, wenn man dann in der Solar-App sieht, wie viel Strom man erzeugt hat. Unsere Veranstaltungen sind kostenfrei, es gibt auch keine Mitgliedschaft bei uns. Wir sind immer ansprechbar, aber es ist genauso hilfreich, Beratungsmöglichkeiten vor Ort zu nutzen, etwa den Solarverein in Potsdam.

Und wer sich schon auskennt?
Wir freuen uns über jeden, der zu unseren Veranstaltungen kommt, um sein Wissen zu teilen. Selbst Strom zu erzeugen, ist kein Hexenwerk, aber manche haben Angst, den ersten Schritt zu machen. Das wollen wir ändern.